Apptronik und LG treiben humanoide Roboter in die Praxis
14.02.2026 - 07:52:12Die kommerzielle Ära der humanoiden Roboter beginnt 2026 mit einem Paukenschlag. Zwei strategische Schritte markieren den Übergang von der Forschung zur Praxis: Das US-Start-up Apptronik sichert sich eine halbe Milliarde Euro frisches Kapital, während der südkoreanische Tech-Riese LG seine KI-Forschung neu aufstellt, um die Entwicklung zu beschleunigen.
Apptronik: Eine Milliarde Euro für den Roboter Apollo
Das in Austin beheimatete Unternehmen Apptronik hat seine Finanzierungsrunde um 520 Millionen Euro aufgestockt. Damit beläuft sich das gesamte eingesammelte Kapital auf fast eine Milliarde Euro. Neue prominente Investoren wie AT&T Ventures, der Landmaschinenhersteller John Deere und der Staatsfonds Qatar Investment Authority sind eingestiegen. Sie gesellen sich zu bestehenden Unterstützern wie Google, Mercedes-Benz und B Capital. Die Nachfrage war so groß, dass die Runde geöffnet wurde – die Bewertung des Unternehmens hat sich im Vergleich zur ursprünglichen Serie-A-Runde verdreifacht und liegt nun bei über fünf Milliarden Euro.
Das Kapital soll den Weg für den humanoiden Roboter Apollo in die Massenproduktion ebnen. Apptronik plant, sein Netzwerk aus Pilotprogrammen weltweit auszubauen und fortschrittliche Einrichtungen für Roboter-Training und Datensammlung zu schaffen. Apollo ist für körperlich anstrengende, repetitive Aufgaben in der Fertigung und Logistik konzipiert, etwa den Transport und das Sortieren von Komponenten. Partnerschaften mit Mercedes-Benz, dem Logistikanbieter GXO und dem Fertigungsspezialisten Jabil sind bereits geschlossen. Noch 2026 will Apptronik zudem eine neue Roboter-Generation vorstellen.
LG: Neuer Fokus auf „Physische KI“
Parallel dazu vollzieht der südkoreanische Konzern LG eine strategische Neuausrichtung. Sein KI-Forschungsinstitut hat eine eigene Einheit für „Physical AI“ (Physische KI) geschaffen. Dazu wurde das bestehende Vision Lab zum „Physical Intelligence Lab“ erweitert, einer der höchstrangigen Bereiche innerhalb des Instituts. Kern der Strategie ist die Integration von LGs eigenem KI-Modell Exaone, das als „Gehirn“ für die Roboter fungieren soll.
Diese Reorganisation ist Teil einer konzernweiten „One LG“-Strategie, die Synergien zwischen den verschiedenen Tochtergesellschaften schaffen soll. LG Electronics, das auf der CES im Januar 2026 den Haushaltsroboter ‚Cloid‘ vorgestellt hat, LG Innotek und LG Uplus sollen alle mit der neuen KI-Einheit zusammenarbeiten. Ziel ist es, LGs Stärken in Hardware und Fertigung mit seiner KI-Forschung zu verbinden, um im wachsenden Markt für physische KI zu konkurrieren.
Vom Labor auf den Werkshof: Die Industrie wird erwachsen
Die Entwicklungen bei Apptronik und LG spiegeln einen breiteren Trend wider: Die Branche verlässt die Phase der Prototypen und sucht nach praktischem, wirtschaftlichem Nutzen. Der Fokus im Jahr 2026 liegt nicht mehr primär auf dem mechanischen „Körper“ des Roboters, sondern auf seinem „Gehirn“ – der hochentwickelten KI und Software, die Autonomie und Anpassungsfähigkeit ermöglicht.
Während Apptronik und LG das „Gehirn“ ihrer Roboter perfektionieren, steigt auch der Druck, KI-Systeme sicher und gesetzeskonform zu betreiben. Ein kostenloses E‑Book erklärt aktuelle Cyber‑Security‑Risiken, die neue KI‑Regulierung und konkrete Maßnahmen für Unternehmen, die KI in Produktion und Logistik einsetzen. Jetzt kostenlosen Cyber-Security-Report herunterladen
Vor allem chinesische Roboterhersteller investieren massiv in intelligente Modelle, die auf Unvorhersehbares reagieren können. Firmen wie Dobot aus Shenzhen haben bereits erste Serien ihrer humanoiden Roboter ausgeliefert. Der Markt spaltet sich zunehmend in zwei Pfade: „Wertdemonstration durch Vorführungen“ und „Wertschöpfung durch praktische Arbeit“. Die massiven Investitionen und strategischen Fokussierungen deuten darauf hin, dass die Ära der praktischen Arbeit nun beginnt.
Analyse: Ein Markt am Wendepunkt
Die Mega-Finanzierungsrunde und die strategische Neuausrichtung zeigen, dass der Markt für humanoide Roboter an einem kritischen Wendepunkt angelangt ist. Das Vertrauen der Investoren ist enorm – Apptroniks Bewertung signalisiert, dass das lange versprochene Potenzial nun als greifbare Realität gesehen wird. Die Beteiligung von strategischen Investoren aus Telekommunikation, Landwirtschaft und Automobilindustrie unterstreicht die Breite der disruptiven Möglichkeiten.
Der Schlüssel zu dieser neuen Phase ist die KI-Integration. Während die Hardware stetig besser wurde, sind es nun die Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz, die den Einsatz in unstrukturierten, menschlichen Umgebungen erst ermöglichen. Die Entwicklung roboterspezifischer Foundation-Modelle und Betriebssysteme rückt in den Mittelpunkt. Dieser software-definierte Ansatz erlaubt kontinuierliche Verbesserungen und Lerneffekte über ganze Roboterflotten hinweg.
Vor allem für Unternehmen, die Roboter in Fertigung, Logistik oder Gesundheitswesen einsetzen wollen, wird die Integration dieser KI-gesteuerten Plattformen in bestehende IT‑ und Sicherheitsarchitekturen entscheidend sein. Interoperable, modulare Plattformen und robuste Sicherheits‑ und Compliance‑Prozesse werden zu Wettbewerbsfaktoren.
Ausblick: Wettlauf um Produktion und Intelligenz
Die Branche steht vor einer rasanten Expansion. Apptronik plant den großflächigen kommerziellen Einsatz von Apollo in Logistik und Fertigung, später auch im Einzelhandel und Gesundheitswesen. Mit dem frischen Kapital kann die Produktion auf Tausende Einheiten hochgefahren werden. China hat unterdessen nationale Ziele formuliert: Bis 2025 sollen humanoide Roboter in Massenproduktion gehen, bis 2027 will das Land die Marktführerschaft erlangen – ein Hinweis auf den scharfen globalen Wettbewerb.
Für potenzielle Anwender in der Industrie wird die Integration dieser KI-gesteuerten Roboterplattformen in bestehende Arbeitsabläufe entscheidend sein. Der Trend geht weg von geschlossenen, proprietären Systemen hin zu interoperablen, modularen Plattformen, die einfachere Integration und Skalierbarkeit ermöglichen. Während Unternehmen wie LG das „Gehirn“ perfektionieren und Firmen wie Apptronik den „Körper“ in Serie produzieren, werden die nächsten Jahre die ersten großflächigen Einsätze humanoider Roboter in der Arbeitswelt bringen – und die Landschaft der Industrieautomation grundlegend verändern.
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