Apotheken, Gesundheitszentren

Apotheken werden zu digitalen Gesundheitszentren

20.01.2026 - 11:54:12

Neue erstattungsfähige Herzchecks und das ApoVWG treiben die Transformation deutscher Apotheken zu dienstleistungsorientierten Präventionszentren voran, während digitale Lücken und Finanzierungsfragen bleiben.

Deutsche Apotheken wandeln sich in diesem Januar 2026 zu niedrigschwelligen Präventionszentren. Treiber sind neue Gesetze und der digitale Wettbewerb.

Prävention als neues Kerngeschäft

Seit Jahresbeginn bieten Apotheken verstärkt kardiovaskuläre Vorsorgechecks an. Diese standardisierten Risikobewertungen mit Cholesterin- und Blutdruckmessungen sind nun erstattungsfähig. Grundlage ist das seit Anfang des Jahres praktisch umgesetzte Gesundes-Herz-Gesetz. „Apotheken werden zur ersten Anlaufstelle für Herzgesundheit”, erklärt ein Branchenkenner.

Die digitale Infrastruktur spielt dabei eine Schlüsselrolle. Die Branchenplattform Gedisa hat ihre „ApoGuide”-App für die neuen Workflows angepasst. Patienten können dort nicht nur E-Rezepte verwalten, sondern auch Termine für pharmazeutische Dienstleistungen buchen – von Inhalationstrainings bis zu den neuen Herzchecks.

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ApoVWG: Weichenstellung am 30. Januar

Parallel erreicht die Gesundheitspolitik eine entscheidende Phase. Der Bundesrat berät am 30. Januar über das Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG). Der Entwurf sieht erweiterte Kompetenzen für Apotheker vor:

  • Abgabe von Medikamenten bei unkomplizierten Erkrankungen ohne Rezept
  • Erweiterte Impfkompetenzen
  • Digitale Ersteinschätzung von Patienten vor Arztbesuchen

Doch der Weg ist steinig. Die Länder fordern höhere Festvergütungen, wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet. Ohne bessere Finanzierung, so das Argument, drohe die digitale Transformation zu scheitern.

Digitale Lücken trotz Fortschritt

Während das Dienstleistungsangebot wächst, hinkt die digitale Infrastruktur hinterher. Seit Januar 2025 steht die elektronische Patientenakte (ePA) allen Versicherten offen – doch nur 20 Prozent nutzen sie aktiv. Dabei ist die Akte entscheidend für den Präventionserfolg: Können Screening-Ergebnisse direkt übertragen werden, stärkt das die Rolle der Apotheken im Behandlungsteam.

Für Apothekenbesitzer kommt zusätzlicher finanzieller Druck: Seit 1. Januar 2026 finanzieren die meisten Landesapothekerverbände die Gedisa-Plattform nicht mehr kollektiv. Jede Apotheke muss nun einzeln für den „Basis-Zugang” zahlen. Kleinere Betriebe stehen damit vor der Herausforderung, ihre digitalen Angebote profitabel zu gestalten.

Hybrid-Modell als Wettbewerbsvorteil

Marktbeobachter sehen 2026 als entscheidendes Jahr für das „Hybrid-Apotheke”-Modell. Der Druck durch Online-Anbieter zwingt lokale Apotheken zur Innovation. Durch Dienstleistungen, die physische Anwesenheit erfordern – wie Blutanalysen –, aber digital gebucht werden, schaffen sie einen „phygitalen” Graben, den reine Online-Konkurrenten nicht überwinden können.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) betont: Der Erfolg hängt von der Einbindung in das digitale Ökosystem ab. Die nahtlose Integration in die ePA ist dabei ein zentraler Wertversprechen.

Was kommt 2026?

Die kommenden Wochen sind richtungsweisend. Die Bundesratsentscheidung Ende Januar könnte eine Welle neuer Präventionsdienstleistungen auslösen. Gleichzeitig arbeitet das Gesundheitsministerium an einem „Digitalgesetz” zur Stabilisierung der Telematikinfrastruktur, dessen Entwurf Sommer 2026 erwartet wird.

Für Apotheken ist die Botsage klar: Die Transformation zum dienstleistungsorientierten, digital integrierten Betriebsmodell ist keine Option mehr, sondern regulatorische und wettbewerbliche Notwendigkeit. Die Frage ist nur: Schafft die Politik die finanziellen Rahmenbedingungen, damit dieser Wandel gelingen kann?

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