Antidiskriminierungsbeauftragte, Kurswechsel

Antidiskriminierungsbeauftragte fordert radikalen Kurswechsel

24.02.2026 - 12:09:29 | boerse-global.de

Die Antidiskriminierungsbeauftragte kritisiert das schwache Gleichbehandlungsgesetz und fordert mehr Kita-Plätze, um die hartnäckige finanzielle Ungleichheit zwischen Frauen und Männern zu bekämpfen.

Die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, fordert einen grundlegenden Kulturwandel, um die hartnäckige Lohnlücke von 16 Prozent zwischen Frauen und Männern zu schließen. In einem scharfen Vorstoß kritisiert sie die Prioritäten der neuen Koalition und die Schwächen des deutschen Gleichbehandlungsgesetzes.

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„Mars-Kolonisierung wahrscheinlicher als Lohngerechtigkeit“

Anlässlich des bevorstehenden Equal Pay Day am 27. Februar übt die unabhängige Bundesbeauftragte massive Kritik. „Bei diesem Tempo kolonisieren wir eher den Mars, als dass Frauen in Deutschland finanzielle Gleichheit erreichen“, sagte Ataman der „Rheinischen Post“. Sie verurteilt die systematische Unterbezahlung gleicher Arbeit als klaren Verstoß gegen die Fairness am Arbeitsplatz.

Das deutsche Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gehöre zu den schwächsten in Europa, so Ataman. Diese Gesetzeslücke lasse viele Arbeitnehmerinnen schutzlos zurück und erschwere Klagen bei Gehaltsdiskriminierung erheblich. Der Zeitpunkt ihrer Aussagen ist strategisch: Der Equal Pay Day markiert symbolisch die 58 Tage, die Frauen im Vergleich zu Männern dieses Jahr unbezahlt arbeiten.

Unsichtbare Last: Care-Arbeit und Kita-Mangel im Fokus

Ein Kernproblem sieht Ataman in der ungleichen Verteilung unbezahlter Sorgearbeit. Offizielle Daten zeigen: Frauen leisten täglich etwa 45 Prozent mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer. Diese unsichtbare Arbeit sei das Fundament von Wirtschaft und Gesellschaft, betont die Beauftragte.

Ihre Kritik richtet sich direkt an die Ampel-Nachfolgeregierung aus CDU/CSU und SPD. Statt über Krankentage zu debattieren, solle die Koalition den akuten Mangel an Kita-Plätzen priorisieren. Zahlreiche Mütter seien gezwungen, beruflich kürzerzutreten oder ganz auszusteigen – ein Haupttreiber der Lohnlücke. Experten warnen: Ohne massiven Ausbau der Kinderbetreuung bleiben die strukturellen Nachteile für Frauen bestehen.

Statistik zeigt: Vollzeit-Lücke schrumpft, Gesamtproblem bleibt

Aktuelle Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung untermauern die Forderungen. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienten 2024 durchschnittlich 17,2 Prozent weniger als Männer. Zwar hat sich diese spezifische Lücke seit 2019 um 3,2 Prozent verringert. Der allgemeine, unbereinigte Gender Pay Gap stagniert jedoch hartnäckig bei 16 Prozent.

Ein Teil dieser Differenz lässt sich auf die stärkere Präsenz von Frauen in systemrelevanten, aber schlechter bezahlten Branchen wie Erziehung und Pflege zurückführen. Entscheidend ist jedoch der bereinigte Gender Pay Gap. Er misst den Unterschied im Gehalt bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit – und verweist direkt auf anhaltende Diskriminierung in Entlohnung und Beförderung.

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Gesetzeslücken und wirtschaftlicher Schaden für Deutschland

Deutschland hinkt im europäischen Vergleich hinterher. Länder mit strengeren Transparenzgesetzen und wirksamerer Gleichbehandlungsgesetzgebung verzeichnen schnellere Fortschritte. Die Kritik der Beauragten spiegelt eine wachsende Ungeduld wider.

Unternehmen erkennen zunehmend, dass faire Bezahlung im Fachkräftemangel ein Wettbewerbsvorteil ist. Firmen mit intransparenten Gehaltsstrukturen riskieren, Top-Talente an fairer zahlende Konkurrenten zu verlieren. Volkswirte sehen großes Potenzial: Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen durch bessere Bezahlung und Betreuung könnte die angespannte Arbeitsmarktsituation entschärfen.

Welche Reformen sind jetzt nötig?

Der Druck auf Politik und Wirtschaft wächst. Verbände fordern eine Nachschärfung des AGG, um Diskriminierung leichter anfechten zu können. Personalabteilungen müssen sich auf mehr Scrutiny bei ihren Vergütungsmodellen einstellen. Erwartet werden verbindliche Gehaltstransparenz und standardisierte Beförderungskriterien.

Der geforderte Kulturwandel erfordert gemeinsame Anstrengungen. Konkrete Schritte wären eine Reform der Kita-Finanzierung und strengere Berichtspflichten für Unternehmensgehälter. Solange diese systemischen Veränderungen ausbleiben, bleibt der Equal Pay Day ein deprimierender Kalendereintrag – und ein Beleg für die finanzielle Ungleichheit im Herzen der deutschen Wirtschaft.

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