Anthropics, KI-Assistent

Anthropics KI-Assistent Claude Cowork erobert Windows

11.02.2026 - 18:00:12

KI wird zum direkten Kollegen am PC: Anthropic beendet die Exklusivität seines automatisierten Assistenten für Mac-Nutzer und stellt die Vollversion für Windows bereit. Ab sofort können zahlende Kunden dem KI-System komplexe Aufgaben direkt auf ihrem Rechner übertragen.

Die Entscheidung ist ein klarer Angriff auf den größten Desktop-Markt der Welt. Bislang war Claude Cowork, der seit Januar 2026 als Forschungsvorschau verfügbar ist, nur auf macOS nutzbar. Nun erhalten Windows-Nutzer mit einem Claude Pro-, Team- oder Enterprise-Abo den vollen Funktionsumfang. Das Ziel ist eindeutig: Der KI-Pionier will seine leistungsstarken Modelle tief in professionelle Arbeitsabläufe integrieren und etablierte Softwareanbieter sowie Konkurrenten wie OpenAI herausfordern.

Der Launch folgt kurz auf die Vorstellung des neuen Flaggschiff-Modells Claude Opus 4.6 und fällt in eine Phase, in der gerade Sicherheitsbedenken rund um die zugrundeliegende Technologie öffentlich wurden.

Vom Chatbot zum autonomen Agenten

Claude Cowork stellt einen Paradigmenwechsel dar. Es handelt sich nicht um einen simplen Frage-Antwort-Chatbot. Stattdessen agiert das System als autonomer „agentischer“ Assistent. Nutzer weisen der KI einen lokalen Ordner zu und formulieren ein übergeordnetes Ziel – etwa „Erstelle aus diesen Notizen einen strukturierten Bericht“ oder „Organisiere die Dateien in meinem Download-Ordner“.

Die KI plant und führt dann eigenständig die notwendigen Schritte aus: Sie liest Dokumente, erstellt neue Dateien, bearbeitet Inhalte und extrahiert Daten. Die Vision: Lästige Informationsarbeit automatisieren und ein Gefühl der Delegation an einen digitalen Mitarbeiter schaffen, der im Hintergrund arbeitet.

Volle Funktionsparität und neue Steuerungsmöglichkeiten

Die Windows-Version bringt den kompletten Funktionsumfang mit. Kernstück ist der Zugriff auf Dateien in einem benutzerdefinierten Ordner und die Ausführung mehrstufiger Aufgaben über das Model Context Protocol (MCP), das Verbindungen zu externen Tools herstellt.

Neu ist die Funktion „Globale und Ordner-Anweisungen“. Damit kann der Nutzer Claude persistente Kontextinformationen mitgeben. Globale Anweisungen – etwa zum bevorzugten Schreibstil – gelten für alle Sitzungen. Ordnerspezifische Regeln aktivieren sich nur bei der Arbeit in bestimmten Projektverzeichnissen und machen die KI so effizienter.

Unternehmen im Fokus – und die Märkte reagieren

Die Expansion ist ein zentraler Baustein von Anthropics Offensive im lukrativen Enterprise-Markt. Das Unternehmen zielt gezielt auf professionelle Anwender ab, was bereits jetzt Wellen schlägt. Die Ankündigung spezieller Rechts-Plugins für Cowork Anfang Februar löste einen deutlichen Kurssturz bei etablierten Anbietern wie Thomson Reuters und RELX (Mutter von LexisNexis) aus.

Investoren fürchten, dass Anthropics KI-Agenten Geschäftsmodelle disruptieren könnten, die auf aufwändiger Informationssynthese und Dokumentenarbeit basieren – eine Branche, die in Deutschland von Unternehmen wie SAP oder Datev mitbestimmt wird.

Sicherheitsdebatte begleitet den Hype

Der rasante Vorstoß in die agentische KI wirft jedoch neue Sicherheitsfragen auf. Am 9. und 10. Februar machten Sicherheitsforscher eine kritische Zero-Click-Schwachstelle in den Claude Desktop Extensions öffentlich. Die Lücke im MCP-Protokoll könnte theoretisch eine Fernausführung von Code über eine manipulierte Google Calendar-Einladung ermöglichen.

Anthropic wies die Bedrohung als kontrollierbar zurück. Das Tool sei für die lokale Entwicklung gedacht, wo Nutzer Berechtigungen explizit erteilen müssten. Man solle die gleiche Vorsicht walten lassen wie bei der Installation anderer Software. Die Debatte zeigt: Je autonomer KI-Systeme werden und je mehr Zugriff sie auf lokale Daten erhalten, desto kritischer werden robuste Sicherheitsgrenzen.

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Was kommt als Nächstes?

Da es sich noch um eine Forschungsvorschau handelt, ist mit einem stetigen Strom von Verbesserungen zu rechnen. Anthropics Strategie setzt auf schnelle Iteration basierend auf Feedback, insbesondere von Unternehmen, die den Windows-Support lautstark forderten.

Die Zukunft wird sich auf zwei Bereiche konzentrieren: die Erweiterung der Plugin-Bibliothek für spezialisierte Aufgaben und die Verfeinerung der Sicherheits- und Berechtigungsmodelle. Die Ankunft von Cowork auf Windows markiert einen Meilenstein. Sie macht praktische, hoch entwickelte KI-Assistenten für ein Millionenpublikum zugänglich und beschleunigt den Wandel hin zum digitalen Kollegen.

@ boerse-global.de

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