Anthropic: KI-Agenten im Praxistest – Bug bremst Claude aus
31.03.2026 - 12:09:53 | boerse-global.deKI-Hersteller Anthropic will Claude vom Chatbot zum digitalen Assistenten machen. Doch nach dem Start der „Computer Use“-Funktion kämpft das Unternehmen mit einem teuren Bug – während Details zum nächsten Großmodell durchsickern.
Anthropic steht an einem Wendepunkt. Das Unternehmen will seine KI Claude vom reinen Gesprächspartner zum aktiven Helfer am Computer machen. Seit der Veröffentlichung der „Computer Use“-Vorschau am 23. März testen Nutzer, wie die KI ihren Desktop steuert. Doch nur eine Woche später, am 31. März, untersuchen die Ingenieure bereits einen kritischen Fehler: Das System verbraucht unerwartet viele Tokens, die Abrechnungseinheiten für KI-Nutzung. Einige Nutzer berichten, dass schon eine einfache Anfrage bis zu zwei Prozent ihres Token-Kontingents einer Session auffrisst.
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Damit gerät der ehrgeizige Vorstoß in schwieriges Fahrwasser. Anthropic konkurriert mit seiner Technologie direkt mit Open-Source-Projekten wie OpenClaw und Nvidias neuem NemoClaw. Das Ziel ist klar: Die KI soll nicht nur antworten, sondern klicken, tippen und Anwendungen bedienen – und so ganze Arbeitsabläufe autonom übernehmen.
Vom Chat zur Tat: Claude als digitaler Coworker
Der Kern der neuen Funktion liegt in den Umgebungen Claude Code und Claude Cowork. Hier kann die KI nun Dateien suchen und versenden, Bilder stapelweise bearbeiten oder Berichte aus lokalen Daten erstellen. Der Clou: Statt für jede Anwendung eine eigene Schnittstelle zu benötigen, bedient sich Claude einer universellen Methode. Ein virtueller Mauszeiger und eine Tastatur interagieren mit allem, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Hochfrequente Screenshots liefern der KI dabei die nötige „Sicht“ auf den Desktop.
Zentral ist hier die Claude Dispatch-Funktion. Sie erlaubt es, Aufgaben vom Smartphone aus zu starten. Die KI erledigt sie dann am Computer und sendet eine Push-Benachrichtigung bei Fertigstellung. Für Berufstätige bedeutet das: Sie können komplexe Workflows wie das Exportieren einer Präsentation oder Software-Tests anstoßen, ohne am Schreibtisch zu sitzen.
Laut technischer Dokumentation arbeitet das System in einer Hierarchie. Zuerst versucht es, spezielle „Connectors“ für Dienste wie Google Workspace oder Slack zu nutzen. Fehlt diese direkte Anbindung, schaltet es auf manuelle Bildschirmsteuerung um – und navigiert so durch alte Programme und lokale Dateien, als wäre ein Mensch am Werk.
Der teure Pferdefuß: Token-Verbrauch explodiert
Trotz des innovativen Ansatzes hat der Rollout einen schwerwiegenden Makel. Nutzer der Vorschau klagen über ein rapides Absinken ihres Token-Budgets. Mitarbeiter wie Lydia Hallie und Thariq Shihipar bestätigten am 31. März, dass die Ursache untersucht wird. Der Fehler könnte im Prompt-Caching oder der Logik zur Sitzungsfortsetzung liegen.
Gerade für agentische KI, die Bildschirmänderungen interpretieren und Aktionen sequenziell ausführen muss, sind solche technischen Reibungspunkte kritisch. Die hohen Token-Kosten entstehen wohl auch dadurch, dass Claude zahlreiche hochauflösende Screenshots verarbeiten muss, um den Kontext des Desktops zu behalten. Experten sehen hier die nächste große Hürde für Anthropic: Die „Vision-to-Action“-Pipeline zu optimieren, um die Funktion aus der teuren Forschungsphase in einen kosteneffizienten Produktivbetrieb zu überführen.
Sicherheit first: Schutzmaßnahmen und Zukäufe
Die Macht, die eine KI am Computer erhält, wirft Sicherheitsfragen auf. Anthropic hat daher mehrere Schutzschichten eingebaut. Die KI benötigt explizite Erlaubnis, bevor sie neue Apps öffnet oder systemrelevante Änderungen vornimmt. Zunächst ist die Funktion zudem auf macOS beschränkt.
Um seine Fähigkeiten zu stärken, übernahm Anthropic im Februar 2026 das Startup Vercept. Dessen Technologie für Cloud-gesteuerte MacBooks bildet heute die Grundlage, damit Claude komplexe Benutzeroberflächen ohne spezielle Integrationen bedienen kann. Dennoch warnt das Unternehmen davor, der KI Zugriff auf Apps mit sensiblen Finanz- oder Personendaten zu gewähren.
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Blick in die Zukunft: Das geleakte Modell „Mythos“
Während Anthropic die aktuellen Probleme managt, bietet ein interner Leak einen Blick auf die Roadmap. Ein Konfigurationsfehler veröffentlichte versehentlich einen Blog-Entwurf zum nächsten Modell: Claude Mythos.
Die geleakten Materialien beschreiben „Mythos“ als Quantensprung in Leistung, besonders in Cybersicherheit, akademischem Denken und komplexer Programmierung. Ein neuer Level namens Capybara soll das aktuelle Flaggschiff Opus 4.6 übertreffen. Ein Sprecher bestätigte, dass das Modell bereits mit einer kleinen Gruppe von Early-Access-Kunden getestet wird.
Besonders die verbesserten Fähigkeiten, Software-Schwachstellen auszunutzen und zu verteidigen, dürften Debatten unter Politikern anheizen. Anthropic betont einen bewussten und vorsichtigen Release-Zeitplan, um sicherzustellen, dass die Cyber-Fähigkeiten nicht die Bemühungen der Sicherheitsbranche überholen.
Markt im Wandel: KI wird zum aktiven Teammitglied
Mit der Computer-Steuerung positioniert sich Anthropic im Zentrum des Trends zur agentischen KI. Während auch OpenAI und Google an ähnlichen Features arbeiten, hat Anthropics öffentliche Vorschau für Pro- und Max-Abonnenten die Marktakzeptanz beschleunigt. Die Fähigkeit, als „Kollege“ und nicht nur als „Chatpartner“ zu agieren, verändert Wissensarbeit grundlegend – vor allem in Softwareentwicklung und Datenmanagement.
Der nächste Schritt ist die Ausweitung auf Windows, um den großen Enterprise-Markt zu erschließen. Die Behebung des Token-Bugs ist dabei entscheidend für das Nutzervertrauen, bevor später im Jahr das offizielle Launch von „Mythos“ ansteht. Mit über 97 Millionen Installationen seines Model Context Protocol (MCP) baut Anthropic Claude als primäre Schnittstelle aus, durch die Nutzer mit ihrer gesamten digitalen Welt interagieren.
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