Anthropic, Milliarden

Anthropic erreicht 380 Milliarden Euro Wert mit Stromnetz-Versprechen

16.02.2026 - 11:30:12

Anthropic erreicht mit 30 Mrd. Euro frischem Kapital eine Rekordbewertung und verpflichtet sich, die Kosten für lokale Stromnetz-Upgrades zu tragen. Dies könnte den KI-Wettbewerb neu definieren.

Die KI-Branche erlebt einen Machtwechsel: Anthropic sammelt 30 Milliarden Euro ein und verpflichtet sich gleichzeitig, Stromnetz-Ausbaukosten zu übernehmen. Diese Doppelstrategie könnte den Wettlauf um die künstliche Intelligenz neu definieren.

Rekordbewertung mit sozialem Versprechen

Mit einer frischen Finanzspritze von 30 Milliarden Euro erreicht das KI-Unternehmen Anthropic eine Bewertung von 380 Milliarden Euro. Damit steht der Konzern aus San Francisco in einer Liga mit SpaceX und OpenAI. Doch nicht die schiere Summe macht die Ankündigung vom vergangenen Freitag brisant, sondern eine beispiellose Zusicherung: Anthropic will die Kosten für notwendige Stromnetz-Upgrades bei seinen neuen Rechenzentren selbst tragen.

Hintergrund ist der massive Energiehunger von KI-Systemen, der lokale Netze an ihre Grenzen bringt und oft zu steigenden Strompreisen für Verbraucher führt. Dieses „Grid Neutrality“-Versprechen könnte zum neuen Standard werden und Wettbewerber wie Microsoft oder Amazon unter Druck setzen. Analysten sehen darin einen strategischen Schachzug, um künftige Baugenehmigungen für Rechenzentren zu sichern.

Gleichzeitig offenbarten die Finanzdaten ein explosives Wachstum: Der annualisierte Umsatz von Anthropic liegt bei 14 Milliarden Euro und hat sich in den letzten drei Jahren jährlich verzehnfacht. Rund 2,5 Milliarden Euro davon stammen allein von „Claude Code“, dem agentenbasierten Programmierwerkzeug des Unternehmens.

Google und OpenAI ziehen nach

Kurz vor Anthropics Ankündigung brachte Google ein Major-Update für sein Spezialmodell Gemini 3 Deep Think heraus. Das auf komplexe wissenschaftliche und technische Probleme spezialisierte System erreicht auf dem ARC-AGI-2-Benchmark 84,6 Prozent – ein Maßstab für allgemeine Intelligenz. Google öffnet nun eine Early-Access-Phase für die entsprechende API und folgt damit einer klaren Strategie: Die rechenintensivsten „Denk“-Modelle sind Premium-Angeboten vorbehalten.

OpenAI beendet parallel dazu eine Ära: Die Legacy-Modelle GPT-4o, GPT-4.1 und o4-mini wurden am Freitag offiziell aus dem Angebot genommen. Kunden werden auf die GPT-5.2-Serie umgestellt, die das Unternehmen als neuen Standard für professionelle Anwendungen positioniert. Hinter den Kulissen plant Softbank offenbar ein gewaltiges Investment: Bis zu 30 Milliarden Euro zusätzlich könnte der japanische Konzern in OpenAI pumpen und den Wert des KI-Pioniers auf rund 750 Milliarden Euro treiben.

Perplexity und Midjourney passen Geschäftsmodelle an

Während die Giganten um Infrastruktur und Bewertungen kämpfen, reagieren andere Player auf die harte ökonomische Realität der KI.

Perplexity führt Obergrenzen für „Deep Research“-Anfragen ein. Je nach Nutzertier sind nun nur noch zwischen 20 und 200 solcher Abfragen pro Woche möglich. Der Grund sind die hohen Inferenzkosten tiefgehender Reasoning-Modelle. Die Standard-Suche bleibt ohne strikte Limits erhalten – ein Zeichen dafür, dass unbegrenzter Zugang zu rechenstarker KI-Suche kaum noch zu finanzieren ist.

Midjourney hingegen zeigt sich mit seinem V7-Modell preislich stabil. Der Basic-Plan kostet weiterhin 10 Euro monatlich für etwa 3,3 Stunden schnelle GPU-Zeit; die Pro-Variante für 60 Euro bietet 30 Stunden inklusive Privacy-Funktionen. Das Unternehmen scheint seine Wirtschaftlichkeit im Griff zu haben, trotz Konkurrenz durch Googles Bildgenerierungstools.

Branche am Wendepunkt: Die Rechnung für Intelligenz

Die Ereignisse der letzten 72 Stunden markieren eine neue Phase der KI-Industrie. Die Ära des „Wachstums um jeden Preis“ stößt an physikalische und ökonomische Grenzen – insbesondere bei Energieinfrastruktur und Betriebskosten.

Anthropics Entscheidung, Netzausbaukosten zu internalisieren, zeigt: KI-Unternehmen beginnen, ihren physischen Fußabdruck ernst zu nehmen.

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Die Preisanpassungen von Google und Perplexity signalisieren gleichzeitig, dass die Zeit subventionierter, unbegrenzter Rechenleistung vorbei ist. Für Nutzer bedeutet das: Reasoning-Fähigkeiten werden künftig als Premium-Dienstleistung behandelt und entsprechend berechnet.

Der Wettbewerb verlagert sich 2026 von der reinen Modellleistung hin zu Infrastruktureffizienz und nachhaltigen Geschäftsmodellen. Mit ihren gewaltigen Kapitalreserven stehen Anthropic und OpenAI für einen verschärften Kampf um die Vorherrschaft im Unternehmenssegment bereit. Die entscheidende Frage lautet nun: Wer bezahlt am Ende die Stromrechnung?

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