Alkohol, Gene

Alkohol verändert Gene im Belohnungszentrum des Gehirns

27.02.2026 - 05:09:54 | boerse-global.de

Langjähriger Alkoholkonsum verändert die Genaktivität in zentralen Suchtregionen des Gehirns und erhöht das Demenzrisiko, wie eine neue Studie belegt.

Alkohol verändert Gene im Belohnungszentrum des Gehirns - Foto: über boerse-global.de
Alkohol verändert Gene im Belohnungszentrum des Gehirns - Foto: über boerse-global.de

Eine neue Studie zeigt, wie jahrzehntelanger Alkoholkonsum die Hirnaktivität umprogrammiert. Spanische Forschende fanden spezifische genetische Veränderungen in zentralen Suchtregionen.

Alkohol greift direkt in das Belohnungssystem ein

Ein Team vom Nationalen Forschungsrat und der Miguel-Hernández-Universität analysierte das Gehirngewebe verstorbener Personen mit chronischer Alkoholabhängigkeit. Die Probanden hatten durchschnittlich 35 Jahre lang getrunken, ohne andere Drogen zu konsumieren. Der Fokus lag auf dem Endocannabinoid-System – einem zentralen Netzwerk für Stimmung, Stress und Belohnung.

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Im Vergleich zu abstinenten Personen war das Gen des CB1-Rezeptors in zwei Schlüsselregionen deutlich aktiver: dem präfrontalen Kortex und dem Nucleus accumbens. Beide Areale sind eng mit der Entstehung von Sucht verknüpft. Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal „Addiction“, isoliert damit erstmals den direkten Einfluss von Alkohol auf die Genaktivität im menschlichen Gehirn.

Gestörte Balance erklärt Rückfallrisiko

Diese genetischen Veränderungen liefern eine neurobiologische Erklärung für ein bekanntes Problem: Warum fällt es Abhängigen so schwer, dauerhaft abstinent zu bleiben? Das Endocannabinoid-System wirkt wie ein feiner Stimmregler. Chronischer Alkohol stört diese Balance und beeinträchtigt die Impulskontrolle sowie die Verarbeitung von Belohnungsreizen.

Die Ergebnisse untermauern, dass Alkoholabhängigkeit eine tiefgreifende biologische Erkrankung ist. Sie ist keine Frage mangelnder Willenskraft, sondern das Ergebnis langfristiger Veränderungen auf molekularer Ebene.

Schäden gehen weit über Gene hinaus

Die neuen Erkenntnisse ergänzen das Bild bereits bekannter Langzeitschäden. Andere Studien belegen strukturelle Veränderungen: Alkohol schädigt sowohl die graue als auch die weiße Substanz des Gehirns. Das kann die Kommunikation zwischen den Hirnhälften verlangsamen.

Eine brasilianische Untersuchung wies zudem auf mikroskopische Gefäßschäden und Ablagerungen von Alzheimer-typischen Tau-Proteinen hin. Die Folgen reichen von Gedächtnisproblemen bis hin zu einem erhöhten Risiko für Demenz.

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Schützt moderater Konsum das Gehirn? Eher nicht

Die verbreitete Annahme, ein Glas Wein am Tag könne vor Demenz schützen, wird durch aktuelle Forschung infrage gestellt. Eine große internationale Studie, die genetische Analysen einbezog, fand keine Hinweise auf einen schützenden Effekt von geringem bis moderatem Konsum.

Im Gegenteil: Die Daten deuten darauf hin, dass bereits jede Menge Alkohol das Demenzrisiko erhöhen kann. Starker Konsum treibt es signifikant in die Höhe. Gesundheitsexperten raten daher klar: Für die Gehirngesundheit ist Reduzieren oder Meiden der beste Weg.

Neue Therapien in Aussicht

Die Identifizierung des Endocannabinoid-Systems als zentralen Angriffspunkt eröffnet neue Perspektiven für die Behandlung. Könnten zukünftige Medikamente, die hier ansetzen, das Verlangen dämpfen und die Selbstkontrolle stärken?

Parallel forschen Wissenschaftler an verbesserten Diagnoseverfahren. Biomarker wie der Botenstoff Glutamat könnten problematischen Konsum früher erkennbar machen. Ziel ist eine präzisere Diagnostik, kombiniert mit zielgerichteten Therapien, um Millionen Betroffenen besser helfen zu können.

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