Akkodis-Gipfel, Europa

Akkodis-Gipfel: Europa ringt um technologische Souveränität

05.02.2026 - 11:02:11

Der erste European Innovation & Tech Summit in Brüssel mahnt die industrielle Anwendung europäischer KI- und Robotikforschung an, um kritische Abhängigkeiten zu reduzieren.

Europa muss seine Forschung endlich in wettbewerbsfähige Industrie-Produkte verwandeln – sonst droht die Abhängigkeit von ausländischer KI und Robotik. Das war die zentrale Botschaft des ersten European Innovation & Tech Summit in Brüssel.

Organisiert vom globalen Ingenieursdienstleister Akkodis und POLITICO, trafen sich am Donnerstag Entscheider aus Politik und Wirtschaft. Ihr Ziel: Europas kritische Abhängigkeit von nicht-souveränen Robotik- und KI-Systemen zu beenden. Vor dem Hintergrund des globalen Tech-Wettlaufs fordern sie einen schnellen Wandel von der Regulierung zur industriellen Anwendung.

Die strategische Weggabelung: Autonomie oder Allianz?

Der Gipfel am 5. Februar beschrieb die Lage Europas als „strategische Weggabelung“. Zwar habe die EU mit dem KI-Gesetz (AI Act) gezeigt, dass sie eine regulatorische Supermacht sei. Doch Regeln allein schaffen keine Souveränität.

„Die Debatte in Europa verschiebt sich von der Ambition zur Umsetzung“, sagte Akkodis-CEO Jo Debecker in seiner Eröffnungsrede. Für eine Führungsrolle in vertrauenswürdiger KI und Robotik brauche es „skalierbare Lösungen, souveräne Dateninfrastrukturen und KI-Gigafabriken“.

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Vier strategische Sektoren wurden identifiziert, in denen europäische Souveränität nicht verhandelbar ist: Gesundheitswesen, öffentlicher Sektor, Verteidigung sowie autonomes Fahren und Robotik. In diesen Bereichen verbinden sich hoher gesellschaftlicher Wert mit strengen Sicherheitsanforderungen – Abhängigkeit von externer „Blackbox“-Technologie wird hier zum strategischen Risiko.

Verteidigung rückt in den Fokus

Die Forderung nach Robotik-Souveränität war bereits zuvor ein bestimmendes Thema in Brüssel. Der Innovation & Tech Summit folgte direkt auf den „KI in der Verteidigung“-Gipfel Anfang der Woche. Dort warnte EU-Kommissar Andrius Kubilius vor den fragmentierten Fähigkeiten der Mitgliedstaaten.

Ohne einen vereinten Ansatz riskierten die Länder, mit „27 fragmentierten KI-Fähigkeiten“ dazustehen – oder schlimmer: mit gar keinen, die globalen Wettbewerbern standhalten. Kubilius forderte einen „europäischen Riesen in der Verteidigung“ und eine „souveräne militärische Daten-Cloud“. Nur so könnten künftige autonome Systeme, von Logistikrobotern bis Überwachungsdrohnen, auf europäischer Infrastruktur laufen.

Diese Stimmung hallte auch am Donnerstag nach. Experten diskutierten die „geopolitische Dimension“ der Technologie. Mit der anstehenden Münchner Sicherheitskonferenz betonten Teilnehmer: Europas Fähigkeit, autonome Robotik in umkämpften Umgebungen einzusetzen, ist längst eine Frage der harten Sicherheit – nicht nur der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit.

Blaupausen aus Hafen und Krankenhaus

Jenseits der politischen Diskussionen zeigte der Gipfel konkrete Beispiele europäischer Robotik in Aktion. Jonathan Van Cauwenberge, Berater für den Hafen Antwerpen-Brügge, beschrieb Europas Häfen als „perfektes Testfeld für autonome Technologien“.

Die Integration autonomer Drohnen und robotischer Logistiksysteme verändere das Ökosystem bereits. Doch um diese Lösungen hochzuskalieren, brauche es ein regulatorisches Umfeld, das Tests und schnellen Einsatz fördert. Die Hafeninitiativen sind eine Blaupause dafür, wie Industriestandorte zu „KI-Fabriken“ werden können – ein Schlüsselkonzept der EU-Kommission zur beschleunigten Entwicklung von generativer KI und Robotik.

Im Gesundheitssektor betonte Ziad Matta von Servier BELUX die Rolle von KI und Robotik in der Patientenversorgung. Der Konsens der Delegierten: Zwar bleibe der „Mensch in der Schleife“ aus ethischen Gründen unverzichtbar. Doch die Effizienzgewinne durch autonome Systeme sind entscheidend, um Europas Gesundheitsmodell angesichts einer alternden Bevölkerung zu erhalten.

Das Souveränitäts-Paradox: Vertrauen vs. Handeln

Trotz der Zuversicht bei Einzelprojekten thematisierte der Gipfel auch unbequeme Realitäten. Ein diese Woche veröffentlichter VivaTech-Barometer offenbarte ein „Paradox des Vertrauens“: Während europäische Manager die Nationalität von Tech-Zulieferern als „Pluspunkt“ sehen, gilt sie für ihre Kollegen in den USA und Großbritannien als essenziell.

Diese Kluft spiegelt sich in Marktdaten wider. Ein aktueller Bericht des Europäischen Parlaments zur digitalen Souveränität zeigt: Die EU ist weiterhin stark von ausländischer digitaler Infrastruktur abhängig. Der Großteil westlicher Daten liegt auf US-amerikanischen Servern.

„Entscheidungen aus Brüssel beeinflussen zunehmend, wie KI global reguliert wird“, beobachtete Jamil Anderlini, Europa-Regionaldirektor von POLITICO. Doch die jetzt getroffenen wirtschaftlichen Entscheidungen – insbesondere Investitionen in souveräne Hardware und Rechenzentren – werden bestimmen, ob Europa seine eigenen Regeln durchsetzen kann oder Kunde ausländischer Tech-Giganten bleibt.

2026: Das Jahr der Umsetzung

Zum Abschluss des Gipfels richtete sich der Blick auf die unmittelbare Zukunft. Die EU-Kommission will ihre „KI-Fabriken“-Initiative in den kommenden Monaten ausbauen. Ziel ist es, europäischen Start-ups und KMU die Rechenleistung bereitzustellen, um wettbewerbsfähige Robotik-Modelle zu trainieren.

Verbände fordern parallel einen „Vereinfachungsschock“. Das komplexe Geflecht neuer Regulierung müsse verschlankt werden, damit europäische Robotik-Champions entstehen können. Der Konsens in Brüssel lautet: 2026 wird das Jahr der Umsetzung. Es wird sich zeigen, ob Europa die industrielle Muskulatur aufbauen kann, die sein regulatorisches Rückgrat stützt.

„Wenn Europa führen will“, schloss Debecker, „muss es die Lücke zwischen menschlicher Ingenieurskunst und maschineller Präzision mit Governance-Modellen überbrücken, die Organisationen auch tatsächlich nutzen können.“

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