AK-Präsidentin Anderl fordert Vermögens- und Erbschaftssteuern
16.02.2026 - 01:03:12 | boerse-global.deArbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl fordert mit Nachdruck neue Vermögens- und Erbschaftssteuern. Ihr Vorstoß in einem TV-Auftritt am Sonntag entfachte sofort eine heftige Debatte über Steuergerechtigkeit. Anderl kündigte an, eine entsprechechte Petition der Grünen zu unterzeichnen, und begründet ihre Initiative mit der angespannten Budgetlage.
Ihr Ziel: Hohe Vermögen sollen stärker zur Finanzierung des Sozialstaates beitragen und Arbeitnehmer entlasten. Neben den Kernforderungen brachte die AK-Chefin eine höhere Bankenabgabe und die Rücknahme der jüngsten Körperschaftssteuersenkung ins Spiel. Die Reaktionen aus Wirtschaft und Politik ließen nicht lange auf sich warten.
Das steckt hinter den Forderungen
Im Zentrum steht eine Umverteilung der Steuerlast. Anderl argumentiert, Arbeit werde in Österreich sehr hoch besteuert, große Vermögen hingegen kaum. Laut AK-Daten machen vermögensbezogene Steuern nur rund 1,4 Prozent des gesamten Steueraufkommens aus – ein europäischer Tiefstwert. Die reichsten fünf Prozent der Haushalte verfügen über mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens.
Konkret könnte eine „Millionärssteuer“ jährlich etwa fünf Milliarden Euro bringen. Dieses Geld soll in soziale Dienstleistungen, Bildung, Pflege und die Entlastung von Arbeit fließen. Weitere Forderungen sind:
* Härtere Strafen für Unternehmen, die Überstunden nicht korrekt auszahlen (laut AK ein Schaden von einer Milliarde Euro pro Jahr für Beschäftigte).
* Höhere Kostenbeteiligung für Betriebe, die Mitarbeiter beim AMS „zwischenparken“.
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Scharfe Ablehnung aus Wirtschaft und Politik
Die Wirtschaft reagierte prompt mit Warnungen vor negativen Folgen für den Standort. Martha Schultz, Chefin von Wirtschaftsbund und WKÖ, fürchtet einen Abbruch des beginnenden Aufschwungs. Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, wies den Vorwurf zurück, ererbtes Vermögen sei nicht erarbeitet.
Auch die politische Opposition ist entschieden dagegen:
* Die FPÖ spricht von einem „frontalen Angriff auf Leistungsträger“ und einem „sozialistischen Umverteilungswahn“. Sie fordert erneut die Abschaffung der verpflichtenden AK-Mitgliedschaft.
* Die ÖVP lehnt neue Vermögenssteuern kategorisch ab und verweist auf ihren Fokus zur Entlastung der arbeitenden Bevölkerung.
Alte Debatte, neue Brisanz
Die Diskussion findet vor einem bekannten Hintergrund statt: Seit der Abschaffung der Erbschaftssteuer 2008 werden große Vermögen in Österreich weitgehend steuerfrei übertragen. Befürworter argumentieren mit Gerechtigkeit – 70 Prozent der Bevölkerung erben gar nichts oder sehr wenig. Sie betonen, dass hohe Freibeträge das „Häuschen der Oma“ schützen würden.
Kritiker sehen eine Doppelbesteuerung und eine Gefahr für Familienunternehmen. Österreich ist eines der wenigen EU-Länder ohne Erbschaftssteuer. Die Debatte berührt damit grundlegende Fragen zu Leistungsgerechtigkeit und Unternehmertum.
Ein politischer Kraftakt steht bevor
Die Positionen sind klar: Während AK, Teile der SPÖ und die Grünen auf höhere Vermögensbesteuerung drängen, formiert sich bei ÖVP, FPÖ, NEOS und Wirtschaftsverbänden geschlossener Widerstand. Eine baldige Umsetzung erscheint angesichts der Mehrheitsverhältnisse unwahrscheinlich.
Doch die Arbeiterkammer hat das Thema prominent zurück auf die Agenda gesetzt. Ob der Druck durch die angekündigte Unterstützung der Grünen-Petition steigt, wird sich zeigen. Der Weg zu einer Reform der Vermögensbesteuerung in Österreich bleibt ein langer.
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