ADHS-Diagnose, Frauen

ADHS-Diagnose: Frauen und queere Personen fallen durchs Raster

11.02.2026 - 14:49:12

Die ADHS-Diagnostik in Deutschland vernachlässigt Frauen und LGBTQIA+-Personen, was zu späten Diagnosen und hohen psychischen Belastungen führt. Forschung und Fachgesellschaften arbeiten an einem Paradigmenwechsel.

Die ADHS-Versorgung in Deutschland ignoriert Frauen und queere Personen systematisch. Fachleute fordern jetzt einen Paradigmenwechsel, um diese gravierenden Versorgungslücken zu schließen. Lange galt die Störung als Domäne hyperaktiver Jungen – ein Bild, das bis heute nachwirkt.

Die Folge: Viele Betroffene erhalten erst im Erwachsenenalter eine Diagnose, oft nach einem Leidensweg mit Fehldiagnosen wie Depressionen. Forschungsprojekte wie „GAP-ADHS“ an der Universität Marburg wollen diese Missstände nun konkret erfassen.

Warum ADHS bei Frauen unsichtbar bleibt

Die klassischen Diagnosekriterien fokussieren auf externalisierende Symptome wie motorische Unruhe. Bei Mädchen und Frauen äußert sich ADHS jedoch oft anders:
* Internalisierende Symptome wie Tagträumerei, innere Unruhe und emotionale Dysregulation stehen im Vordergrund.
* Diese „stille“ Form wird häufig als Charaktereigenschaft fehlgedeutet.
* Viele Frauen entwickeln zudem perfektionistische Kompensationsstrategien, die zu enormer psychischer Belastung führen.

Das Risiko für Begleiterkrankungen wie Angststörungen steigt. Die späte Diagnose beeinträchtigt oft Bildungsweg, Karriere und soziale Beziehungen.

Der übersehene Faktor: Hormone

Ein entscheidender, aber lange ignorierter Aspekt sind hormonelle Schwankungen. Der weibliche Zyklus, Schwangerschaft und die Menopause beeinflussen die Symptomstärke massiv.

Grund ist der Östrogenspiegel, der Neurotransmitter wie Dopamin reguliert. Sinkt er – etwa in der zweiten Zyklushälfte – berichten viele Frauen von verstärkten kognitiven Problemen und emotionaler Reizbarkeit. Diese hormonellen Einflüsse können sogar die Wirksamkeit von Medikamenten verändern.

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Experten fordern daher, hormonelle Faktoren endlich in Diagnostik und Therapie zu integrieren. Bisher fehlt es jedoch an Studien, da sich die Forschung lange auf männliche Probanden konzentrierte.

Doppelte Belastung für die LGBTQIA+ Community

Für trans- und nicht-binäre Personen stellt die ADHS-Versorgung eine besondere Hürde dar. Sie erleben eine doppelte Stigmatisierung durch ihre Geschlechtsidentität und ihre Neurodivergenz.

Die Symptome überschneiden sich oft mit den Folgen von Minderheitenstress, was eine korrekte Diagnose zusätzlich erschwert. Auch eine Hormontherapie kann die ADHS-Symptomatik beeinflussen – ein Aspekt, der in Praxen kaum Beachtung findet.

Viele Betroffene empfinden die Diagnose dennoch als Erleichterung. Sie erklärt ein lebenslanges Gefühl des „Andersseins“ und kann einem Coming-out ähneln.

Wandel in Sicht – aber der Weg ist lang

Das wachsende Bewusstsein für diese Lücken hat mehrere Gründe. Soziale Medien gaben vielen erst den Anstoß, ihre Schwierigkeiten neu einzuordnen. Die Wissenschaft reagiert mit gendersensiblen Forschungsprojekten.

Fachgesellschaften bieten vermehrt Fortbildungen zu gendersensibler Diagnostik an. Dieser Wandel ist Teil einer größeren Bewegung hin zu einer personalisierten Medizin, die den männlichen Patienten nicht länger als Standard sieht.

Trotzdem bleibt der Weg zu einer gerechten Versorgung lang. Es mangelt nach wie vor an spezialisierten Fachkräften und Therapieplätzen für diese lange übersehene Gruppe.

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