Zip Co: Aktie erholt sich nach Betrugsfall-Sturz
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 07:59 Uhr | Redaktion boerse-global.deZip Co erholt sich heute vom Kurssturz am Freitag. Rückhalt liefern bestätigte Kaufempfehlungen und die unveränderte Jahresprognose des australischen Ratenzahlungsanbieters. Vorbörslich gewinnt die Aktie 13%. Für Anleger steht damit die Frage im Mittelpunkt, ob der US-Betrugsfall eine begrenzte Belastung bleibt oder auf größere Kontrollprobleme hindeutet.
Kaufempfehlungen nach dem Ausverkauf
UBS hält den massiven Kursrückgang für überzogen und bekräftigt die Kaufempfehlung. Das Haus senkte zwar seine Prognosen, nennt aber ein Kursziel von 4,05 australischen Dollar. Macquarie bestätigte gestern ebenfalls die Kaufempfehlung mit einem Ziel von 3,50 australischen Dollar.
Damit unterscheiden die Analysten zwischen den unmittelbaren Folgen des Betrugsfalls und den längerfristigen Ertragsaussichten. Ihre positiven Einschätzungen sind allerdings keine Entwarnung: Die gesenkten UBS-Prognosen zeigen, dass der Vorfall auch die Erwartungen an das Geschäft belastet.
UBS verweist zudem auf eine Bewertung zum Elffachen des erwarteten Gewinns. Parallel veröffentlichte Zip heute ein Update zum laufenden Aktienrückkauf. Beides ergänzt die Argumente für die Erholung, beseitigt aber nicht die Fragen zur Qualität der Kundenprüfung.
Betrugskosten verdecken operatives Wachstum
Der US-Betrugsfall verursachte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 zusätzliche zahlungswirksame Betriebskosten von 10,1 Millionen australischen Dollar. Das Cash EBTDA erreichte 65 Millionen australische Dollar. Ohne diese Belastung hätte die Kennzahl bei 75,1 Millionen australischen Dollar gelegen.
Nach Unternehmensangaben ist der Vorfall unter Kontrolle. Zip informierte die Behörden und reichte einen Versicherungsanspruch ein. Ob und in welchem Umfang daraus eine Erstattung folgt, ist damit jedoch nicht entschieden. Die Belastung bleibt deshalb zunächst Teil des gemeldeten Ergebnisses.
Beim Transaktionsvolumen meldete Zip ein Wachstum von 18% auf 4,6 Milliarden australische Dollar. Die Erträge erreichten 376,1 Millionen australische Dollar. Der Betrugsfall traf somit ein weiterhin wachsendes Geschäft und nicht einen Anbieter mit rückläufigem Zahlungsvolumen.
Das erklärt einen Teil des Spannungsfelds hinter der Kursbewegung: Einerseits wächst die Plattform, andererseits müssen Anleger höhere Ausfälle und zusätzliche Kosten einordnen. Wachstum allein beantwortet die Frage nach der Wirksamkeit der Kontrollen nicht.
Ausfallquote wird zum nächsten Prüfstein
Die Nettoausfälle stiegen auf 1,97% des Transaktionsvolumens nach 1,65% im Vorjahresquartal. Für das zweite Quartal erwartet Zip nach eigenen Angaben eine niedrigere US-Ausfallquote als im ersten Quartal.
Diese Erwartung ist für die weitere Einordnung entscheidend. Eine sinkende Quote würde die Einschätzung stützen, dass die Belastung begrenzt bleibt. Bis dahin stehen den bestätigten Kaufempfehlungen weiterhin die tatsächlich gestiegenen Ausfälle gegenüber.
Für das Geschäftsjahr 2027 hält Zip am Cash-EBTDA-Ziel von 340 Millionen australischen Dollar fest. Das entspräche einem Wachstum von 26%. Die bestätigte Prognose ist damit der zentrale Anker für die positive Analystensicht.
Die heutige Erholung nimmt eine Stabilisierung vorweg, belegt sie aber noch nicht. Entscheidend sind nun niedrigere US-Ausfälle und die Umsetzung der Jahresprognose. An diesen operativen Fortschritten muss sich die Zuversicht hinter den Kaufempfehlungen messen lassen.
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