XPeng Aktie: Robotaxi-Tests seit 10. Juli
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 04:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wer bei XPeng nur auf den Aktienkurs schaut, sieht ein Trauerspiel. Wer auf die Firmenstrategie schaut, sieht eine der gewagtesten Wetten der gesamten Elektroauto-Branche. Der chinesische Hersteller aus Guangzhou will nicht mehr als Autobauer gelten – er will Elon Musk auf dessen ureigenem Terrain herausfordern: Roboter und Robotaxis.
Abschied vom Autobauer-Image
Gegenüber dem Fachmagazin Automotive News hat XPeng klargemacht, wohin die Reise geht. Das Unternehmen will sich komplett vom Image des Autoherstellers lösen und sich als "Physical AI"-Firma neu erfinden. Die Logik dahinter: Eine Maschine, die man trainiert hat, ein Auto zu steuern, lässt sich auch trainieren, zu laufen, zu greifen und Dinge zu holen.
Konkrete Fristen gibt es bereits. Bis Ende 2026 will XPeng humanoide Roboter in großem Maßstab produzieren. Beim Robotaxi ist man schon einen Schritt weiter: Seit dem 10. Juli testen Mitarbeiter die Plattform in Guangzhou, CEO He Xiaopeng saß selbst bei der ersten vollautomatischen Fahrt am Steuer – beziehungsweise eben nicht.
Der Vergleich mit Tesla zeigt aber sofort die Kluft. Tesla plant für 2026 Investitionen von über 25 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur, Batterien, das Cybercab und den Optimus-Roboter. XPeng will für seine gesamte Physical-AI-Strategie in diesem Jahr rund eine Milliarde Dollar ausgeben. Tesla setzt damit etwa das 25-Fache ein – für genau die Technologien, die XPengs hohe Ambitionen rechtfertigen sollen.
Intern knirscht es zusätzlich. Die Robotik-Sparte hat innerhalb eines Monats zwei leitende Manager verloren. He Xiaopeng hat die Führung der Abteilung inzwischen persönlich übernommen.
Das Kerngeschäft schwächelt
Während die Robotaxi-Geschichte für Schlagzeilen sorgt, kämpft das eigentliche Autogeschäft mit sinkenden Stückzahlen. Im ersten Quartal 2026 lieferte XPeng nur noch 62.682 Fahrzeuge aus – deutlich weniger als die 94.008 Einheiten aus dem Vorjahresquartal und die 116.249 Einheiten aus dem Schlussquartal 2025.
Der Auftragseinbruch schlug direkt auf die Bilanz durch. Der Nettoverlust im ersten Quartal lag bei 1,78 Milliarden Yuan, nach einem Verlust von 0,66 Milliarden Yuan ein Jahr zuvor. Im Quartal davor hatte XPeng noch einen Gewinn von 0,38 Milliarden Yuan geschrieben.
Zwischen Januar und Mai lieferte XPeng 125.851 Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 22,59 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Mai brachte mit 32.158 Auslieferungen bereits den fünften Rückgangsmonat in Folge. Im Juni kam dann die Wende: Mit 40.126 ausgelieferten Fahrzeugen erreichte XPeng seinen stärksten Monat des Jahres. Das neue SUV-Modell GX trägt die Erholung maßgeblich mit.
Ein Markt ohne Luft zum Atmen
Der Preisdruck in Chinas E-Auto-Branche lässt kaum Spielraum. In den ersten fünf Monaten 2026 verdienten chinesische Autohersteller im Schnitt gerade einmal 1,5 Prozent Marge – ein Branchentief. Vor diesem Hintergrund wirkt jede zusätzliche Milliarde für Roboter riskanter, als sie es in besseren Zeiten wäre.
Ein Analyst brachte die Zerreißprobe kürzlich auf den Punkt: Er stufte XPeng auf "Hold" zurück und begründete dies mit dem Wettbewerbsdruck und der Marktfragmentierung, die es dem Unternehmen erschweren, profitable Stückzahlen zu erreichen. Die Robotaxi- und Roboter-Ambitionen böten zwar mögliches Aufwärtspotenzial – dieses sei jedoch in den Konsensschätzungen noch nicht eingepreist und bleibe hochriskant.
Was der Chart über die Zweifel verrät
Der Kurs bildet diese Unsicherheit fast eins zu eins ab. Die Aktie notiert bei 10,48 Euro, gut 57 Prozent unter ihrem Zwölfmonatshoch von 24,40 Euro aus dem November – und nur knapp 3 Prozent über dem Jahrestief von Ende Juni. Seit Jahresbeginn hat XPeng damit fast 42 Prozent seines Werts verloren.
Der durchschnittliche Analysten-Kurszielwert liegt bei 19,44 Euro – ein Aufschlag von rund 85 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Diese Lücke zeigt, wie weit Optimisten und Skeptiker auseinanderliegen. Die einen setzen auf eine Tesla-ähnliche Neubewertung durch Physical AI, die anderen sehen ein Unternehmen, das im Kerngeschäft weiter Geld verbrennt – in einem Markt, in dem selbst die Platzhirsche kaum noch Marge herausschlagen.
Ob XPengs Neuerfindung vom Markt honoriert wird, dürfte sich an zwei Fragen entscheiden: Wie schnell wächst der Robotaxi-Pilotbetrieb über Guangzhou hinaus, und schafft es die Roboterproduktion tatsächlich bis Jahresende in nennenswerte Stückzahlen? Bis dahin bleibt die Aktie das, was sie derzeit ist – ein Papier, das an seinen Auslieferungszahlen gemessen wird, nicht an seinen Zukunftsversprechen.
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