XPeng Aktie: Nettoverlust auf 1,34 Milliarden Yuan
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 04:50 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Konzern, zwei Gesichter: Auf der einen Seite steht eine Bewertung von 6,2 Milliarden US-Dollar für eine Robotersparte, die noch keinen einzigen kommerziellen Roboter ausgeliefert hat.
Auf der anderen Seite ein Kerngeschäft, dessen Verlust sich fast verdreifacht hat. Für mich zeigt der Kursverlauf der vergangenen Tage genau dieses Spannungsfeld – und ich bin skeptisch, ob die Euphorie über die Zukunftsvision die Probleme der Gegenwart aufwiegt.
Am Montag meldete XPeng Zahlen zum zweiten Quartal 2026, die auf den ersten Blick nach Wachstum aussahen: Der Umsatz kletterte auf 19,74 Milliarden Yuan, ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und satte 51,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Getragen wurde das vom Auslieferungssprung auf 103.295 Fahrzeuge. Die Bruttomarge hielt sich mit 20,7 Prozent oberhalb der psychologisch wichtigen 20-Prozent-Marke, die Fahrzeugmarge lag bei 12,1 Prozent. Das klingt solide.
Der Verlust, der die Party verdirbt
Doch der Blick auf die Verlustzeile relativiert die Wachstumsstory erheblich. Der Nettoverlust weitete sich auf 1,34 Milliarden Yuan aus – im Vorjahresquartal waren es noch 480 Millionen. Der angepasste Verlust je ADS von 1,29 Yuan verfehlte die von FactSet erhobene Konsensschätzung von 0,91 Yuan deutlich. Wer hier nur auf die Umsatzzahlen schaut, übersieht, dass Wachstum bei XPeng derzeit teuer erkauft wird.
Noch schwerer wiegt aus meiner Sicht der Ausblick: Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz von 21,7 bis 23,4 Milliarden Yuan in Aussicht – spürbar unter der Konsensschätzung von 26,69 Milliarden Yuan.
Die Auslieferungsprognose von 115.000 bis 121.000 Fahrzeugen bedeutet zwar ein Plus gegenüber dem Vorquartal, bleibt aber hinter dem zurück, was der Markt eingepreist hatte. Genau diese Diskrepanz zwischen Erwartung und Guidance dürfte den Kurs am Montag um 7 Prozent auf 11,40 US-Dollar gedrückt haben.
Robotik als Hoffnungsträger – aber für wen?
Parallel zu den Zahlen verkündete XPeng die erste Finanzierungsrunde für seine Robotiksparte: über 900 Millionen US-Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 6,2 Milliarden Dollar, angeführt von IDG Capital, mit Tencent und Alibaba als strategischen Investoren. Der humanoide Roboter IRON soll mit 76 Freiheitsgraden und drei Turing-KI-Chips ausgestattet sein, die Serienfertigung ist für Ende 2026 geplant, externe Auslieferungen erst 2027.
Das ist zweifellos ein Signal, dass namhafte Kapitalgeber an XPengs Technologiekompetenz glauben. Für mich bleibt aber die Frage, wie viel dieser Fantasie bereits im Kerngeschäft fehlt. Während die Robotersparte Milliarden einsammelt, kämpft die Autosparte mit steigenden Verlusten und einem Ausblick, der die Erwartungen enttäuscht.
Die Erholung der Aktie am Dienstag und Mittwoch – ein Plus von 4,2 Prozent zum gestrigen Schlusskurs von 9,95 Euro – lese ich weniger als Vertrauensbeweis in die Kernzahlen, sondern eher als Neubewertung der Robotik-Option gegen die Margendruck-Realität im Fahrzeuggeschäft.
Lichtblicke gibt es durchaus: Die Auslandsauslieferungen stiegen im Quartal um 81 Prozent auf über 20.000 Einheiten, internationale Erlöse machten im ersten Halbjahr mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes aus.
Auch die Dienstleistungssparte legte um 94 Prozent auf 2,70 Milliarden Yuan zu, getrieben von technischen Entwicklungsdienstleistungen für einen anderen Autobauer. Diese Diversifizierung spricht für die strategische Breite des Unternehmens.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich XPeng an einem Punkt, an dem zwei Erzählstränge auseinanderdriften. Die Robotik-Fantasie ist real und mit prominenten Investoren unterlegt – aber sie ist Zukunftsmusik, deren Ertrag frühestens 2027 kommerziell messbar wird. Das Kerngeschäft dagegen liefert schon heute Zahlen, und die zeigen wachsende Verluste bei einem Ausblick, der die Erwartungen verfehlt.
Der Aktienkurs notiert weiterhin rund 32 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt und 59 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 24,40 Euro. Solange die operative Marge im Fahrzeuggeschäft nicht überzeugender wird, bleibt für mich die Robotik-Story eher ein Hoffnungsschimmer als ein tragfähiges Fundament für eine nachhaltige Kurserholung.
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