XPeng Aktie: Barclays senkt Kursziel auf 14,00 Dollar
Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 11:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wer sich derzeit durch die Meldungslage zu XPeng arbeitet, findet ein Unternehmen, das an mehreren Fronten gleichzeitig kämpft – und das ist für mich der eigentliche Punkt, an dem sich die Anlagestory entscheidet.
Am Montag sammelte die Robotik-Tochter Pengxing (Dogotix) über 900 Millionen Dollar in einer Series-A-Runde ein, bewertet mit mehr als 6,3 Milliarden Dollar. Seither hat die Aktie um 5,3 Prozent zugelegt. Das ist ein Achtungserfolg, aber er sagt wenig über das Kerngeschäft aus, das parallel unter Druck steht.
Die Quartalszahlen als eigentlicher Prüfstein
Am Montag legte XPeng auch die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor: Der Gesamtumsatz stieg um 8,0 Prozent auf 19,74 Milliarden Renminbi, der Nettoverlust belief sich auf 1,34 Milliarden Renminbi. Ein Umsatzwachstum von acht Prozent bei einem Autobauer, der eigentlich in einer Wachstumsphase stecken sollte, ist für mich kein Ruhmesblatt – es ist ein Warnsignal.
Die Prognose für das dritte Quartal 2026 sieht Fahrzeugauslieferungen zwischen 115.000 und 121.000 Einheiten sowie einen Umsatz zwischen 21,7 und 23,4 Milliarden Renminbi vor. Diese Zahlen klingen solide, doch sie ändern nichts an der Grundfrage: Wie profitabel wird XPeng jemals mit dem Verkauf von Fahrzeugen?
Genau hier setzt die Kritik von Barclays an. Die Bank senkte am Montag ihr Kursziel auf 14,00 Dollar von zuvor 15,00 Dollar und beließ die Einstufung bei "Underweight" – als Begründung nannte sie schwache Fahrzeugmargen. Das ist eine klare Ansage: Wer an das Fahrzeuggeschäft von XPeng glaubt, muss diese Margenschwäche erst einmal wegdiskutieren.
Auch institutionelle Investoren senden gemischte Signale. Während Morgan Stanley seine Position zum Ende des zweiten Quartals 2026 um 75,9 Prozent auf über 9,5 Millionen ADS aufstockte, reduzierte Goldman Sachs seinen Bestand im selben Zeitraum um 71,0 Prozent auf gut 2,2 Millionen ADS. Zwei Schwergewichte, zwei gegensätzliche Wetten – für mich ein Indiz dafür, dass selbst professionelle Anleger keine klare Linie zur Bewertung von XPeng finden.
Der Blick auf die operative Seite: Viel Bewegung, wenig Substanz-Beweis
Operativ tut sich einiges: Die G9L-Flaggschiff-SUV startet im September 2026 in China, europäische Auslieferungen sind für 2027 geplant. Für Donnerstag ist zudem ein "Physical AI"-Briefing mit Testfahrt zum G9L angekündigt.
Parallel dazu meldet XPeng über 2.000 interne Testbestellungen für sein Robotaxi mit dem VLA-2.0-System in Guangzhou, mit dem Ziel, bis 2027 fahrerlosen Personenverkehr anzubieten. Ende August soll zudem das erste große Upgrade des VLA-2.0-Modells starten, das Cockpit- und Fahrfunktionen zusammenführt.
Das alles liest sich nach einem Unternehmen mit Zukunftsvision. Doch für mich bleibt die entscheidende Frage: Trägt das Kerngeschäft diese Vision finanziell, oder lebt XPeng zunehmend von der Fantasie um Robotik und autonomes Fahren? Die jüngste Marktreaktion spricht eine deutliche Sprache.
Der Kurs notiert bei 10,06 Euro und damit 44 Prozent unter dem Stand zum Jahresanfang, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 24,40 Euro beträgt 59 Prozent. Gleichzeitig liegt der Kurs nur 6,8 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 9,42 Euro. Das ist kein Chart einer Aktie, die dem Markt Vertrauen in ihre Wachstumsstory vermittelt.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich bei XPeng ein Unternehmen, das zwei sehr unterschiedliche Geschichten gleichzeitig erzählt: eine Robotik- und KI-Story mit frischem Kapital und ambitionierten Zielen, und ein Kerngeschäft mit Autos, das trotz Umsatzwachstum tiefrote Zahlen schreibt und laut Barclays an schwachen Margen krankt.
Die divergierenden Bewegungen von Morgan Stanley und Goldman Sachs zeigen, dass selbst Profis diese Gemengelage unterschiedlich gewichten. Für mich überwiegt derzeit die Skepsis: Solange die Fahrzeugmargen nicht überzeugen, bleibt die Robotik-Fantasie ein Versprechen auf die Zukunft – kein Ersatz für ein tragfähiges Kerngeschäft heute.
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