Xiaomi vor dem 18. August: Wird die Margen-Prognose zur Belastungsprobe?
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 11:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ausgangslage
Am kommenden Dienstag legt Xiaomi seine Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Der Termin fällt in eine Phase, in der die Aktie bereits stark unter Druck steht: Seit Jahresanfang hat das Papier rund 34 Prozent verloren.
Wenige Tage vor der Veröffentlichung hat China International Capital Corporation (CICC) am 3. August ihr „Outperform"-Rating bestätigt, zugleich aber eine Prognose vorgelegt, die wenig Anlass zur Erleichterung gibt: Die Analysten erwarten einen Quartalsumsatz von 107,14 Milliarden Yuan, ein Minus von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie einen bereinigten Nettogewinn von 6,114 Milliarden Yuan – ein Rückgang von 43,6 Prozent. Damit würde sich der Gewinneinbruch aus dem ersten Quartal, als der Nettogewinn bereits um 56,8 Prozent auf 4,723 Milliarden Yuan eingebrochen war, fortsetzen, wenn auch etwas gebremst.
Warum zählt dieser Termin jetzt besonders? Weil er zeigen muss, ob sich die im Frühjahr sichtbar gewordene Margenerosion im Smartphone-Geschäft stabilisiert oder weiter verschärft.
Die entscheidende Frage
Im Zentrum steht die Bruttomarge des Smartphone-Geschäfts. CICC rechnet für das zweite Quartal mit lediglich 8,3 Prozent, ein Rückgang von 3,2 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Zugleich soll der durchschnittliche Verkaufspreis (ASP) auf ein Rekordhoch von 1.340 Yuan steigen. Diese Kombination ist die eigentliche Botschaft: Xiaomi verkauft im Schnitt teurere Geräte, verdient an jedem einzelnen aber weniger.
Jefferies hatte diesen Zielkonflikt am 27. Mai zum Anlass genommen, das Rating von „Hold" auf „Underperform" zu senken und das Kursziel von 26,98 auf 25,49 Hongkong-Dollar zu kappen – mit Verweis darauf, dass ein Margenziel von 8 Prozent angesichts einer Speicherpreis-Inflation von rund 100 Prozent kaum zu halten sei. Ob sich dieses Bild am Dienstag bestätigt oder relativiert, dürfte darüber entscheiden, wie der Markt die Aktie in den Wochen danach bewertet.
Bullisches Szenario
Für eine positive Überraschung spricht, dass Xiaomi operativ an mehreren Fronten wächst. Die Zahl monatlich aktiver Nutzer kletterte im ersten Quartal um 3,8 Prozent auf 746,2 Millionen, die Zahl der AIoT-Geräte legte um 18,5 Prozent zu.
Sollte sich das Nutzerwachstum im zweiten Quartal fortsetzen und zugleich die Bruttomarge auch nur leicht über den von CICC erwarteten 8,3 Prozent liegen, könnte das als Signal gewertet werden, dass die Preiserhöhungen bei Komponenten zumindest teilweise durch das höhere Preissegment kompensiert werden.
Flankiert wird dieses Szenario vom laufenden Aktienrückkaufprogramm: Seit Anfang Juni erwarb Xiaomi in 14 Tranchen Aktien im Volumen von rund 100,7 Millionen Hongkong-Dollar zu Kursen zwischen 25,82 und 28,65 Hongkong-Dollar, eingebettet in ein neues Mandat über bis zu 20 Milliarden Hongkong-Dollar mit Laufzeit bis Juni 2027. Ein solches Programm signalisiert Vertrauen des Managements in die mittelfristige Bewertung.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt in der Kombination aus anhaltendem Gewinnschwund und strukturellen Belastungen im Elektroauto-Segment, das im ersten Quartal einen operativen Verlust von 3,1 Milliarden Yuan auswies.
Setzt sich der von CICC erwartete Gewinnrückgang von 43,6 Prozent tatsächlich fort, wäre das zwar eine Verbesserung gegenüber dem Q1-Einbruch von 56,8 Prozent, bliebe aber ein zweistelliger Ergebnisrutsch in Folge.
Sollte zudem die Bruttomarge unter die von Jefferies skizzierte kritische Marke rutschen, dürfte die Debatte um die Tragfähigkeit des Smartphone-Geschäftsmodells neu aufflammen. Hinzu kommt strategische Unsicherheit: Gespräche zwischen Stellantis und Xiaomi über eine mögliche Kooperation im Elektroauto-Bereich, über Technologie-Sharing und Plattform-Integration, wurden im März bekannt, aber bislang von keiner der beiden Seiten offiziell bestätigt. Ein Ausbleiben konkreter Fortschritte würde diese Wachstumsfantasie im EV-Geschäft weiter dämpfen.
Ausblick
Solange die Bruttomarge im Smartphone-Geschäft nahe den von CICC geschätzten 8,3 Prozent verharrt und das Nutzerwachstum stabil bleibt, dürfte der Markt den Gewinnrückgang als bereits eingepreist behandeln. Rutscht die Marge dagegen spürbar darunter oder weitet sich der EV-Verlust aus, wächst der Druck auf die Bewertung erneut.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der 18. August, wenn Xiaomi die tatsächlichen Q2-Zahlen vorlegt – der Analystenkonsens sieht bislang einen Umsatz von 116,84 Milliarden Yuan und einen EPS-Rückgang von 55 Prozent voraus. Bis dahin bleibt die Aktie in einer Warteposition, in der jede Abweichung von der Konsensschätzung unmittelbar über die kurzfristige Kursrichtung entscheiden dürfte.
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