Xiaomi Aktie: Gewinn bricht um 42,6 Prozent ein
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Manchmal lohnt es sich, eine Zahl zweimal zu lesen. Bereinigter Nettogewinn im zweiten Quartal: minus 42,6 Prozent. Das ist keine Delle, das ist ein Einschnitt. Und doch steigt die Aktie seit einer Woche um über acht Prozent. Wer beides zusammenbringen will, muss verstehen, was bei Xiaomi gerade wirklich passiert.
Die Zahlen sprechen eine harte Sprache
Im zweiten Quartal 2026 sank der Umsatz um 6,1 Prozent auf 108,9 Milliarden Yuan, der bereinigte Nettogewinn brach um 42,6 Prozent auf 6,22 Milliarden Yuan ein – und verfehlte damit sogar die eigene Erwartung von 6,6 Milliarden.
Die Smartphone-Sparte tut besonders weh: Die Auslieferungen fielen um 26,5 Prozent auf 31,2 Millionen Geräte, der Umsatz in diesem Segment um 7,5 Prozent. Für das erste Halbjahr insgesamt steht ein Gewinnrückgang von 37,6 Prozent zu Buche. Das Kerngeschäft, mit dem Xiaomi einst groß wurde, schrumpft schneller, als es sich neu erfinden kann.
Interessant wird es beim Blick auf die Gegenrechnung. Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Smartphone kletterte um 25,9 Prozent auf 1.351 Yuan – Xiaomi verkauft also weniger, aber teurer. Das ist eine bewusste Strategie weg vom Volumengeschäft, hin zum Premiumsegment. Ob sie aufgeht, wird sich erst über mehrere Quartale zeigen.
Autos statt Handys – der eigentliche Hoffnungsträger
Während das Smartphone-Geschäft schwächelt, wächst die Elektroauto-Sparte robust weiter: Der Umsatz stieg um 15,9 Prozent auf 23,9 Milliarden Yuan, die Auslieferungen legten um 28,2 Prozent auf gut 104.000 Fahrzeuge zu. Das ist die eigentliche Geschichte hinter der Geschichte.
Xiaomi war einmal ein Smartphone-Hersteller mit Nebengeschäften. Heute sieht es eher so aus, als würde das Auto zum tragenden Standbein, während das Telefon zur Cashcow mit Verfallsdatum wird.
Und dann ist da noch die dritte Wette, die größte von allen: künstliche Intelligenz. Konzernchef Lei Jun kündigte an, in den kommenden drei Jahren umgerechnet 60 Milliarden Yuan in KI zu investieren, davon über 16 Milliarden allein 2026. Die hauseigene Modellreihe MiMo, mit der Version MiMo-V2.5-Pro auf Rang eins der Open-Source-Rangliste bei Artificial Analysis gelistet, bekommt inzwischen eine eigene Desktop-App für Privatnutzer. Für ein Unternehmen, das gerade Milliarden an Gewinn einbüßt, ist das eine mutige Ansage. Oder eine notwendige.
Genau hier liegt die eigentliche Frage, die sich Beobachter stellen sollten: Kann ein Konzern gleichzeitig drei kapitalintensive Transformationen stemmen – Premium-Smartphones, Elektroautos und KI-Infrastruktur – während der Cashflow aus dem angestammten Geschäft schrumpft? Der operative Verlust von 3,1 Milliarden Yuan im ersten Quartal deutet an, wie teuer dieser Dreifach-Umbau bereits jetzt ist.
Der Markt zuckt, aber verkauft nicht
Der Kurs notiert aktuell bei 3,07 Euro, ein Plus von 1,9 Prozent am heutigen Tag und gut acht Prozent über dem Niveau der vergangenen Woche. Das wirkt nach Erholung, relativiert sich aber schnell: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 29 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 47 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 6,54 Euro trennen die Aktie noch immer gut die Hälfte des Werts. Der Markt hat den Gewinneinbruch also längst eingepreist – die jüngste Erholung liest sich eher als vorsichtige Wette auf die Zukunftssparten denn als Vertrauensbeweis ins Kerngeschäft.
Diese Gemengelage passt zu einem größeren Muster in China: Wer die Verbrennerwelt und das reine Hardware-Geschäft hinter sich lassen will, zahlt zunächst mit Marge. Die Frage, ob Xiaomi diesen Umbau schneller schafft, als das alte Geschäft wegbricht, bleibt das entscheidende Thema für die kommenden Quartale.
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