Xiaomi, Aktie

Xiaomi Aktie: 8,3 Prozent trotz 42,6-Prozent-Gewinnrückgang

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 13:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Xiaomi-Aktie steigt trotz Gewinneinbruch um 8,3 Prozent. Der Markt fokussiert sich auf die starke EV-Sparte mit 500.000 Auslieferungen.

Xiaomi-Aktie: Trotz Gewinnrückgang steigt der Kurs dank Auto-Erfolg
Abstrakte Darstellung moderner Unterhaltungselektronik in einem professionellen, stimmungsvollen Umfeld. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Zahlen vom Dienstag waren eigentlich schlecht. Ein bereinigter Nettogewinn von 6,2 Milliarden Yuan bedeutet einen Rückgang von 42,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, verfehlt die Analystenschätzung von 6,6 Milliarden Yuan klar, und der Umsatz schrumpfte um 6,1 Prozent auf 108,9 Milliarden Yuan.

Trotzdem legte die Aktie zu – seither um 8,3 Prozent. Für mich zeigt genau diese Diskrepanz, wohin sich die Bewertungslogik bei Xiaomi verschoben hat: Der Markt schaut kaum noch auf das Smartphone-Geschäft, sondern fast ausschließlich auf das Auto.

Der Auslöser: 500.000 Autos und ein Bestellrekord

Am Montag hatte Xiaomi EV verkündet, dass die kumulierten Auslieferungen der SU7-Serie die Marke von 500.000 Einheiten überschritten haben – exakt 28,5 Monate nach Marktstart. Parallel meldete das Unternehmen "enthusiastische" Vorbestellungen von über 100.000 Einheiten für die neue E-SUV-Serie SkyNomad.

Das Q2 selbst lieferte mit 104.199 ausgelieferten Fahrzeugen das sechste Quartal in Folge mit Wachstum. Diese Kombination aus Meilenstein und Zukunftsversprechen hat aus meiner Sicht die Gewinnwarnung im Smartphone-Segment schlicht überlagert – und das ist bemerkenswert, weil es zeigt, wie sehr die Aktie inzwischen als EV-Wette gehandelt wird, nicht mehr als Konsumelektronik-Titel.

Bezeichnend ist dabei, dass die Ich-freundliche Wachstumsstory selbst noch operativ Geld verbrennt: Das Segment "Smart EV, AI and Other New Initiatives" steigerte den Umsatz zwar um 17,1 Prozent auf 24,9 Milliarden Yuan, wies aber wegen hoher Forschungs- und Entwicklungsausgaben einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden Yuan aus. Wer heute in Xiaomi investiert, kauft also explizit eine Verlustsparte – in der Erwartung, dass sie morgen die Kernsparte trägt.

Warum ich die Reaktion für nachvollziehbar halte

Goldman Sachs hatte bereits am Dienstag ihre positive Einschätzung untermauert und für die EV-Sparte 500.000 Auslieferungen im Gesamtjahr 2026 sowie einen Anstieg auf 1,04 Millionen Einheiten bis 2028 in Aussicht gestellt. Das ist eine steile Kurve, aber sie erklärt, warum Anleger dem Verlust im EV-Segment derzeit wenig Gewicht geben: Wenn die Skalierung tatsächlich gelingt, dürfte sich die Verlustsituation mit dem Auslaufen der Anlaufkosten umkehren.

Zugleich bestätigte das Management auf der Bilanzpressekonferenz, aktive Aktienrückkäufe am offenen Markt fortzuführen – ein Signal, dass die Führung den aktuellen Kurs für unterbewertet hält, unabhängig von der Gewinnentwicklung im Stammgeschäft.

Auf der anderen Seite bleibt die Kursreaktion fragil einzuordnen. Der Titel notiert trotz des Sprungs weiterhin rund 54 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 6,54 Euro, das im September 2025 markiert wurde, und die Jahresperformance liegt bei minus 30 Prozent.

Wer den Kurssprung als Wendepunkt liest, blendet aus, dass der Start der SkyNomad-Serie – ursprünglich als Kurstreiber gehandelt – die Aktie seit ihrem Beginn vor gut drei Wochen um 11,1 Prozent hat fallen lassen. Euphorie über Auslieferungszahlen hat sich bei Xiaomi in den vergangenen Monaten wiederholt als kurzlebig erwiesen.

Die KI-Baustelle als unterschätzter Nebenschauplatz

Neben dem Auto positioniert sich Xiaomi auch technologisch breiter: Anfang August stellte das Unternehmen das KI-Modell Robotics-1, trainiert mit 100.000 Stunden realer Daten, als Open-Source-Projekt bereit, und das hauseigene Sprachmodell MiMo V2.5 erreichte laut Daten von OpenRouter Platz eins im globalen Ranking für Open-Source-Abrufvolumen.

Im Zeitraum vom 19. bis 23. August folgt die Präsentation der Robotik-Sparte auf der World Robot Conference 2026, im September der offizielle Marktstart von SkyNomad. Beide Termine dürften die Story weiter befeuern – oder, sollte die Nachfrage enttäuschen, den nächsten Rückschlag liefern.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich die aktuelle Rally als Bestätigung dafür, dass der Markt Xiaomi inzwischen primär über die Automobilfantasie bewertet, nicht über das schwächelnde Kerngeschäft. Das kann tragen, solange Auslieferungszahlen und Vorbestellungen liefern. Es bleibt aber eine Wette auf Ausführung: Der operative Verlust im EV-Segment ist real, die Skalierungsziele von Goldman Sachs sind Prognosen, kein gemeldeter Stand.

Die Chancen sprechen für weiteres Interesse an der Aktie, solange die Meilensteine kommen – die Risiken liegen genau dort, wo sie bislang lagen: in der Geschwindigkeit, mit der aus Wachstum tatsächlich Profitabilität wird.

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