Xiaomi Aktie: 100.000 SU7-Bestellungen in zwei Wochen
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 20:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Es gibt diesen Moment vor jeder großen Transformation, in dem die Zahlen schlechter aussehen als die Geschichte, die sie eigentlich erzählen sollen. Xiaomi steckt gerade genau darin. Am kommenden Dienstag, dem 18. August, tritt der Verwaltungsrat zusammen, um die ungeprüften Halbjahresergebnisse bis Ende Juni zu prüfen – und über eine mögliche Zwischendividende zu entscheiden. Klingt nach Routine. Ist es nicht.
Denn während der Aktienkurs mit 2,85 Euro nur noch einen Bruchteil dessen wert ist, was er vor einem Jahr war – minus 51 Prozent auf Zwölfmonatssicht, minus 34 Prozent seit Jahresbeginn –, vollzieht sich im Hintergrund ein Strukturwandel, der die eigentliche Geschichte dieses Unternehmens ist. Xiaomi baut sich vom Smartphone-Hersteller zum Elektroauto-Anbieter um, mitten in einem chinesischen Preiskrieg, der keine Gnade kennt.
Die Marge als Lackmustest
Die Zahlen, die am Dienstag vorgestellt werden dürften, kennt der Markt in ihren Grundzügen bereits. Analysten von CICC bestätigten Anfang August ihr Rating „Outperform", rechnen für das zweite Quartal aber mit einem Umsatzrückgang von 7,6 Prozent auf 107,14 Milliarden Yuan.
Der bereinigte Nettogewinn soll um 43,6 Prozent auf 6,114 Milliarden Yuan einbrechen. Das ist kein Ausrutscher – im ersten Quartal war der Gewinn bereits um 43,1 Prozent gefallen, der Umsatz um 10,9 Prozent, der erste Rückgang seit fast drei Jahren.
Die eigentliche Frage, die sich Anleger stellen sollten, ist nicht, ob die Gewinne sinken. Das steht praktisch fest. Die Frage ist, warum sie sinken – und ob dieser Grund vorübergehend oder strukturell ist. Xiaomis Management hatte im Mai eine Bruttomarge von 8 Prozent im Smartphone-Geschäft angepeilt, bei einem erwarteten Umsatzrückgang von 10 Prozent für das Jahr.
Der Analyst Edison Lee von Jefferies stufte die Aktie damals von Hold auf Underperform herab und senkte sein Kursziel von 26,98 auf 25,49 Hongkong-Dollar. Seine Begründung: Die Margenziele seien angesichts eines Speicherpreisanstiegs von 100 Prozent im zweiten Quartal „herausfordernd". Wer Smartphones baut, kauft Speicherchips – und wenn die sich verdoppeln, frisst das jede Preisdisziplin auf.
Das Auto als zweite Wette
Parallel dazu läuft die zweite, größere Wette: das Elektroauto-Geschäft. Die überarbeitete Version des SU7, gestartet Anfang Januar, sammelte in zwei Wochen 100.000 Bestellungen. 48 Tage nach Marktstart kamen über 80.000 feste Bestellungen in China zusammen, umgerechnet rund 1.700 Fahrzeuge pro Tag.
Das Management hob daraufhin sein Auslieferungsziel für das laufende Jahr auf etwa 550.000 Einheiten an – deutlich über der ursprünglichen internen Prognose von 410.000. Ein Expansionsschritt nach Europa ist für 2027 offiziell bestätigt, und Berichten zufolge verhandelte Stellantis im Frühjahr mit Xiaomi und Xpeng über strategische Partnerschaften, von Markenbeteiligungen bis zum Zugriff auf europäische Produktionskapazitäten.
Das ist die eigentliche Pointe: Xiaomi verliert im Kerngeschäft an Boden, während es sich als ernstzunehmender Autobauer etabliert – mit westlichen Konzernen, die um Zugang zu genau dieser Kompetenz buhlen. Ob sich das im Aktienkurs schon widerspiegelt, ist eine andere Frage.
Der Titel notiert derzeit 22 Prozent über seinem Zwölfmonatstief von 2,34 Euro, aber 56 Prozent unter seinem Hoch von 6,54 Euro aus dem September. Ein technischer Indikator wie der RSI von 42,8 signalisiert dabei weder Überkauft- noch Überverkauftheit, sondern schlicht Orientierungslosigkeit.
Was am Dienstag wirklich zählt
Wer am Dienstag auf die Zahlen schaut, sollte nicht nur auf die Gewinnmarge starren. Entscheidend ist, ob das Management belastbare Aussagen zur Entwicklung im EV-Geschäft macht und ob die Speicherpreis-Belastung im Smartphone-Segment als temporär oder dauerhaft eingeordnet wird.
Die Zwischendividende, über die der Verwaltungsrat ebenfalls entscheidet, dürfte dabei eher ein Signal der Stabilität sein als ein Kurstreiber. Die größere Erzählung bleibt der Umbau vom Elektronikkonzern zum Mobilitätsanbieter – und ob der Markt diesem Umbau schon glaubt oder erst noch überzeugt werden muss.
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