Wienerberger, Aktie

Wienerberger Aktie: Scheuch tritt als CEO zurück

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 23:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wienerberger verliert weiter an Börsenwert: Die offene CEO-Nachfolge, Fidelitys Anteilsabbau und eine gesenkte Prognose erhöhen den Druck.

Wienerberger unter Druck: Führungssuche und Fidelity-Rückzug belasten
Moderne Büroarchitektur bei Sonnenuntergang als Symbol für einen Führungswechsel in der Bauindustrie Illustration mit AI erstellt.

Wienerberger steckt in einer schwierigen Gemengelage. Seit dem überraschenden Rücktritt von Heimo Scheuch als Vorstandschef Anfang August sucht der Baustoffkonzern nach einer dauerhaften Lösung an der Spitze – bislang ohne Ergebnis. Die Unsicherheit über die künftige Führung trifft eine Aktie, die ohnehin unter Druck steht.

Interimslösung ohne Enddatum

Scheuch, der das Unternehmen mehr als 17 Jahre geführt hatte, trat aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung zurück. Als Übergangslösung übernahm Gerhard Hanke, seit Juni stellvertretender CEO und zuvor mehrjähriger Finanzchef sowie zuletzt COO für Zentral- und Osteuropa, die Konzernleitung.

Wienerberger bestätigte damals eine strukturierte Suche nach einem langfristigen Nachfolger – ein Prozess, der naturgemäß Zeit braucht und Anlegern derzeit keine Klarheit über die strategische Richtung des Unternehmens liefert.

Ein Vorstandswechsel dieser Art ist für sich genommen noch kein Alarmsignal. Problematisch wird es, wenn er mit ohnehin angeschlagenem Marktvertrauen zusammentrifft. Genau das ist bei Wienerberger derzeit der Fall.

Fidelity zieht sich weiter zurück

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der US-Vermögensverwalter Fidelity seine Beteiligung an Wienerberger weiter reduziert hat. Laut einer Pflichtmitteilung sank der Stimmrechtsanteil von FMR LLC auf 5,95 Prozent, die Gesamtposition von 6,55 auf 6,29 Prozent. Fidelity Management & Research Company unterschritt dabei die Schwelle von vier Prozent.

Ein einzelner Investor, der seine Position schrittweise abbaut, ist noch keine Vorhersage für den Kursverlauf. Doch in einem Umfeld, in dem das Unternehmen ohnehin um Vertrauen kämpft, wirkt ein solcher Schritt wie ein zusätzliches Warnsignal für andere Marktteilnehmer.

Der Kursverlauf spiegelt diese Gemengelage deutlich wider. Die Aktie notiert aktuell bei 17,81 Euro und damit nur noch 1,4 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 17,56 Euro, das erst vor wenigen Tagen markiert wurde. Seit Jahresbeginn hat das Papier 42 Prozent an Wert verloren, allein in den vergangenen 30 Tagen ging es um 15 Prozent nach unten.

Ein Relative-Stärke-Index von 27 signalisiert eine technisch stark überverkaufte Situation – ein Hinweis darauf, dass der Abwärtsdruck der vergangenen Wochen ungewöhnlich stark war, nicht zwangsläufig aber, dass eine Trendwende unmittelbar bevorsteht.

Operatives Geschäft bleibt zweite Baustelle

Zur personellen Unsicherheit kommt die operative Schwäche. Der schwache Wohnungsneubau in den USA, Kanada und Großbritannien hatte Wienerberger bereits im Sommer zu einer Senkung der Jahresprognose gezwungen, mit einer negativen Belastung von rund 100 Millionen Euro gegenüber der ursprünglichen Guidance.

Immerhin liefern die zuletzt übernommenen Gesellschaften Italcer aus Italien und NEWS Group aus Schweden bereits spürbare Ergebnisbeiträge, und mehr als 60 Prozent der Konzernerlöse stammen aus den weniger konjunkturabhängigen Bereichen Infrastruktur und Renovierung. Das stabilisiert das Fundament, kann die aktuelle Vertrauenskrise an der Börse aber nicht auffangen.

Für Anleger bleibt die Gemengelage damit unverändert diffizil: Ein Unternehmen ohne feste Führung, ein Großinvestor auf dem Rückzug und ein charttechnisch überverkauftes Papier nahe seinem Jahrestief. Ob die Ernennung eines dauerhaften CEO neues Vertrauen schafft, dürfte sich erst zeigen, sobald die Suche ein Ergebnis liefert.

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