Wienerberger Aktie: CEO-Wechsel am 10. August
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 02:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Baustoffhersteller Wienerberger durchläuft eine Phase tiefgreifender Veränderungen. Nach dem überraschenden Rücktritt des langjährigen CEO Heimo Scheuch, der sein Amt am 10. August aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung niederlegte, steht das Unternehmen vor einer personellen und wirtschaftlichen Neuausrichtung.
Der Aufsichtsrat ernannte Gerhard Hanke, bislang als COO für Zentral- und Osteuropa sowie als stellvertretender CEO tätig, zum Interim-Nachfolger. Während die Suche nach einer langfristigen Besetzung läuft, muss das Management auf eine spürbare Abkühlung im Bausektor reagieren.
Schwacher Wohnungsbau dämpft Ergebnisentwicklung
Die vor zwölf Tagen veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal 2026 verdeutlichen die aktuelle Herausforderung. Zwar konnte Wienerberger den Konzernumsatz um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro steigern, wovon sieben Prozent auf organisches Wachstum und sechs Prozent auf Akquisitionen entfielen.
Doch auf der Ergebnisseite zeigt sich ein anderes Bild: Das operative EBITDA sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 253 Millionen Euro auf 230 Millionen Euro.
Besonders deutlich wird der Druck bei der Profitabilität. Die EBITDA-Marge fiel im Berichtsquartal von zuvor 20,3 Prozent auf 16,3 Prozent zurück. Medienberichten zufolge belasten vor allem der schwache Wohnungsneubau in den Kernmärkten USA, Kanada und Großbritannien sowie die durch geopolitische Faktoren getriebene Inflation das operative Geschäft. Diese Kostensteigerungen konnten trotz Effizienzmaßnahmen nicht vollständig kompensiert werden.
Angesichts dieser Entwicklung korrigierte Wienerberger die Ziele für das laufende Geschäftsjahr nach unten. Das Unternehmen erwartet nun ein operatives EBITDA von rund 700 Millionen Euro, nachdem ursprünglich ein Wert von mehr als 800 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden war. Um die Belastungen durch den stagnierenden Neubau abzufedern, setzt die Konzernführung verstärkt auf Kostensenkungsprogramme und eine Straffung der operativen Abläufe.
Strategische Zukäufe und Signale aus dem Aufsichtsrat
Trotz des schwierigen Marktumfelds treibt Wienerberger den Umbau des Portfolios voran, um die Abhängigkeit vom klassischen Neubau zu verringern. Wie das Unternehmen mitteilte, machen die Bereiche Infrastruktur und Renovierung mittlerweile mehr als 60 Prozent des Konzernumsatzes aus.
In diesen Segmenten erwies sich das Geschäft zuletzt als deutlich robuster. Zur Stärkung dieser Position wurden die Mehrheitsübernahme der italienischen Italcer Group sowie die Akquisition der schwedischen NEWS Group vollzogen.
Flankierend zur operativen Strategie setzt Wienerberger auf eine breitere Markenpräsenz. Das Unternehmen tritt ab der Saison 2026/27 für zunächst drei Jahre als offizieller Partner der österreichischen Skisprung-Nationalteams auf. Das Logo wird künftig auf der Team-Bekleidung und den Anzügen im Weltcup zu sehen sein.
An der Börse spiegeln sich die Unsicherheiten der vergangenen Monate deutlich wider. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei 19,29 Euro und notiert damit nur noch 1,5 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat das Papier 37 Prozent an Wert verloren.
Inmitten dieser Kursschwäche sendete der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Steiner am vergangenen Donnerstag ein Signal an den Markt: Er tätigte einen Insider-Kauf und erwarb eigene Aktien des Baustoffkonzerns. Solche Transaktionen durch Führungskräfte werden von Anlegern häufig als Vertrauensbeweis in die langfristige Substanz des Unternehmens gewertet.
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