Western Digital Aktie: Bewertung schlägt zurück
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Rekordquartal, ein bulliger Ausblick auf Milliardenverträge bis 2031 — und trotzdem rauscht die Aktie zweistellig nach unten. Bei Western Digital zeigt sich gerade, wie gnadenlos der Markt mit Highflyern umgeht, wenn die Zahlen "nur" gut statt überragend ausfallen.
Der Festplattenhersteller legte am Mittwoch nach US-Börsenschluss seine Quartalszahlen vor. Der Umsatz kletterte auf 3,75 Milliarden Dollar und übertraf die Markterwartung von 3,68 Milliarden Dollar deutlich. Auch beim Gewinn je Aktie lief es besser als gedacht: 3,56 Dollar standen den von Analysten geschätzten 3,32 Dollar gegenüber, ein Plus von 109 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Der Ausblick war der Knackpunkt
Das Problem lag nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft. Für das laufende Quartal stellte Western Digital einen Erlös von 4,1 Milliarden Dollar in Aussicht — nur minimal über der Analystenschätzung von 4,06 Milliarden Dollar. CEO Irving Tan zeigte sich dennoch zuversichtlich und verwies auf die anhaltend wachsende globale Datenmenge sowie eine zunehmend bessere Visibilität für das Geschäftsjahr 2027.
Den Anlegern reichte das nicht. Die Aktie verlor im regulären Handel bereits über fünf Prozent und rutschte nachbörslich um weitere elf Prozent ab — in der Spitze ein Kursverlust von rund 16 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss. Charttechnisch rückt damit die Marke von 450 Dollar als nächste Unterstützung in den Blick.
Warum die Reaktion so heftig ausfiel
Der eigentliche Auslöser dürfte weniger in den Zahlen selbst liegen als in der Vorgeschichte des Kurses. Western Digital war innerhalb eines Jahres um mehr als 600 Prozent gestiegen, seit der Abspaltung von SanDisk im Februar 2025 als reiner Festplattenhersteller für Cloud- und KI-Workloads positioniert. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 30 und einem EV/EBITDA-Multiple von über 45 hatten Investoren bereits kräftiges Wachstum eingepreist — ein Ausblick, der die Erwartungen nur knapp übertrifft, reicht dann nicht mehr für weitere Kursfantasie.
Operativ bleibt das Bild solide: Die Bruttomarge kletterte im vierten Quartal auf 54,4 Prozent, das operative Ergebnis stieg auf eine Marge von 44,2 Prozent. Im Gesamtjahr wuchs der Umsatz um 36 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar, der freie Cashflow legte um 145 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar zu. Das Cloud-Segment, das rund 90 Prozent des Umsatzes stellt, bleibt der zentrale Wachstumstreiber.
Für die kommenden Quartale hat Western Digital einen klaren Fahrplan skizziert: Die neue 40-Terabyte-ePMR-Plattform soll bis zum dritten Fiskalquartal 2027 mehr als die Hälfte der Nearline-Kapazitäten stellen, im ersten Halbjahr 2027 soll die 44-Terabyte-HAMR-Technologie folgen. Zusätzlich verhandelt das Unternehmen bereits über langfristige Lieferverträge bis in die Jahre 2029 bis 2031 — ein Hinweis darauf, wie viel Vertrauen Cloud-Kunden trotz des Kursrutsches weiterhin in die Nachfrage nach Speicherkapazität setzen.
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