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Vonovia Aktie: Mucic widerspricht Enteignungsplänen

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 01:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Vonovia setzt in Berlin auf Neubau und Kooperation, während Enteignungspläne, hohe Finanzierungskosten und politische Unsicherheit den Konzern belasten.

Sanierte Mehrfamilienhäuser mit grünem Innenhof und Balkonen am Nachmittag
Vonovia SE DE000A1ML7J1 – sanierte Mehrfamilien-Wohnsiedlung mit grünen Innenhöfen und Balkonen am Nachmittag Illustration mit AI erstellt.

Vonovia-Chef Luka Mucic stellt sich den Forderungen nach weitreichenden regulatorischen Eingriffen entgegen und setzt auf Investitionen sowie den Ausbau von Beständen. Eine Vergesellschaftung privater Bestände schaffe keine einzige neue Wohnung, hob der Vorstandsvorsitzende des Bochumer DAX-Konzerns hervor.

Das Unternehmen verstehe sich als Teil der Lösung für den angespannten Wohnungsmarkt und stehe für einen konstruktiven Dialog mit den politischen Entscheidungsträgern bereit.

Die Debatte über den Wohnungssektor der Hauptstadt gewann gestern nach der Abgeordnetenhauswahl neue Dynamik, seither verliert die Aktie 0,7 % an Wert. Die Linke ging als stärkste Kraft aus der Abstimmung hervor und bekräftigte ihre Absicht, große private Wohnungsunternehmen in öffentliche Hand zu überführen. Als Begründung führt die Partei das Votum eines früheren Berliner Volksentscheids an.

Gegenposition und Bestandsdaten

Konzernchef Mucic widersprach dieser Argumentation deutlich und betonte die Notwendigkeit verlässlicher Rahmenbedingungen für Neubauaktivitäten. Das Unternehmen setze auf Kooperation statt Konfrontation, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern und neue Kapazitäten zu schaffen. Eine Übernahme von Beständen durch das Land entlaste den Markt hingegen nicht nachhaltig.

In Berlin verfügt Vonovia zusammen mit der Konzerntochter Deutsche Wohnen über gut 130.000 Wohnungen. Um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen, befinden sich rund 1.000 neue Wohnungen im Bau. Zudem bezifferte der Konzern die durchschnittliche Miete in seinen Berliner Beständen zum Ende des Monats Juni auf 8,26 Euro pro Quadratmeter.

Zweifel an wirtschaftlicher Machbarkeit

An den Plänen zur Vergesellschaftung gibt es zudem deutliche ökonomische Zweifel. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer stuft eine Refinanzierung der Entschädigungen allein aus regulierten Mieteinnahmen als rechnerisch nicht tragfähig ein.

Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung warnten ebenfalls vor finanziellen Belastungen für die öffentliche Hand. Zudem verständigte sich der Koalitionsausschuss der Bundesregierung Anfang Juli auf ein gesetzliches Enteignungsverbot für Mietwohnungen.

Neben den politischen Diskussionen in Berlin bestimmen die Zinsen das Umfeld der gesamten Branche. Die Analysten von Goldman Sachs nahmen Anfang September ihre Kaufempfehlung für Vonovia zurück.

Das Institut bezeichnete die operativen Trends und das Mietwachstum zwar als solide, sah jedoch in den Finanzierungskosten eine Belastung für die Unternehmensstrategie. Volkswirt Jim Reid von der Deutschen Bank wies darauf hin, dass die wachsende Bedeutung von Erschwinglichkeitsfragen die politische Debatte präge.

An den Märkten notiert das Wertpapier von Vonovia bei 17,64 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie einen Verlust von 28 %. Wie sich die Regierungsbildung in Berlin gestaltet und wie stabil sich das Zinsumfeld erweist, dürfte für die Bewertung des Konzerns in den kommenden Monaten maßgeblich bleiben.

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