Vonovia Aktie: Katja Wünschel neue Chief Development Officer
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 23:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vonovia positioniert sich für ein mögliches Bündnis mit dem Staat im Wohnungsbau. Konzernchef Luka Mucic begrüßte die von der Regierungskoalition geplante Wohnungsbaugesellschaft (WBG) und sieht darin Geschäftschancen für ein Public-Private-Partnership-Modell. Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der der Konzern seine Neubau- und Entwicklungssparte neu ordnet.
Neue Führung für den Neubau
Mucic führt Vonovia seit Jahresbeginn und folgte damit auf Rolf Buch, der das Unternehmen zwölf Jahre lang geleitet hatte. Der frühere SAP- und Vodafone-Finanzchef bringt eine andere Handschrift in den Konzern. Seit 1. Juni verantwortet Katja Wünschel als neue Chief Development Officer den Bereich Neubau und Entwicklung.
Wünschel war zuvor Chefin von RWE Renewables für Europa und Australien und bringt mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung aus dem Energiesektor mit. Ihre Personalie unterstreicht, dass Vonovia den Wohnungsneubau strategisch aufwerten will – ein Feld, das angesichts der politischen Debatte über bezahlbaren Wohnraum an Bedeutung gewinnt.
Ergänzt wird die Neuausrichtung durch die Beteiligung an Gropyus, einem Anbieter für seriellen, industriell gefertigten Wohnungsbau. Eine solche Fertigungsweise gilt als Hebel, um Bauzeiten und -kosten zu senken – Faktoren, die über die Wirtschaftlichkeit neuer Wohnprojekte entscheiden.
Sollte die geplante staatliche Wohnungsbaugesellschaft tatsächlich kommen, könnte Vonovia über Partnerschaftsmodelle direkt von öffentlichen Bauprogrammen profitieren.
Operatives Geschäft bleibt stabil
Der strategische Umbau vollzieht sich vor dem Hintergrund eines soliden operativen Geschäfts. Im ersten Quartal steigerte Vonovia das bereinigte EBITDA im Gesamtkonzern um ein Prozent auf 711,6 Millionen Euro, das organische Mietwachstum lag bei vier Prozent, die Vermietungsquote bei 97,7 Prozent.
Der Wert-Add-Bereich mit Handwerkerdiensten und Energiegeschäft wuchs deutlich um 30 Prozent auf 50,1 Millionen Euro. Auch der Portfoliowert entwickelte sich zuletzt positiv: Zur Jahresmitte bezifferte Vonovia den Verkehrswert seines Bestands auf 84,7 Milliarden Euro, der EPRA NTA je Aktie lag bei 46,57 Euro.
Diese operative Stabilität steht in einem gewissen Kontrast zur Kursentwicklung. Die Aktie schloss am Freitag bei 19,84 Euro und notiert damit nur noch 1,6 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief.
Seit Jahresbeginn hat das Papier 19 Prozent verloren, auf Sicht von zwölf Monaten sogar 29 Prozent. Der Markt bewertet den Immobilienkonzern damit deutlich unter dem von Vonovia selbst ausgewiesenen Substanzwert je Aktie – ein Abstand, der Investoren seit Monaten beschäftigt.
Strategiewechsel als Signal an den Markt
Für Anleger ist die Personalie Wünschel mehr als eine Randnotiz. Sie zeigt, dass der neue Vonovia-Chef den Konzern von einem reinen Bestandshalter stärker in Richtung Entwicklung und Neubau ausrichten will.
Ob sich daraus kurzfristig neue Erträge ergeben, bleibt offen – die politische Debatte um die staatliche Wohnungsbaugesellschaft steht noch am Anfang. Klar ist aber, dass Vonovia sich frühzeitig als möglicher Partner positioniert, statt das Feld anderen Marktteilnehmern zu überlassen.
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