Volkswagen, Aktie

Volkswagen Aktie: 27,72 Prozent Jahresverlust

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 11:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Porsche SE verzeichnet wegen der VW-Krise einen Halbjahresverlust von 2,2 Milliarden Euro und senkt ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr.

Porsche SE Halbjahresbilanz: Milliardenverlust durch VW-Krise
Abstrakte Darstellung einer automobilen Industrielandschaft in düsterer, bläulicher Lichtstimmung mit Fokus auf Marktrückgang. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Konzernverlust von 2,2 Milliarden Euro bei der größten Volkswagen-Aktionärin binnen sechs Monaten – nach einem Gewinn von 0,3 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Die Halbjahreszahlen der Porsche SE offenbaren, wie tief die Krise bei Volkswagen inzwischen reicht.

Die Holding musste ihre VW-Beteiligung um 3 Milliarden Euro wertberichtigen, hinzu kommt eine Abschreibung von 0,2 Milliarden Euro auf die Porsche AG. Das angepasste Ergebnis der Porsche SE brach um 14,5 Prozent auf 949 Millionen Euro ein.

Porsche SE spricht von historischem Wendepunkt

Bei Volkswagen selbst sackte der Nettogewinn im ersten Halbjahr um fast ein Drittel ab. Der Konzern hat bereits 50.000 Stellen gestrichen, weitere 50.000 Arbeitsplätze und vier Werke in Deutschland stehen zusätzlich zur Disposition.

Porsche SE hält 31,9 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen und 12,5 Prozent an der Porsche AG – die Beteiligungsgesellschaft ist damit unmittelbar von der Schwäche des Wolfsburger Konzerns betroffen.

Die Porsche AG selbst zeigte sich robuster: Das operative Ergebnis stieg um 34 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, während der Umsatz um 5,1 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro zurückging. Die Auslieferungen sanken um 16,5 Prozent auf 122.306 Fahrzeuge, der Elektroanteil fiel von 23,5 auf 19,4 Prozent.

An der Börse reagierten Anleger verhalten. Die Volkswagen-Vorzugsaktie schloss am Montag bei 75,28 Euro, ein Minus von 1,49 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Verlust von 27,72 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro aus dem Dezember beträgt der Abstand 31,00 Prozent.

Stellenabbau in Zwickau, Sparprogramm im Konzern

Die schwache Nachfrage nach Elektroautos trifft Volkswagen auch operativ. Im Werk Zwickau baut der Konzern Stellen ab, weil die E-Auto-Produktion dort nicht ausgelastet ist. Parallel arbeitet der Konzern an einem konzernweiten Kostensenkungsprogramm, das die schwache Betriebsmarge der Kernmarke verbessern soll.

Zugleich prüft Volkswagen, sich von Nischenmodellen zu trennen – betroffen wäre etwa der Audi Q3 Sportback. Der Konzern will sein Portfolio damit auf profitablere Baureihen konzentrieren.

Neuausrichtung in den USA mit Führungswechsel

Auf der anderen Seite setzt Volkswagen in Nordamerika auf Expansion statt Rückzug. Der Konzern plant einen eigenen Pick-up für den US-Markt, gebaut im Werk Chattanooga in Tennessee, mit Marktstart noch vor Ende des Jahrzehnts. Der Schritt ist strategisch bedeutsam: Pick-ups machten 2025 fast 20 Prozent der US-Autoverkäufe aus, bei einem durchschnittlichen Listenpreis von knapp 70.000 Dollar.

Volkswagens Marktanteil in den USA liegt derzeit bei lediglich 4 Prozent. Eine mögliche Partnerschaft mit Ford auf Basis der MEB-Plattform, angelehnt an die Modelle Amarok und Ranger, steht im Raum. Der Umbau geht mit einem Führungswechsel einher: Nordamerika-Chef Kjell Gruner verlässt das Unternehmen, Nachfolger wird Marco Schubert, bislang Vertriebsleiter bei Audi.

Branchenweiter Margendruck verschärft die Lage

Volkswagen steht mit seinen Problemen nicht allein da. Der CAM-Report zum ersten Halbjahr 2026 zeigt, dass das durchschnittliche Ebit je verkauftem Auto bei 15 großen Herstellern von 1.409 auf 1.187 Euro gesunken ist.

Das Gesamt-Ebit der Branche fiel um 17,5 Prozent auf 35,6 Milliarden Euro, während der Umsatz nur um 1,4 Prozent nachgab. Studienleiter Stefan Bratzel nennt die auseinanderdriftende Entwicklung von Umsatz und Ergebnis ein "Alarmsignal". US-Zölle und der Preiswettbewerb aus China belasten demnach die gesamte Industrie zusätzlich.

Für Volkswagen bedeutet das: Der Konzernumbau mit Stellenabbau, möglichen Werksschließungen und einer riskanten US-Wette findet in einem Marktumfeld statt, das kaum Verschnaufpausen erlaubt. Die Kursentwicklung der vergangenen Woche, ein Minus von 2,11 Prozent auf Wochensicht, spiegelt die Unsicherheit der Anleger über den Ausgang dieses Umbaus wider.

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