Visa Aktie: Lizenz-Vorstufe in Peking
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 23:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach mehr als sechs Jahren Wartezeit bewegt sich Visa in China. Die chinesische Zentralbank PBOC hat den "Application-to-Prepare"-Antrag genehmigt. Damit darf der Zahlungsriese die formellen Vorbereitungen für eine inländische Bankkarten-Clearingstelle starten.
Was die Genehmigung bedeutet
Die Freigabe ging an Visa Information Technology (Beijing), die chinesische Tochtergesellschaft. Visa hat bis zu ein Jahr Zeit, die Vorbereitungen abzuschließen. Erst danach kann das Unternehmen eine vollwertige Betriebslizenz beantragen, um inländische Transaktionen selbst abzuwickeln.
Der Antrag liegt seit Mai 2020 bei der PBOC. Bisher lief das Geschäft über Umwege: Bei Kooperationskarten mit chinesischen Banken wickelt UnionPay die Zahlungen im Inland ab, Visa nur die Auslandsumsätze. CEO Ryan McInerney spricht von einem "bedeutenden Schritt" nach mehr als 40 Jahren Präsenz im Land.
Mastercard und American Express waren schneller. American Express erhielt seine Lizenz bereits 2020, das Mastercard-Gemeinschaftsunternehmen startete 2024 mit der Abwicklung. Visa muss also Boden gutmachen, in einem Markt, in dem Mobile Payment über WeChat und Alipay den Alltag dominiert.
Politischer Rückenwind
Der Zeitpunkt fällt auf. Im kommenden Monat treffen sich Donald Trump und Xi Jinping voraussichtlich beim APEC-Gipfel in Shenzhen. Ein Experte der Asia Group sieht darin den Versuch Pekings, vorab greifbare Fortschritte für US-Unternehmen zu zeigen.
McInerney pflegt enge Kontakte: Er reiste im Mai mit Trumps Wirtschaftsdelegation nach Peking und führt seit Juni den US-China Business Council. Trump hatte Visas Marktzugang nach eigener Aussage im Gespräch mit Peking angesprochen.
Aktie auf Rekordkurs
An der Börse kommt die Nachricht zur rechten Zeit. Die Aktie erreichte zuletzt ein neues 52-Wochen-Hoch bei 391,81 Dollar und legte vorbörslich weiter zu. Baird hob am Montag das Kursziel von 420 auf 430 Dollar an und bestätigte das Votum "Outperform". Die Analysten erwarten für das abgelaufene Quartal ein leichtes Plus bei Umsatz und Gewinn, rechnen aber mit einer Wachstumsverlangsamung bis ins Geschäftsjahr 2027.
Den nächsten Prüfstein liefert Visa am 27. Oktober mit den Zahlen zum vierten Geschäftsquartal. Ob China dort bereits in Zahlen oder nur im Ausblick auftaucht, dürfte sich dann erstmals abzeichnen. Konkrete Umsatzbeiträge aus dem Inlandsgeschäft sind frühestens nach Erteilung der Betriebslizenz zu erwarten.
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