VanEck Semiconductor ETF: Lam Research schießt 18 Prozent hoch
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 19:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Tag, ein Kurssprung von 18 Prozent bei einem einzelnen Chip-Ausrüster – das reicht, um einen ganzen Sektor neu zu bewerten. Der VanEck Semiconductor UCITS ETF springt am Freitag um 3,17 Prozent auf 91,52 Euro, nach einem Schlusskurs von 88,71 Euro am Vortag. Auslöser ist eine der schärfsten Kehrtwenden, die der Halbleitersektor in diesem Jahr gesehen hat.
Starke Quartalszahlen zünden die Rally
Der Umschwung kommt von überraschend guten Geschäftszahlen großer Tech- und Chip-Ausrüstungskonzerne. Microsoft und Lam Research legten starke Ergebnisse vor. Das reichte, um eine breite Kaufwelle bei zuvor stark abgestraften Halbleiterwerten auszulösen.
Lam Research selbst schoss um 18 Prozent nach oben – der beste Handelstag seit 1999. Grund waren starke Zahlen und eine optimistische Prognose zur Nachfrage durch Künstliche Intelligenz. Die Rally blieb nicht auf einen Namen beschränkt.
Applied Materials kletterte um 15 Prozent, Advanced Micro Devices um 13 Prozent. Intel gewann 11 Prozent, Marvell Technology 13 Prozent, Nvidia knapp 3 Prozent. Der Schwung hielt an: Intel-Aktien stiegen auf 92,67 Dollar, AMD auf 483,55 Dollar, Taiwan Semiconductor legte um 7 Prozent auf 399,36 Dollar zu.
Auch Speicherchip-Hersteller trugen zur Erholung bei. Samsung warnte, die Knappheit bei Speicherchips könnte bis 2028 anhalten. Micron und Sandisk reagierten mit Kurssprüngen von 18 beziehungsweise 26 Prozent.
Nach brutalem Ausverkauf bleibt die Lage fragil
Der Rebound folgt auf eine schmerzhafte Verkaufswelle der vergangenen Wochen. Hedgefonds und andere Großinvestoren dürften ihre Positionen in Tech-, Chip- und Speicherwerten weitgehend abgebaut haben, um Schulden zu reduzieren. Mehrere Marktteilnehmer bezeichneten den Ausverkauf als schmerzhaften, aber vorübergehenden Rückschlag auf einem längerfristigen Aufwärtstrend.
Das erklärt den scheinbaren Widerspruch in den Kursdaten. Trotz des kräftigen Tagesgewinns steht der ETF auf Sicht von 30 Tagen weiterhin 11,54 Prozent im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 111,18 Euro, erreicht am 30. Juni 2026, trennen den Fonds noch 17,68 Prozent.
Konzentration auf wenige Namen verstärkt Ausschläge
Der Fonds bildet den MarketVector US Listed Semiconductor 10% Capped Screened Index nach. Dieser Index bündelt die 25 größten und liquidesten US-notierten Halbleiterunternehmen, gedeckelt auf maximal 10 Prozent Gewichtung pro Titel.
Aufgenommen werden nur Firmen, die mindestens die Hälfte ihres Umsatzes mit Halbleitern oder zugehöriger Ausrüstung erzielen. Diese Struktur bündelt das Engagement in den größten US-Chipdesignern, Foundries und Ausrüstungsherstellern. Das erklärt, warum einzelne Quartalsergebnisse von Lam Research, Intel oder AMD den ETF so stark bewegen. Die Kappungsgrenze begrenzt zwar das Klumpenrisiko bei Schwergewichten wie Nvidia, verschafft dem Fonds aber gleichzeitig eine breitere Streuung als ein reiner Marktkapitalisierungs-Index.
Sektor bleibt gespalten über die Nachhaltigkeit
Trotz der kräftigen Erholung sind sich Marktbeobachter uneinig, ob es sich um eine dauerhafte Wende oder nur eine kurze Verschnaufpause handelt. Offen bleibt, ob die Käufer, die jetzt bei Intel, AMD und Taiwan Semiconductor einsteigen, eine echte Erholung reiten – oder sich auf den nächsten schmerzhaften Rückschlag einstellen.
Der RSI-Wert von 46,4 signalisiert derzeit neutrales Terrain, ohne klare Richtung. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 61,84 Prozent dürften die kommenden Handelstage weiterhin empfindlich auf neue Quartalszahlen und Nachfragesignale der größten Indexmitglieder reagieren.
Der Fonds notiert trotz des jüngsten Rebounds noch unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 98,05 Euro. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 71,80 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, wie stark der KI-getriebene Chipzyklus die Renditen in diesem Sektor bislang geprägt hat.
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