Upwork Aktie: Prognose gekappt, Kurs bricht ein
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 00:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Rekordwert bei der Kundenqualität, solide Profitabilität – und trotzdem ein Kurseinbruch von mehr als 20 Prozent im nachbörslichen Handel. Upwork zeigt mit den Zahlen zum zweiten Quartal, wie stark der Wandel vom klassischen Freelancer-Marktplatz zur KI-Plattform die Erwartungen der Anleger belastet.
Zahlen übertreffen Schätzungen, Ausblick enttäuscht
Der Umsatz sank im zweiten Quartal um 2 Prozent auf 191,7 Millionen Dollar, das gehandelte Bruttovolumen (GSV) ging um 4 Prozent auf 966,4 Millionen Dollar zurück. Das bereinigte Ergebnis je Aktie von 0,41 Dollar lag klar über der Konsensschätzung von 0,34 Dollar. Die Marge beim bereinigten EBITDA kletterte auf 33,4 Prozent, verglichen mit 29 Prozent im Vorjahr.
Der eigentliche Auslöser für den Kursrutsch liegt jedoch im Ausblick. Das Management senkte die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf eine Spanne von 730 bis 750 Millionen Dollar und stellte für das dritte Quartal Erlöse zwischen 176 und 184 Millionen Dollar in Aussicht — unter den bisherigen Erwartungen. CEO Hayden Brown nannte als Gründe ein schnelleres Tempo bei der KI-Automatisierung, einen schwächeren Arbeitsmarkt und eine anhaltende Verschlechterung bei der Google-Suchmaschinenoptimierung.
KI verändert das Geschäftsmodell von innen
Während einfache, geringwertige Aufträge zunehmend durch Automatisierung wegfallen, wächst das KI-bezogene Geschäft kräftig. Das GSV aus KI-Arbeit stieg um mehr als 22 Prozent, bei KI-Strategie- und Beratungsleistungen sogar um über 50 Prozent. Im Quartal startete Upwork einen sogenannten Model-Context-Protocol-Server, der die Plattform direkt mit Tools wie Claude, ChatGPT und Cursor verknüpft — Nutzer können darüber Aufträge posten oder Freelancer finden, ohne die gewohnte Arbeitsumgebung zu verlassen.
Auch das Premiumsegment Business Plus, gedacht für größere kleine und mittlere Unternehmen mit komplexeren Anforderungen, entwickelt sich deutlich dynamischer als das klassische Marktplatzgeschäft. Das GSV in diesem Bereich legte um 174 Prozent im Jahresvergleich zu, die Zahl aktiver Kunden wuchs um 219 Prozent.
Die Gesamtzahl aktiver Kunden auf der Plattform sank dagegen um 4 Prozent auf 763.000. Gleichzeitig erreichte das GSV pro aktivem Kunden mit 5.230 Dollar einen Rekordwert — das achte Quartal in Folge mit sequenziellem Wachstum bei dieser Kennzahl. Für das Unternehmen ein Beleg dafür, dass sich der Fokus erfolgreich auf wertvollere Kundenbeziehungen verschiebt, auch wenn die Breite des Geschäfts schrumpft.
Mehr Marketing als Gegenmittel
Upwork plant, die Marketingausgaben in der zweiten Jahreshälfte um 5 bis 10 Millionen Dollar zu erhöhen, um den Rückgang organischer Zugriffe durch veränderte Suchmaschinen-Algorithmen auszugleichen. Getestet werden unter anderem internationale Suchmaschinenwerbung sowie Kampagnen auf Meta, Reddit und Connected TV.
Für das Gesamtjahr rechnet das Management weiterhin mit einem bereinigten EBITDA zwischen 225 und 235 Millionen Dollar und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 1,38 bis 1,43 Dollar. Die Diskrepanz zwischen dieser robusten Profitabilität und der scharfen Marktreaktion zeigt, wie stark Anleger derzeit auf das Umsatzwachstum schauen — und wie unsicher sie einschätzen, wie lange die Übergangsphase zwischen schrumpfendem Kerngeschäft und wachsendem KI-Segment noch dauert.
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