Unicredit Aktie: Orcel drückt aufs Tempo
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 18:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei der Commerzbank-Übernahme wird es konkret. Unicredit-Chef Andrea Orcel will die Kontrolle über die deutsche Bank offenbar deutlich früher erlangen als bisher angenommen — und plant dafür einen kompletten Umbau der Führungsebene.
Einem Pressebericht der "Financial Times" zufolge will Orcel alle zehn Aufsichtsratsmitglieder der Anteilseigner austauschen und Vorstandschefin Bettina Orlopp absetzen. Der Weg dorthin soll über eine außerordentliche Hauptversammlung führen, die nach Erhalt aller behördlichen Freigaben einberufen wird.
Im Idealfall könnte Unicredit die Kontrolle bereits im Januar übernehmen, im Grundszenario bis Ende Februar — deutlich früher als das bislang kommunizierte zweite Quartal 2027.
Bund als Streitpunkt
Ein weiterer Reibungspunkt betrifft die Bundesregierung. Sie hält als zweitgrößter Aktionär einen Anteil von gut 13 Prozent an der Commerzbank und pocht auf zwei Sitze im künftigen Aufsichtsrat. Orcel will dieser Forderung laut dem Bericht eine Absage erteilen. Weder Unicredit noch die Commerzbank äußerten sich offiziell zu den Informationen.
Die Ausgangslage begünstigt Orcels Position: Unicredit hat sich inklusive Kaufoptionen bereits Zugriff auf fast 50 Prozent der Commerzbank-Anteile gesichert. Der Einstieg erfolgte im September 2024 über einen Aktienverkauf des Bundes. Commerzbank-Chefin Orlopp hatte selbst eingeräumt, dass ihr Haus faktisch bereits "einen Kontrollaktionär" habe, und im vierten Quartal mit den ausstehenden Genehmigungen der Aufseher gerechnet.
Bei der Commerzbank sorgt vor allem die Kostenseite für Unruhe. Unicredit sieht in der Übernahme Potenzial für Milliardeneinsparungen und den Abbau Tausender Stellen, zudem soll das Auslandsnetz der deutschen Bank beschnitten werden. In Frankfurt kursiert zudem die Sorge, dass die Commerzbank mit der bereits von Unicredit übernommenen Hypovereinsbank verschmolzen werden könnte — mit München als möglichem neuen Hauptsitz statt Frankfurt.
Der beschleunigte Zeitplan macht deutlich, wie sehr Orcel die Kontrolle über die Commerzbank forcieren will. Ob die Bundesregierung ihre Forderung nach Aufsichtsratssitzen tatsächlich fallen lässt, dürfte sich in den kommenden Wochen bei den ausstehenden Genehmigungsverfahren zeigen.
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