Unicredit Aktie: EZB prüft fast 50 Prozent
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 20:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
UniCredit steht offenbar kurz vor der entscheidenden regulatorischen Freigabe für die Übernahme der Commerzbank. Einem internen Dokument zufolge, das dem Aufsichtsgremium der Europäischen Zentralbank vorgelegt wurde, neigt die Notenbank dazu, der italienischen Großbank die Aufstockung ihres Anteils auf knapp unter 50 Prozent zu genehmigen. Das berichtete Reuters am Mittwoch.
Der Aktienkurs von UniCredit notiert bei 85,34 Euro und liegt damit nur knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch von 85,96 Euro, das erst kürzlich erreicht wurde. Der Markt hat die fortschreitende Konsolidierung der Commerzbank-Transaktion damit weitgehend eingepreist.
Gespräche über operative Details laufen bereits
Während die formale EZB-Entscheidung noch aussteht, haben beide Institute die Zusammenarbeit bereits konkretisiert. UniCredit-Vorstandschef Andrea Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp telefonierten am vergangenen Montag über die praktischen Folgen einer Konsolidierung, sollte die EZB die Commerzbank künftig als Tochtergesellschaft der Italiener behandeln. Im Fokus standen laut Bloomberg bilanzielle, rechtliche und risikotechnische Fragen.
Bereits Anfang August hatte die Commerzbank offiziell Fusionsverhandlungen mit UniCredit aufgenommen – ausgerechnet an dem Morgen, an dem sie einen Gewinnsprung von 94 Prozent im zweiten Quartal meldete. Orlopp begründete den Schritt mit dem "genuinen Interesse" beider Häuser.
Zuvor hatte die deutsche Finanzaufsicht BaFin bereits Ende Juli bestätigt, dass UniCredits Antrag auf eine Beteiligung von mehr als 30 Prozent vollständig sei, und den Fall an die EZB zur endgültigen Prüfung weitergeleitet. Orcel selbst nennt weiterhin das vierte Quartal 2026 als Zielmarke für den Abschluss der Übernahme – mit dem Zusatz "vielleicht auch später".
Rekordgewinne stützen die Übernahmefantasie
Die Verhandlungsposition von UniCredit wird durch die operative Stärke des Konzerns untermauert. Ende Juli meldete die Bank für das zweite Quartal einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro, für das erste Halbjahr waren es 6,3 Milliarden Euro – ein Anstieg von 24 Prozent im Jahresvergleich auf bereinigter Basis. Es war das 22. Rekordquartal in Folge, das beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte. Das Management hob daraufhin die Gewinnprognose für 2026 auf rund 11,5 Milliarden Euro an, ohne Integrationskosten gerechnet.
Auch die Kapitalausstattung verbesserte sich: Die harte Kernkapitalquote (CET1) stieg auf 14,3 Prozent beziehungsweise 14,5 Prozent ohne Berücksichtigung des Commerzbank-Effekts. Bis Jahresende peilt das Management rund 15 Prozent an.
Die Ratingagentur Moody's reagierte bereits Ende Juli und stellte die eigenständige Bonitätsbewertung von UniCredit wegen des Commerzbank-Angebots auf Beobachtung für eine mögliche Anhebung – von "baa2" auf "baa1", sofern alle nötigen Genehmigungen erteilt werden.
Technologiepartnerschaft flankiert die Transformation
Parallel zur Bankenfusion treibt UniCredit den technologischen Umbau voran. Ende Juli kündigte Accenture an, IBMs Mehrheitsbeteiligung an V-TServices zu übernehmen, dem seit einem Jahrzehnt bestehenden Technologie-Gemeinschaftsunternehmen mit UniCredit.
IBM wiederum soll künftig als Plattformlieferant fungieren und der Bank in einem mehrjährigen Programm helfen, ihre Systeme und Betriebsmodelle zu modernisieren – ein Baustein, der die von UniCredit gemeldeten Kosteneinsparungen von rund 2 Prozent im zweiten Quartal stützen soll.
Für Anleger bleibt die Gemengelage klar: Solange die EZB ihre formale Entscheidung nicht verkündet hat, bleibt Unsicherheit über den genauen Zeitplan der Vollkonsolidierung. Die operative Ertragskraft von UniCredit und die zunehmend kooperative Haltung der Commerzbank-Führung sprechen jedoch dafür, dass der Konzern seinem Ziel einer beherrschenden Beteiligung näherkommt.
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