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Tomra Systems Aktie: Frankreich verwirft Pfandsystem

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 14:58 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Frankreich verwirft ein verpflichtendes Pfandmodell, worauf Tomras Aktie nachgibt. Spanien plant dagegen eine Einführung bis November 2026.

Tomra-Aktie fällt nach Frankreichs Absage an Pfandsystem
Abstrakte Darstellung einer modernen Recyclinganlage mit Fokus auf Kreislaufwirtschaft und industrielle Ästhetik. Illustration mit AI erstellt.

Die Aktien des norwegischen Recycling-Spezialisten Tomra Systems verzeichnen am heutigen Montag deutliche Kursverluste. Auslöser ist eine Richtungsentscheidung der französischen Regierung, die Pläne für ein landesweites verpflichtendes Pfandsystem (Deposit Return Scheme, DRS) für Kunststoffflaschen vorerst verworfen hat. Damit fällt für den Weltmarktführer bei Leergutrücknahmesystemen vorerst ein wesentlicher Wachstumstreiber in einem der größten europäischen Märkte weg.

Überraschende Absage aus Paris belastet den Kurs

Nach einer dreimonatigen Konsultationsphase mit Kommunen, Getränkeherstellern und Recyclingunternehmen hat sich das französische Umweltministerium gegen eine verpflichtende Konsignation ausgesprochen. Medienberichten zufolge setzt Paris stattdessen auf die Förderung freiwilliger Sammelprogramme in den einzelnen Gemeinden.

Die Entscheidung ist ein Rückschlag für die Branche, da Frankreich bei den Recyclingquoten aktuell hinterherhinkt: Während der EU-Schnitt deutlich höher liegt, erreichte Frankreich im Jahr 2024 lediglich eine Recyclingquote von 25,7 Prozent bei Kunststoffen und 58,3 Prozent bei Flaschen.

Die Reaktion am Kapitalmarkt folgte unmittelbar. Das Papier notiert aktuell bei 9,03 € und verliert damit 7,8 % an Wert. Durch diesen Rücksetzer vergrößert sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 13,41 € auf nunmehr -33 %. Auch der Hauptaktionär Investment AB Latour geriet im Zuge der Nachrichten unter Verkaufsdruck.

Analysten sehen EU-Ziele ohne Pfandsystem gefährdet

Experten der Investmentbank Pareto Securities äußerten sich skeptisch über die Erfolgsaussichten der französischen Strategie. Ohne ein verpflichtendes Pfandsystem sei das EU-Ziel einer Sammelquote von 90 Prozent kaum erreichbar, da die aktuelle Quote bei lediglich rund 50 Prozent stagniere.

Die Analysten bezifferten das entgangene Potenzial für die Tomra-Aktie auf etwa 6 bis 7 Norwegische Kronen pro Anteilsschein, sofern das Unternehmen einen Marktanteil von 50 Prozent in Frankreich erreicht hätte.

Der Marktkonsens hatte zwar ohnehin keinen nennenswerten Ergebnisbeitrag aus Frankreich vor den Jahren 2029 bis 2030 erwartet, doch die grundsätzliche Absage dämpft die langfristigen Wachstumshoffnungen erheblich.

Parallel zu den Entwicklungen in Frankreich schreitet die Regulierung auf EU-Ebene voran. Die neue Verpackungsverordnung (PPWR) sieht ab 2030 unter anderem ein Verbot von Einweg-Plastikverpackungen für Obst und Gemüse unter 1,5 Kilogramm vor. Zudem müssen ab diesem Zeitpunkt mindestens 10 Prozent der Getränke in Mehrwegverpackungen angeboten werden.

Kontrastprogramm in Spanien und Ausbau in Norwegen

Während Frankreich bremst, setzt Spanien auf eine gegenteilige Strategie. Dort ist geplant, bis November 2026 ein Pfandsystem von 0,10 € auf Getränkebehälter bis zu drei Litern einzuführen. Diese Maßnahme umfasst Plastikflaschen, Dosen und Getränkekartons und soll die Sammelquote erhöhen, die 2023 mit 42,3 Prozent deutlich unter dem EU-Ziel von 70 Prozent lag.

Ungeachtet der politischen Hürden in Mitteleuropa treibt Tomra den Ausbau der Infrastruktur in seinem Heimatmarkt voran. Das Unternehmen erweiterte jüngst die Kunststoff-Recyclingkette in Norwegen über das Joint Venture Områ, an dem Tomra 65 Prozent der Anteile hält.

Die dortige Anlage kann jährlich bis zu 90.000 Tonnen Material verarbeiten und nutzt 33 moderne NIR-Sortierer, um Kunststoffe in zehn verschiedene Fraktionen wie PET, HDPE und Polypropylen zu trennen. Solche industriellen Großprojekte unterstreichen die technologische Stellung des Konzerns, auch wenn politische Entscheidungen wie in Frankreich die kurzfristige Expansion in neue Märkte bremsen.

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