TKMS, Aktie

TKMS Aktie: 6,3 Milliarden für vier MEKO-Fregatten

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 20:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die israelische Marine übernimmt die INS Drakon von TKMS. Der Rüstungskonzern profitiert zudem vom Stopp des F126-Projekts, während die Aktie deutlich zulegt.

TKMS liefert letztes Dolphin-U-Boot an Israel aus
Moderne Fregatte auf stürmischer See bei Dämmerung, symbolisiert den Verteidigungssektor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die israelische Marine hat am 22. Juli das letzte U-Boot der Dolphin-Klasse übernommen. Die INS Drakon wurde bei TKMS in Kiel gebaut und markiert den Abschluss eines Bauprogramms, das 14 Jahre in Anspruch nahm. Ursprünglich sollte das Boot Dakar heißen, nach Protesten von Angehörigen erhielt es jedoch den Namen Drakon.

U-Boot-Übergabe an Israel abgeschlossen

Das Boot gilt als teuerstes U-Boot, das jemals für die israelische Marine gebaut wurde. Die Kosten belaufen sich auf rund 550 Millionen Euro. Mit einer Verdrängung von 2.400 bis 3.000 Tonnen, zehn Torpedorohren unterschiedlichen Kalibers und einer Geschwindigkeit von über 25 Knoten zählt die Drakon zu den fortschrittlichsten konventionellen U-Booten ihrer Klasse. Berichten zufolge verfügt das Boot über einen verlängerten Rumpf mit ungewöhnlich großen Aufbauten, die möglicherweise Startzellen für Marschflugkörper verbergen – eine Vermutung, die unbestätigt bleibt. Russland hatte die Bauphase 2024 mit zwei Aufklärungsschiffen beobachtet. Die Drakon ist Teil eines 2022 geschlossenen Vertrags über rund drei Milliarden Euro, der neben diesem Boot drei weitere U-Boote der Dakar-Klasse umfasst, die ab 2031 folgen sollen. Deutschland trägt nach übereinstimmenden Berichten etwa ein Fünftel der Gesamtkosten.

Rheinmetalls Fregatten-Rückzug öffnet Tür für TKMS

Parallel dazu sorgt eine Entscheidung aus Berlin für Bewegung im deutschen Marinegeschäft. Rheinmetall hat am Donnerstag seine Umsatzprognose für 2026 um bis zu 300 Millionen Euro auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro gesenkt, nachdem das Verteidigungsministerium das Fregattenprojekt F126 wegen einer Kostenexplosion auf fast 18 Milliarden Euro gestoppt hatte. Als Ersatz wählte das Ministerium die kleinere MEKO A-200-Variante von TKMS. Der Haushaltsausschuss des Bundestags billigte am 8. Juli die Finanzierung von 6,3 Milliarden Euro für vier Schiffe, mit einer Option auf vier weitere – eine endgültige Vertragsunterzeichnung mit TKMS steht nach den vorliegenden Angaben allerdings noch aus. Der erste Stahlschnitt für die MEKO A-200 DEU erfolgte bereits im Februar in Bremerhaven, die Kiellegung im Mai. Die Übergabe des ersten Schiffs ist für Dezember 2029 vorgesehen. Die Fregatten sollen 121 Meter lang werden, rund 4.000 Tonnen verdrängen und mit Bug- und Schleppsonar, MU90-Torpedos sowie Flugabwehrsystemen ausgerüstet sein.

Für Anleger verschiebt dieser Vorgang die Kräfteverhältnisse in der deutschen Marinerüstung. Während Rheinmetall bei seiner Marinesparte im ersten Halbjahr einen Verlust von 18 Millionen Euro verbuchte und die Werft-Tochter NVL nach eigenen Angaben ab Mitte 2027 neue Aufträge braucht, rückt TKMS als etablierter Anbieter näher an das milliardenschwere Ersatzprogramm heran. Rheinmetall-Chef Armin Papperger führt zudem Gespräche mit TKMS über eine mögliche Beteiligung an einem künftigen Fregattenprojekt namens F128 und bietet parallel eine eigens entwickelte Fregatte namens GMF140 international an – ein Hinweis darauf, dass der Wettbewerb um künftige Marineaufträge in Bewegung bleibt.

Kurs reagiert auf Nachrichtenlage

Die Börse honoriert die veränderte Auftragslage. Die TKMS-Aktie notiert aktuell bei 90,30 Euro und legt am heutigen Handelstag um 2,27 Prozent zu. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Kursgewinn auf 11,76 Prozent – ein Zeitraum, der die Rheinmetall-Prognosesenkung und die damit verbundene Aufwertung von TKMS als Ersatzlieferant für das F126-Projekt einschließt.

Baustellen bei der Werft in Wismar

Nicht alle Nachrichten rund um TKMS sind positiv. An der Werft in Wismar bangen rund 50 Werkfeuerwehrleute um ihre Zukunft, weil der Vertrag mit dem bisherigen Dienstleister Kötter Fire & Service zum 1. Oktober endet. Der designierte neue Betreiber VSU Brandschutz verlangt eine B1-Ausbildung, über die viele der Beschäftigten nicht verfügen. Die Feuerwehrleute fordern einen runden Tisch mit TKMS, Kötter und VSU, um eine Lösung zu finden – ein personalpolitisches Problem, das operativ zwar begrenzt bleibt, aber zeigt, dass der Rüstungsboom nicht ohne Reibung an den Standorten verläuft.

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