Tilray Aktie: 12,5-Prozent-Rally bei tiefer Analystenuneigung
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 01:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Tilray Brands legt in dieser Woche kräftig zu. Die Aktie des Cannabis- und Getränkekonzerns notiert bei 6,39 CAD und hat binnen sieben Tagen 12,50 Prozent gewonnen. Trotzdem bleiben die Analystenlager tief gespalten, seit Tilray seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 vorgelegt hat.
Zwei Lager, zwei Kursziele
Derek Lessard von TD Cowen bekräftigt seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 5 US-Dollar. Frederico Gomes von ATB und Aaron Grey von Alliance Global bleiben dagegen bei "Hold" – mit Kurszielen von 8 beziehungsweise 5 US-Dollar. Die Spanne zeigt: Die Wall Street ist sich uneinig, wie sie Tilrays Umbau vom reinen Cannabis-Anbieter zum diversifizierten Konzern mit Getränken, Hospitality und Wellness-Produkten bewerten soll.
Rekordumsatz trifft auf roten Boden
Das bereinigte EBITDA und der Umsatz legten im Geschäftsjahr 2026 jeweils um rund 11 Prozent zu. Der Nettoverlust nach GAAP sank auf 105,2 Millionen US-Dollar. Der Vergleich fällt allerdings leicht: Im Vorjahr belasteten Wertminderungen von 2,1 Milliarden US-Dollar die Bilanz, in diesem Jahr fehlten solche Sonderposten komplett.
Der Cash-Verbrauch bleibt das eigentliche Problem. Der operative Cashflow lag bei minus 69,1 Millionen US-Dollar, der freie Cashflow bei minus 98,6 Millionen US-Dollar. Bereinigt um Sonderfaktoren steht immer noch ein Minus von 86,0 Millionen US-Dollar zu Buche.
Die Bilanz gibt zumindest etwas Entwarnung. Ende Mai verfügte Tilray über rund 235 Millionen US-Dollar an Cash, gesperrten Mitteln und Wertpapieren. Die Nettoverschuldung nach eigener Definition liegt bei nur 0,7 Millionen US-Dollar. Schuldenfrei ist der Konzern trotzdem nicht: Die Bilanz weist Verbindlichkeiten von rund 227 Millionen US-Dollar aus, dazu kommen Leasingverpflichtungen von 171,5 Millionen US-Dollar.
Ausblick auf 2027
Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet Tilray ein bereinigtes EBITDA zwischen 68 und 75 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 11 bis 23 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Der Umsatz soll die Marke von 1 Milliarde US-Dollar übersteigen, eine konkrete Bandbreite nennt das Management dafür nicht.
CEO Irwin Simon formuliert die Strategie bewusst breit: "Das nächste Kapitel für Tilray wird nicht von einem Produkt, einem Markt oder einem regulatorischen Ereignis bestimmt."
Verwässerung bleibt das Reizthema
Während die Aktie steigt, wächst gleichzeitig die Zahl der Aktien im Umlauf. Die gewichtete durchschnittliche Aktienzahl kletterte im Geschäftsjahr 2026 um 26 Prozent auf 111,8 Millionen. Allein im vierten Quartal stieg sie um 18 Prozent auf 115,5 Millionen Stück. Grund dafür: Tilray hatte Aktienkapital im Umfang von 158,0 Millionen US-Dollar netto ausgegeben.
Das im April gestartete Aktienverkaufsprogramm erlaubt weitere Emissionen von bis zu 180 Millionen US-Dollar. Bis zum 28. Juli hatte Tilray daraus bereits 87 Millionen US-Dollar brutto eingesammelt, zu einem Durchschnittspreis von 6,77 US-Dollar je Aktie.
Kritische Stimmen am Markt bleiben skeptisch. Eine Analyse vom Dienstag brachte es auf den Punkt: Es gebe "keinen überzeugenden Grund zu glauben, dass sich die Lage verbessert". Die Situation sei "die gleiche alte Geschichte wie in den Vorjahren" – Anleger zeigten sich von der kostspieligen Wachstumsstrategie wenig beeindruckt. Der Konzern "verbrennt weiterhin enorme Mengen an Cash", hieß es weiter, mit 69 Millionen US-Dollar für das operative Geschäft und weiteren 56 Millionen US-Dollar für Investitionen in den vergangenen zwölf Monaten.
Sektor-Rückenwind als Kurstreiber
Der jüngste Kursanstieg fällt in eine Phase allgemeiner Erholung im Cannabis-Sektor. Am Vortag war die Aktie bereits um 7,64 Prozent auf 6,34 CAD gesprungen. Marktbeobachter werten das als Teil einer breiteren Sektorrally, befeuert auch durch Schlagzeilen um Wettbewerber wie Vireo Growth, das zuletzt mit größeren Übernahmen auffiel.
Der Rekordumsatz und die schrumpfenden Verluste liefern Tilray-Investoren durchaus Argumente. Die anhaltende Skepsis der Analysten und das laufende Aktienverkaufsprogramm zeigen aber: Die Bewertungsfrage bleibt offen, während Tilray ins neue Geschäftsjahr startet.
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