Thyssenkrupp Nucera: Auftragseingang verdoppelt trotz SOEC-Rückzug
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 22:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Thyssenkrupp Nucera zeigt sich derzeit ein zwiespältiges Bild. Die Wasserstoff-Tochter des Essener Konzerns hat ihre Pläne für die Massenfertigung von SOEC-Stacks aufgegeben und muss deshalb ein Impairment von rund 30 Millionen Euro im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 verbuchen.
Die EBIT-Guidance für das Gesamtjahr verschärfte sich dadurch auf minus 105 bis minus 75 Millionen Euro, nachdem zuvor eine Spanne von minus 80 bis minus 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden war.
Parallel dazu meldete Nucera jedoch einen kräftigen Fortschritt beim operativen Geschäft: Der Auftragseingang hat sich verdoppelt. Das Unternehmen verfolgt derzeit Projekte mit einem Volumen von rund 14 Gigawatt und einem geschätzten Kontraktwert von 7 Milliarden Euro.
Zusätzlich beobachtet Nucera eine breitere Projektpipeline von 57 Gigawatt mit einem Wert von etwa 29 Milliarden Euro. Die Technologieentscheidung zugunsten der etablierten Elektrolyse-Verfahren scheint sich damit kommerziell auszuzahlen, auch wenn der Rückzug aus der SOEC-Fertigung kurzfristig auf der Ergebnisrechnung lastet.
Citigroup sieht Nachholbedarf bei der Bewertung
Am 21. August hob Citigroup-Analyst Ephrem Ravi das Kursziel für Thyssenkrupp deutlich auf 20 Euro an und bestätigte das Buy-Rating. Er begründete seine Einschätzung damit, dass der Essener Konzern reich an Kurstreibern und reich an Finanzmitteln sei und die Bewertung der Aktie noch Nachholbedarf habe. Diese Einschätzung reiht sich in eine Serie von Aufwertungen ein, die den Kurs in den vergangenen Wochen bereits deutlich nach oben getrieben hatte.
Konzernumbau schreitet voran
Neben dem Nucera-Geschäft treibt Thyssenkrupp die Neuausrichtung des Konzerns weiter voran. Anfang August billigten die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Abspaltung der Sparte tk accelis. Die Notierung an der Frankfurter Börse ist bis Jahresende 2026 geplant, Thyssenkrupp will dabei die Mehrheitsbeteiligung behalten.
Die operative Entwicklung der künftig eigenständigen Einheit stimmt zuversichtlich: Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 erzielte tk accelis einen Umsatz von 3,2 Milliarden Euro, ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während das bereinigte EBIT um 179 Prozent auf 81 Millionen Euro zulegte.
Kursreaktion am heutigen Handelstag
Am heutigen Montag gibt die Thyssenkrupp-Aktie um 1,7 Prozent nach und notiert bei 14,41 Euro, nachdem sie am Freitag noch bei 14,67 Euro geschlossen hatte.
Der Rücksetzer relativiert sich jedoch vor dem Hintergrund der starken Entwicklung der vergangenen Wochen: Binnen 30 Tagen hat das Papier um 20 Prozent zugelegt. Zum 52-Wochen-Hoch von 15,18 Euro, das erst kürzlich erreicht wurde, fehlen der Aktie derzeit noch 5,0 Prozent.
Für Anleger bleibt die Gemengelage bei Thyssenkrupp komplex: Während der Konzernumbau mit dem tk-accelis-Spin-off und den Nucera-Auftragserfolgen strukturell Fahrt aufnimmt, zeigt die verschärfte Wasserstoff-Guidance, dass der Weg zur Profitabilität in Zukunftstechnologien nicht geradlinig verläuft. Analysten wie Citigroup sehen darin dennoch mehr Chance als Risiko für die Bewertung des Gesamtkonzerns.
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