Thyssenkrupp, Aktie

Thyssenkrupp Aktie: Umbau trägt erste Früchte

Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 15:28 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Thyssenkrupp steigert operatives Ergebnis und kehrt in die Gewinnzone zurück, verfehlt aber Analystenerwartungen. Die Prognose wurde angehoben.

Thyssenkrupp: Quartalszahlen zeigen Fortschritte beim Konzernumbau
Moderne Industrieanlage bei Sonnenaufgang als Symbol für industriellen Wandel und Fortschritt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Konzernumbau dieser Größenordnung lebt von Beweisen, dass er funktioniert. Thyssenkrupp liefert im dritten Quartal genau das – auch wenn nicht jede Zahl die Erwartungen erfüllt.

Der Essener Industriekonzern steigerte das bereinigte operative Ergebnis in den drei Monaten bis Ende Juni um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt mit 207 Millionen Euro gerechnet – die Verbesserung fiel also schwächer aus als erhofft. Der Umsatz kletterte dagegen um acht Prozent auf rund 8,8 Milliarden Euro, getragen von steigenden Mengen und Preisen im Materialhandel.

Unter dem Strich schaffte Thyssenkrupp den Sprung zurück in die Gewinnzone: 34 Millionen Euro Überschuss standen einem Verlust von 255 Millionen Euro im Vorjahresquartal gegenüber. Ein Großteil davon geht auf einen bilanziellen Sondereffekt von 131 Millionen Euro aus dem Verkauf der HKM-Anteile an Salzgitter zurück, der Anfang Juli abgeschlossen wurde. Finanzvorstand Axel Hamann kündigte an, dass derselbe Deal das vierte Quartal mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag belasten dürfte.

Stahl, Marine und Materialhandel als Stützen

Rückenwind kam vor allem aus drei Sparten: Die Stahlsparte profitierte vom laufenden Effizienzprogramm, der Marineschiffbauer TKMS lieferte höhere Gewinnbeiträge, und auch das vor der Abspaltung stehende Materialhandelsgeschäft TK Accelis legte zu. Schwächer entwickelte sich der Automotive-Bereich.

Konzernchef Miguel López sprach von zunehmender operativer Stärke und strategischer Klarheit. Der Umbau zur reinen Finanzholding nimmt tatsächlich Konturen an: Die Aktionäre haben der Abspaltung von TK Accelis vergangene Woche zugestimmt, die Börsennotierung soll voraussichtlich Ende Oktober erfolgen. Bei der Stahlsparte Steel Europe, für die ein Verkauf an die indische Jindal Steel gescheitert war, ist der Kurs auf Verselbstständigung mit angestrebtem Minderheitsanteil klar – ein konkreter Zeitplan fehlt laut Hamann aber noch. Ende September ist immerhin ein Kapitalmarkttag für die Sparte angesetzt.

Prognose angehoben, aber unter Konsens

Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Thyssenkrupp optimistischer und hob die Untergrenze der Ebit-Prognose um 100 Millionen Euro an. Die neue Spanne liegt bei 600 bis 900 Millionen Euro, der erwartete Konzernverlust sinkt auf maximal 700 Millionen Euro. Analysten rechnen im Schnitt bereits mit 833 Millionen Euro operativem Ergebnis – die angehobene Untergrenze bleibt also vorsichtiger als der Marktkonsens. Beim Umsatz erwartet der Konzern im besten Fall nur noch ein Minus von einem Prozent statt zuvor des Vorjahresniveaus.

Die Aktie reagierte am Vormittag mit einem moderaten Plus von knapp einem Prozent auf rund 12,60 Euro. Der nächste konkrete Prüfstein für die Umbaugeschichte folgt im September mit dem Kapitalmarkttag von Steel Europe.

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