Thyssenkrupp, Aktie

Thyssenkrupp Aktie: Umbau schafft neue Fantasie

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 11:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Thyssenkrupp profitiert von der Neuaufstellung: Höchster Aktienstand seit 2018, starke Quartalszahlen und ein möglicher Einstieg bei der Stahlsparte treiben die Bewertung.

Thyssenkrupp-Aktie: Konzernumbau und Rüstungsgeschäft beflügeln Kurs
Abstrakte Darstellung einer modernen Industrieanlage mit Fokus auf strukturellen Wandel und technische Erneuerung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Thyssenkrupp notiert auf dem höchsten Stand seit 2018. Was den Kurs treibt, ist längst nicht mehr nur eine Zahl im Quartalsbericht — es ist der komplette Umbau eines Konzerns, der jahrzehntelang als schwerfälliges Konglomerat galt.

Vom Mischkonzern zum Portfolio aus Einzelwetten

Die Marinesparte TKMS ist bereits an der Börse. Der Werkstoffhandel soll folgen, die Stahlsparte soll eigenständig werden, und selbst die verbliebene Beteiligung am früheren Aufzugsgeschäft könnte zusätzlichen Wert freisetzen. Für die Bewertung der Aktie bedeutet das einen fundamentalen Wandel: Statt eines pauschalen Konglomeratsabschlags bepreist der Markt zunehmend die Summe der Einzelteile.

Konkreten Schub liefert dabei der mögliche Einstieg des indischen Unternehmers Naveen Jindal, der ein Angebot für 60 Prozent der Stahlsparte Steel Europe vorgelegt hat. Die Prüfung läuft bis Jahresende, ein Abschluss wäre frühestens Anfang 2027 möglich. Für die seit Jahren gesuchte Lösung des schwächelnden Stahlgeschäfts wäre das ein wichtiger Schritt.

Auch operativ passt das Bild: Der Umsatz wuchs im dritten Quartal um 8 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis legte um 18 Prozent zu. Ein Buchgewinn aus dem Verkauf der Anteile an den Hüttenwerken Krupp Mannesmann half zusätzlich, unter dem Strich stand wieder ein kleiner Gewinn. Der Konzern hat seine Jahresprognose daraufhin angehoben.

Rüstung als Wachstumstreiber, China als Belastung für Wettbewerber

TKMS rechnet inzwischen mit einem Umsatzplus von 10 bis 12 Prozent statt der zuvor erwarteten 2 bis 5 Prozent — die Nachfrage nach Rüstungsgütern zieht an, ein Milliardendeal über sechs U-Boote für die indische Marine steht kurz vor der Genehmigung. Die Wasserstofftochter Nucera bleibt dagegen eine Baustelle im sonst positiven Konzernbild.

Rückenwind kommt zudem von außen: Europäische Stahlwerte profitierten zuletzt vom Gegenwind für chinesische Konkurrenten. Die Stahlproduktion in China war binnen zehn Tagen annualisiert auf 909 Millionen Tonnen gefallen, während Europa neue Antidumpingzölle auf chinesische Importe verhängt. Das drückt auf die Marktanteile der chinesischen Hersteller und stärkt relativ die Position europäischer Anbieter wie Thyssenkrupp.

Die Kursziele der Analysten spiegeln die veränderte Wahrnehmung: DZ Bank, BofA und Citigroup haben ihre Ziele zuletzt kräftig angehoben, teils auf bis zu 22 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Kursplus von fast 50 Prozent zu Buche.

Charttechnisch bleibt die Marke von 10 Euro die entscheidende Unterstützung. Solange der Kurs darüber notiert, bleibt der Aufwärtstrend intakt — fällt er darunter zurück, dürfte sich auch die Stimmung rund um die laufende Umbaustory eintrüben.

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