Thyssenkrupp Aktie: Gewinnprognose angehoben
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 11:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Thyssenkrupp hat die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben. Wie das Unternehmen am 13. August mitteilte, erwartet der Konzern nun ein bereinigtes EBIT zwischen 600 und 900 Millionen Euro, statt zuvor 500 bis 900 Millionen Euro. Die Untergrenze der Prognose steigt damit spürbar – ein Signal, dass sich Stahl- und Marinesparte trotz eines schwierigen Marktumfelds robuster entwickeln als noch vor Monaten erwartet.
Grundlage der Anhebung sind die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal 2025/2026. Der Umsatz lag bei 8,79 Milliarden Euro und übertraf die Erwartungen. Das bereinigte EBIT stieg um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 183 Millionen Euro, blieb damit allerdings unter der Analystenschätzung von 207 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein positives Nettoergebnis.
Für das Gesamtjahr rechnet Thyssenkrupp weiterhin mit einem Nettoverlust, allerdings fällt auch diese Spanne mit minus 700 bis minus 400 Millionen Euro etwas moderater aus als bisher angenommen. Beim Umsatz erwartet der Konzern nun einen Rückgang von 1 bis 3 Prozent, zuvor waren bis zu 0 Prozent Rückgang möglich gewesen.
Strukturwandel nimmt Fahrt auf
Parallel zur operativen Verbesserung treibt Thyssenkrupp den Konzernumbau voran. Anfang August stimmten die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung mit 99,99 Prozent der Verselbstständigung der Sparte tk accelis zu.
Die Finanzierung über 1,7 Milliarden Euro steht, die Börsennotierung im Prime Standard in Frankfurt ist für das Kalenderjahr 2026 geplant. Aktionäre erhalten für jeweils 20 Thyssenkrupp-Aktien eine Aktie von tk accelis, Thyssenkrupp selbst behält 51 Prozent der Anteile.
Auch in der Stahlsparte zeichnen sich strukturelle Veränderungen ab. Der Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen HKM ist für Juli 2026 vorgesehen. Über die künftige Ausrichtung des Stahlgeschäfts will der Konzern auf einem Kapitalmarkttag im September 2026 in London informieren – ein Termin, dem Investoren mit besonderem Interesse entgegensehen dürften, da er Klarheit über die strategische Neuordnung der traditionell margenschwachen Sparte bringen soll.
Sektor-Rückenwind aus China
Zusätzlichen Auftrieb erhielten europäische Stahlwerte zuletzt durch Entwicklungen in China. Die dortige Stahlproduktion fiel auf annualisierte 909 Millionen Tonnen, ein Rückgang von 7 Prozent. Weniger chinesisches Angebot am Weltmarkt gilt als stützend für die Preise europäischer Hersteller, wovon auch Thyssenkrupp profitierte.
An der Börse zeigt sich die Gemengelage aus operativer Verbesserung, Konzernumbau und günstigem Sektorumfeld in einer Kursentwicklung mit deutlichem Aufwärtstrend über die vergangenen Monate: Seit Jahresanfang steht ein Plus von 52 Prozent zu Buche.
Am Dienstag schloss die Aktie bei 14,19 Euro, nach einem Tagesverlust von 1,2 Prozent. Über die vergangene Woche ergibt sich ein Rückgang von 1,4 Prozent – eine Verschnaufpause, nachdem der Kurs binnen 30 Tagen um 16 Prozent zugelegt hatte. Vom 52-Wochen-Hoch bei 15,18 Euro, erreicht Ende August, trennen das Papier noch 6,5 Prozent.
Die kommenden Monate dürften für Anleger vor allem im Zeichen zweier Termine stehen: der geplanten Börsennotierung von tk accelis und des Kapitalmarkttags zur Stahlsparte im September 2026. Beide Ereignisse werden zeigen, ob sich der eingeschlagene Umbaukurs auch strukturell in nachhaltig höheren Margen niederschlägt.
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