Thyssenkrupp Aktie: DRI-Kompromiss mit Berlin und Brüssel
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 13:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Thyssenkrupp führt nach Medienberichten fortgeschrittene Gespräche mit der Bundesregierung und der EU-Kommission über die Förderbedingungen für die geplante Direktreduktionsanlage (DRI) in Duisburg.
Im Zentrum steht ein technischer Kompromiss: Die Anlage soll zunächst auch ohne Wasserstoff betrieben werden können. Das würde dem Konzern mehr Flexibilität beim Hochlauf der grünen Stahlproduktion verschaffen, ohne die ursprünglich zugesagten Klimaziele formal aufzugeben.
Für Thyssenkrupp ist die DRI-Anlage ein Kernstück der Transformation der Stahlsparte. Bislang war der Betrieb an den Einsatz von Wasserstoff geknüpft, dessen Verfügbarkeit und Preis in Deutschland weiterhin unsicher sind.
Eine Übergangslösung mit Erdgas als Brückentechnologie würde das Investitionsrisiko senken und den Fördermittelfluss aus Berlin und Brüssel absichern, ohne den Zeitplan für die Umstellung auf klimaneutrale Produktion zu gefährden.
Weitere Bausteine des Umbaus
Parallel zu den Verhandlungen um die DRI-Förderung treibt der Konzern kleinere, aber symbolisch bedeutsame Projekte voran. Die Tochter thyssenkrupp Rasselstein plant in Andernach eine 8-Megawatt-Freiflächen-Solaranlage. Der Baustart ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme soll Mitte 2027 erfolgen.
Der erzeugte Strom soll über einen langfristigen Abnahmevertrag für die ersten 20 Jahre vollständig genutzt werden – ein weiterer Baustein auf dem Weg zu einer emissionsärmeren Produktion abseits der Großprojekte in Duisburg.
Am Duisburger Stahlstandort selbst gab es zudem technischen Fortschritt: Die modernisierte Stranggießanlage erhielt die Endabnahme, nachdem sie vom Anlagenbauer Primetals Technologies überarbeitet worden war. Solche Modernisierungen sollen die Effizienz der bestehenden Produktion steigern, während der Konzern parallel am Aufbau der klimaneutralen Zukunftstechnologien arbeitet.
Ergänzend verwies Thyssenkrupp im Zusammenhang mit dem Dreivierteljahresbericht auf die zehnjährige Entwicklung von Carbon2Chem, das sich vom Forschungsprojekt zu einem Blueprint für eine klimaneutrale Industrie entwickelt habe.
Finanzielle Basis für den Umbau
Die strategische Neuausrichtung stützt sich auf eine verbesserte Ertragslage. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/2026 erzielte Thyssenkrupp ein bereinigtes EBIT von 591 Millionen Euro, nach 365 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Nettoliquidität blieb bei 2,6 Milliarden Euro stabil – ein finanzielles Polster, das dem Konzern Spielraum für die parallel laufenden Investitionsvorhaben in Duisburg und Andernach verschafft.
Zusätzliche Substanz erhält der Umbau durch die auf einer außerordentlichen Hauptversammlung genehmigte Abspaltung von tk accelis, bei der 49 Prozent an die bestehenden Aktionäre übertragen werden sollen, während der Konzern selbst 51 Prozent behält.
Am Kapitalmarkt kam die Kombination aus operativer Verbesserung und konkreten Fortschritten bei den grünen Investitionsprojekten gut an: Die Citigroup hob am 21. August ihr Kursziel für die Aktie auf 20 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung.
Kursniveau bleibt angespannt hoch
Die Aktie notiert aktuell bei 14,53 Euro und damit 1,2 Prozent über dem Vortagesschluss von 14,35 Euro. Der Titel bewegt sich rund 4,3 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 15,18 Euro, das Ende August markiert wurde, und hat sich seit dem Jahrestief im März damit mehr als verdoppelt.
Der weiterhin erhöhte RSI-Wert von 65,2 signalisiert eine fortgeschrittene, aber noch nicht überhitzte Kaufdynamik – ein Umfeld, in dem konkrete Fortschritte bei Förderfragen und Infrastrukturprojekten wie in Duisburg und Andernach als Bestätigung der eingeschlagenen Strategie gelesen werden dürften.
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