Thyssenkrupp, Aktie

Thyssenkrupp Aktie: 99,99% für tk-accelis-Abspaltung

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 21:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Thyssenkrupp bringt die Abspaltung von tk accelis voran, hebt die Jahresprognose an und lässt Gespräche über den Stahlverkauf ruhen.

Makroaufnahme einer glühenden Stahloberfläche mit feiner Textur
thyssenkrupp AG (DE0007500001): Makroaufnahme einer glühenden Stahloberfläche mit feiner metallischer Textur und warmen Farbverläufen Illustration mit AI erstellt.

Thyssenkrupp kommt beim Konzernumbau einen entscheidenden Schritt weiter. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten die Aktionäre am 7. August mit 99,99 Prozent der Verselbstständigung von tk accelis zu.

Die Sparte soll als eigenständiges Unternehmen an die Börse gehen, den Aktionären winken 49 Prozent der Anteile, während die restlichen 51 Prozent bei der Thyssenkrupp-Holding verbleiben. Das Listing in Frankfurt ist noch für dieses Jahr angepeilt.

Der Zeitplan ist ambitioniert, doch der Rückhalt der Anteilseigner nahezu geschlossen. Für Thyssenkrupp ist die Abspaltung ein weiterer Baustein in der Strategie, den Mischkonzern in klarer abgegrenzte, eigenständig bewertbare Einheiten aufzuteilen. Mit tk accelis entsteht ein Unternehmen, das an der Börse künftig unabhängig von der Konzernmutter geführt wird.

Personelle Weichen für die neue Einheit

Parallel zur strukturellen Neuordnung besetzt Thyssenkrupp Schlüsselpositionen für die künftige eigenständige Gesellschaft. Zum 1. Oktober übernimmt Jennifer Weihs die Rolle der Personalchefin bei der tk accelis Management AG, zunächst befristet auf drei Jahre.

Weihs bringt Erfahrung aus ihrer vorherigen Tätigkeit bei der Obi Group mit, wo sie für Personal und Organisationsentwicklung verantwortlich war. Die Personalie unterstreicht, dass tk accelis nicht nur formal, sondern auch operativ auf eigene Füße gestellt wird.

Operatives Geschäft liefert Rückenwind

Der Umbau fällt in eine Phase, in der das operative Geschäft wieder an Fahrt gewinnt. Für das dritte Geschäftsquartal 2025/2026 meldete Thyssenkrupp einen Umsatz von 8,8 Milliarden Euro, ein Plus von 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBIT stieg um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro.

Vor gut drei Wochen hob der Konzern daraufhin seine Jahresprognose an und stellt nun ein bereinigtes EBIT zwischen 600 und 900 Millionen Euro in Aussicht, nach zuvor 500 bis 900 Millionen Euro.

Diese Entwicklung markiert eine deutliche Wende gegenüber dem Jahresauftakt. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres war der Auftragseingang noch um 38,4 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro eingebrochen, der Umsatz sank um 7,7 Prozent. Unter dem Strich stand damals ein Periodenfehlbetrag von 334 Millionen Euro, belastet durch Restrukturierungskosten bei Steel Europe und Wertberichtigungen im Segment Automation Engineering.

Stahlsparte bleibt vorerst im Konzern

Auch die Zukunft der Stahlsparte ist Teil des größeren Bildes. Die im Frühjahr geführten Gespräche mit dem indischen Konzern Jindal Steel über einen möglichen Verkauf der Stahlsparte liegen weiterhin auf Eis.

Laut Handelsblatt begründete Thyssenkrupp die Pausierung mit verbesserten Rahmenbedingungen für die europäische Stahlindustrie, darunter EU-Schutzmaßnahmen gegen Billigimporte und die seit Jahresbeginn geltende CO2-Grenzausgleichsregelung CBAM. Auch Sanierungsfortschritte bei Steel Europe hätten die Verhandlungsdynamik verändert.

Aktie mit Bewertungsspanne

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Umbau und operativer Erholung in einer volatilen Kursentwicklung wider. Die Aktie notiert aktuell bei 13,96 Euro und hat seit Jahresbeginn rund 50 Prozent zugelegt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 15,18 Euro, erreicht Ende August, ist das Papier derzeit 8 Prozent entfernt.

Am vergangenen Sonntag hatten mehrere Analysten ihre Kursziele deutlich angehoben, seither hat die Aktie jedoch rund 4,7 Prozent nachgegeben – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Fortschritte bei Umbau und operativem Geschäft bereits eingepreist hat und nun genauer auf die konkrete Umsetzung der Abspaltung schaut.

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