Thyssenkrupp, Aktie

Thyssenkrupp Aktie: 30,42 Prozent Plus seit Jahresbeginn

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 00:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Thyssenkrupp treibt die Aufspaltung voran: Nucera übertrifft Prognosen leicht, tk accelis schließt langfristigen Lieferketten-Deal mit SKF. Die Stahlsparte bleibt das ungelöste Kapitel.

Thyssenkrupp: Aufspaltungsstrategie trägt Früchte, Stahl bleibt offene Baustelle
Moderne Stahlproduktionsanlage mit glänzenden Metalloberflächen und atmosphärischer Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Traditionskonzern, der sich in seine Einzelteile zerlegt, um am Ende mehr wert zu sein als das Ganze – das ist derzeit die Wette, auf die Anleger bei Thyssenkrupp setzen. Und wer in dieser Woche auf die Nachrichtenlage blickt, sieht genau dieses Muster in Reinform: Nicht die Mutter macht Schlagzeilen, sondern ihre Töchter.

Nucera liefert, aber die Erwartungen waren nicht hoch gesteckt

Am Donnerstag legte die Wasserstoff-Tochter Thyssenkrupp Nucera Quartalszahlen vor, die geringfügig über den Prognosen der Analysten lagen. Die Aktie reagierte mit spürbaren Kursgewinnen. Wer sich jedoch an die vorangegangenen Quartale erinnert, weiß: Die Messlatte lag zuletzt nicht hoch. Das leichte Übertreffen ging Berichten zufolge auch auf Verschiebungseffekte im Projektgeschäft zurück – ein Wachstumsmarkt, der sich eben nicht linear entwickelt, sondern in Wellen. Für den Wasserstoffsektor insgesamt ist das eine vertraute Erfahrung: Auf große Ankündigungen folgen oft zähe Umsetzungsphasen, bevor sich Bestellbücher tatsächlich füllen.

Interessanter für die Konzernstrategie ist ohnehin, was bei tk accelis passiert. Die Werkstoff-Sparte, die aus dem Bereich Materials Services hervorgegangen ist, unterzeichnete am Montag eine auf zehn Jahre angelegte Vereinbarung mit dem schwedischen Wälzlagerhersteller SKF zur Optimierung gemeinsamer Lieferketten. Wenige Tage zuvor, am 20. Juli, hatte die Sparte auf einem eigenen Kapitalmarkttag ihre Strategie als eigenständige Einheit vorgestellt. Wer noch einen Beleg dafür suchte, dass Thyssenkrupp sein Portfolio ernsthaft in unabhängige Geschäftseinheiten überführt, bekommt ihn hier gleich doppelt.

Wenn sich Beteiligungen verschieben

Am 24. Juli veröffentlichte Thyssenkrupp zudem eine Stimmrechtsmitteilung nach dem Wertpapierhandelsgesetz – ein formaler Hinweis darauf, dass sich die Beteiligungsverhältnisse am Konzern verändert haben. Solche Mitteilungen sind selten der große Paukenschlag, aber sie zeigen: Auch auf der Aktionärsseite ist Bewegung, während der Konzern sich intern neu sortiert.

Ein Blick zurück lohnt sich an dieser Stelle. Im Februar hatten mehrere Vorstandsmitglieder, darunter Vorstandsvorsitzender Miguel Ángel López Borrego und Ilse Henne, in nennenswertem Umfang eigene Aktien gekauft – zu einem Durchschnittspreis von 10,90 Euro. Gemessen am aktuellen Kurs von 12,10 Euro liegt das Management damit inzwischen im Plus, ein Detail, das zumindest zeigt, dass die eigene Führungsriege der Aktie schon zu deutlich niedrigeren Ständen etwas zutraute.

Die größere Erzählung des vergangenen Jahres bleibt der Stahlbereich. Im Oktober 2025 waren die Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen mit der tschechischen EP Group einvernehmlich beendet worden. Investor Daniel Kretinsky gab seine 20-Prozent-Beteiligung an Thyssenkrupp Steel Europe zurück, der Konzern nahm daraufhin Gespräche mit dem indischen Stahlkonzern Jindal Steel auf. Ob und wie diese Gespräche seither vorangekommen sind, lässt sich derzeit nicht mit Gewissheit sagen – klar ist nur, dass die Stahlsparte weiterhin das ungelöste Kapitel im sonst so geordneten Zerlegungsprozess bleibt.

Was der Kurs von der Geschichte hält

Mit 12,10 Euro notiert die Aktie knapp neun Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 13,24 Euro, das sie Anfang Oktober markierte. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 30,42 Prozent zu Buche – eine Performance, die zeigt, dass der Markt der Aufspaltungsstrategie insgesamt Vertrauen schenkt, auch wenn einzelne Bausteine wie Nucera zuletzt eher mit gedämpften Erwartungen überzeugten. Auch der Abstand von 5,78 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt spricht für einen intakten, wenn auch nicht euphorischen Aufwärtstrend.

Am 13. August wird der Konzern seinen Zwischenbericht für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres vorlegen. Erst dann dürfte sich zeigen, ob die vielen kleinen Fortschritte bei Nucera und tk accelis tatsächlich in konsolidierten Zahlen ankommen – oder ob die Konzernmutter noch immer schwerer wiegt als die Summe ihrer Teile.

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