Thales Aktie: Über drei Milliarden für IRIS²
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 14:28 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Durchbruch bei IRIS-Großprojekt
Thales Alenia Space hat am Donnerstag auf dem Internationalen Raumfahrtgipfel in Paris einen wegweisenden Vertrag für den Aufbau der europäischen Satellitenkonstellation IRIS² unterzeichnet. Das Gemeinschaftsunternehmen, an dem Thales eine Mehrheit von 67 Prozent hält, vereinbarte mit dem Betreiber Eutelsat die Lieferung der zentralen Nutzlasten für insgesamt 330 Telekommunikationssatelliten. Während eine erste Tranche des Auftrags rund 500 Millionen Euro umfasst, wird das Gesamtvolumen des Vorhabens für Thales Alenia Space auf über drei Milliarden Euro beziffert.
Die Vereinbarung markiert den operativen Startschuss für das europäische Prestigeprojekt, das eine souveräne und hochsichere Kommunikationsinfrastruktur im All schaffen soll. Thales ist dabei für die Entwicklung und Fertigung der digitalen Regierungs-Nutzlasten zuständig, die einen gesicherten Datenaustausch für staatliche Nutzer in der Europäischen Union gewährleisten müssen.
Die geplante Konstellation wird verschiedene Umlaufbahnen nutzen, wobei der technologische Schwerpunkt auf Satelliten in einer niedrigen Erdumlaufbahn (Low Earth Orbit, LEO) in etwa 1.200 Kilometern Höhe liegt.
Kooperation im SpaceRISE-Konsortium
Das Gesamtprojekt IRIS² umfasst nach aktuellem Planungsstand mindestens 348 Satelliten, davon 330 in der niedrigen Umlaufbahn und 18 in einer mittleren Erdumlaufbahn (Medium Earth Orbit). Die technische Umsetzung erfolgt in einer koordinierten Arbeitsteilung innerhalb des SpaceRISE-Konsortiums, dem neben Eutelsat auch SES und Hispasat angehören. Während Thales Alenia Space die elektronischen Herzstücke aller 330 LEO-Satelliten liefert, teilen sich Partnerunternehmen den Bau der Satellitenplattformen.
So baut Airbus Defence and Space die erste Serie von mindestens 66 Satelliten und übernimmt deren Integration, während das Unternehmen Aerospacelab den Bau von 264 weiteren Plattformen für die zweite Ausbaustufe sichern konnte. Die Auslieferung der ersten Phase ist für das Jahr 2029 vorgesehen, die zweite Stufe soll ab 2030 folgen.
ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer engen Koordination, um die europäische Autonomie im Weltraum dauerhaft zu stärken. Das Gesamtbudget für das IRIS²-System wird derzeit auf über 15 Milliarden Euro geschätzt.
Strategische Bedeutung und Marktlage
Für Thales bedeutet dieser Großauftrag eine langfristige Auslastung der Raumfahrtsparte und untermauert die Position als führender Ausrüster für gesicherte Satellitenkommunikation. Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte im Rahmen des Gipfels zudem eine konsequent europäische Beschaffungsstrategie, um technologische Abhängigkeiten zu verringern. Parallel dazu wurde bekannt, dass das Unternehmen OHB einen Auftrag für die 18 Satelliten in der mittleren Umlaufbahn im Wert von rund einer Milliarde Euro erhalten hat.
An der Börse zeigte sich der Titel zuletzt stabilisiert. Das Papier beendete den Handel am Freitag bei einem Schlusskurs von 226,80 Euro. Damit notiert der Wert aktuell rund 19 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das am 2. Oktober des vergangenen Jahres markiert wurde.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) auf 14-Tage-Basis liegt derzeit bei einem Wert von 29,0, was im Bereich technischer Indikatoren als Signal für ein überverkauftes Niveau gilt. Investoren achten nun darauf, ob die massiven Auftragseingänge im Raumfahrtsektor die Stimmung nachhaltig drehen können, während die ESA für die kommenden Jahre zusätzliche Mittel zur Unterstützung der Konstellation anstrebt.
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