Tesla, Aktie

Tesla Aktie: Kandidat für Verkaufswelle

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 07:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Evercore zählt Tesla zu acht möglichen Verkaufszielen vor erwarteten KI-Börsengängen. Zusätzlich sorgt ein Streit über chinesische Autobauer für Druck.

Fotorealistische Fertigungshalle mit Robotern und generischen Elektrofahrzeug-Karosserien
Fotorealistische Aufnahme einer Fertigungshalle zeigt Tesla Inc., ISIN US88160R1014, bei moderner Elektrofahrzeug-Produktion Illustration mit AI erstellt.

Wenn Fondsmanager Kasse machen müssen, trifft es zuerst die Schwächsten im Depot. Genau das prophezeit Evercore ISI für Tesla und sieben weitere US-Blue-Chips – ausgelöst von einem Ereignis, das mit dem Elektroautobauer auf den ersten Blick nichts zu tun hat: den erwarteten Milliarden-Börsengängen von Anthropic und OpenAI.

Warum Tesla auf der Kandidatenliste steht

Evercore hat den Russell 3000 nach Aktien durchsucht, die seit Jahresbeginn deutlich verloren haben, ihre Jahrestiefs noch nicht weit hinter sich gelassen haben und deren Gewinnschätzungen zuletzt gekappt wurden. Acht Titel erfüllen alle drei Kriterien – neben Tesla etwa IBM, American Express und Trade Desk. Tesla verliert seit Jahresbeginn 21 Prozent, die Gewinnschätzungen wurden im gleichen Zeitraum um 10 Prozent nach unten korrigiert.

Die Logik dahinter: Um die Zeichnung der anstehenden KI-Börsengänge zu stemmen, ohne Fremdkapital aufzunehmen, könnten Portfoliomanager genau jene Positionen verkleinern, die ohnehin schon hinter dem Gesamtmarkt zurückliegen. Anders als bei den klassischen Steuerverlust-Verkäufen im Oktober rechnet Evercore damit, dass dieser Prozess bereits nach dem Labor Day in den USA beschleunigt wurde, um frühzeitig Liquidität freizusetzen.

Im Vergleich zur Kandidatenliste fällt Teslas Lage moderat aus: Trade Desk verlor 62 Prozent und wurde in seinen Gewinnschätzungen um fast 60 Prozent gestutzt, DraftKings kam auf ein Minus von 30 Prozent bei einer Gewinnkorrektur von 50 Prozent.

Diese Diskrepanz lässt vermuten, dass bei den beiden Schlusslichtern fundamentale Probleme eine größere Rolle spielen als reine Steuertaktik – bei Tesla dürfte der IPO-Effekt hingegen stärker durchschlagen.

Auto-Lobby macht gegen China mobil

Parallel dazu positioniert sich Tesla auf einem anderen Schauplatz. Zusammen mit sechs Branchenverbänden, die praktisch alle in den USA aktiven Autohersteller sowie rund 17.000 Vertragshändler vertreten, unterzeichnete das Unternehmen einen Brief an Präsident Trump.

Die Forderung: Chinesische Autohersteller sollen weiterhin vom US-Markt ferngehalten werden – auch von der Möglichkeit, dort Werke zu errichten. Der Vorstoß kommt kurz vor Trumps geplantem Treffen mit Chinas Präsident Xi Jinping und widerspricht Trumps eigener Aussage von vergangener Woche, wonach er chinesische Fabriken in den USA grundsätzlich zulassen würde.

Charttechnisch im Wartemodus

Kurzfristig bewegt sich die Aktie in einer engen Spanne zwischen 357 und 378 Dollar, zuletzt bei 361,31 Dollar. Die Handelsspanne gilt als klassische Konsolidierungsphase mit flachen Indikatoren – ein klarer Ausbruch nach oben oder unten steht noch aus.

Für die kommenden Wochen dürften zwei Fragen die Kursrichtung bestimmen: Wie stark greift die von Evercore beschriebene Verkaufsdynamik rund um die erwarteten KI-Börsengänge tatsächlich zu, und wie entwickelt sich das politische Tauziehen um chinesische Autobauer im US-Markt. Beide Themen haben mit dem eigentlichen Geschäft von Tesla wenig zu tun, könnten die Aktie aber in den nächsten Handelstagen stärker bewegen als jede operative Nachricht.

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