Swiss Re Aktie: Studie warnt vor vernetzten Risiken
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 04:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Künstliche Intelligenz und hochgradig verknüpfte Lieferketten schaffen neue Einfallstore für wirtschaftliche Schocks. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Untersuchung des Swiss Re Institute und der London School of Economics (LSE), die am Freitag unter dem Titel „The age of interconnected risks“ vorgelegt wurde.
Die Analyse von 91 Fortune-100-Konzernen zeigt, dass die Verknüpfungen zwischen den in den Geschäftsberichten ausgewiesenen Risiken im Vergleich zum Jahr 2019 um 24 Prozent zugenommen haben.
Wachsende Klumpenrisiken über Branchengrenzen hinweg
Der Anteil der Großunternehmen, die Risiken durch künstliche Intelligenz und neue Technologien offiziell aufführen, kletterte zwischen 2019 und 2026 um rund 30 Prozent. Dabei beschränkt sich die Nennung nicht mehr auf den Technologiesektor. Längst führen auch Einzelhändler, Fluggesellschaften sowie Pharma- und Lebensmittelkonzerne entsprechende Gefahren an.
Zugleich verweisen die Autoren auf erhebliche physische und infrastrukturelle Konzentrationen. So befinden sich über 40 Prozent der US-Rechenzentren in Zonen mit spürbarem Tornadorisiko. Im Halbleitersektor stehen 88 Prozent der taiwanesischen Werke in Regionen mit extremem Erdbebenrisiko.
Auf digitaler Ebene kontrollierten drei Anbieter im Jahr 2024 rund 70 Prozent der weltweiten Cloud-Infrastruktur. Ähnlich eng ist der Zahlungsverkehr gebündelt: Drei Großkonzerne wickeln 97 Prozent der weltweiten Kreditkartentransaktionen ab.
Ein einzelnes Ereignis kann vor diesem Hintergrund kaskadenartige Ausfälle über mehrere Sektoren hinweg auslösen. Ivan Gonzalez, CEO von Swiss Re Corporate Solutions, betonte, dass Unternehmen auf den ersten Blick breit gestreut wirken können, obwohl ihre Zulieferer und Kunden letztlich von derselben kritischen Plattform abhängen.
LSE-Experte Jón Daníelsson warnte zudem, dass KI-gestützte Systeme mit extrem schnellen Reaktionszeiten einen an sich beherrschbaren Zwischenfall in eine systemische Krise verwandeln könnten.
Schmaler Puffer für Politik und Assekuranz
Für Rückversicherer wie Swiss Re bedeuten diese Wechselwirkungen veränderte Anforderungen bei der Risikobewertung. Wenn Ausfälle in Rechenzentren, Naturkatastrophen und Cyberattacken zeitgleich auftreten, steigen die sogenannten Kumulrisiken im Versicherungsbestand.
Jérôme Haegeli, Chefökonom des Swiss Re Institute, hob hervor, dass vernetzte Risiken weniger Spielraum für Fehleinschätzungen lassen. Da Regierungen vieler Industrieländer unter hohen Schuldenständen leiden, fehle ihnen der fiskalische Spielraum für großflächige Rettungsmaßnahmen im Krisenfall. Resilienz müsse deshalb vor dem Eintritt eines Schocks aufgebaut werden.
An den Finanzmärkten behauptet sich der Schweizer Rückversicherer in einem unruhigen Umfeld. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Aktie bei 149,50 Euro, was einem Tagesverlust von 1,2 Prozent entsprach. Auf längere Sicht bewegt sich das Papier dennoch in einem soliden Aufwärtstrend: Mit einem Abstand von 6,2 Prozent hält der Titel einen klaren Puffer zum 200-Tage-Durchschnitt.
Für das Management besteht die operative Herausforderung künftig darin, die Absicherung solch vielschichtiger Lieferketten- und Cyberabhängigkeiten präzise einzupreisen, ohne unerwartete Großschäden auf die eigene Bilanz zu ziehen.
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