Super Micro Computer Aktie: 39,06 Mrd. Dollar Rekordumsatz
Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die monatelange Unsicherheit bei Super Micro Computer scheint vorerst beendet. Eine unabhängige Untersuchung des Boards hat keine Belege dafür gefunden, dass die Führungsriege des Server-Spezialisten von einer angeblichen Umleitung von Nvidia-Chips nach China im Wert von 2,5 Milliarden US-Dollar wusste.
Während das Unternehmen mit einem personellen Umbau in der Compliance-Abteilung reagiert, heben Analysten die Aktie aufgrund der starken operativen Zahlen auf eine Top-Empfehlung.
Board-Umbau und neue Compliance-Struktur
Die interne Prüfung, die über fünf Monate andauerte, entlastet die Führungsspitze von den Vorwürfen, wissentlich Exportbeschränkungen umgangen zu haben. Das Board erklärte, dass die Finanzberichte des Unternehmens weiterhin als zuverlässig einzustufen seien.
Dennoch zieht das Unternehmen personelle Konsequenzen, um das Vertrauen der Investoren und Partner zurückzugewinnen. Yih-Shyan „Wally“ Liaw ist von seinem Posten als Board-Mitglied zurückgetreten, wodurch das Gremium auf acht Direktoren schrumpft.
Gleichzeitig wurde mit DeAnna Luna eine erfahrene Expertin zur kommissarischen Chief Compliance Officer ernannt. Luna verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der globalen Handels-Compliance und war zuvor für Branchengrößen wie Intel und Teledyne tätig. Diese personelle Neuausrichtung erfolgt vor dem Hintergrund deutlicher Mahnungen seitens der Partner: Nvidia-CEO Jensen Huang hatte Super Micro Computer dazu aufgefordert, die Compliance-Prozesse massiv zu verschärfen. Dies geschah, nachdem Behörden in Taiwan drei Personen im Zusammenhang mit mutmaßlich falschen Zollerklärungen für KI-Server festgenommen hatten.
Rekordzahlen und optimistische Umsatzprognose
Operativ befindet sich das Unternehmen weiterhin auf einem massiven Wachstumspfad, getrieben durch den ungebrochenen Bedarf an Hardware für künstliche Intelligenz. Für das Geschäftsjahr 2026 meldete Super Micro Computer einen Rekordumsatz von 39,06 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von rund 78 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Das Nettoeinkommen belief sich auf 2,23 Milliarden US-Dollar. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres wurde ein Gewinn pro Aktie von 1,70 US-Dollar erzielt, womit die Konsensschätzungen der Analysten von 0,92 US-Dollar deutlich übertroffen wurden.
Für das Geschäftsjahr 2027 gibt sich die Unternehmensführung äußerst zuversichtlich und prognostiziert einen Umsatzkorridor zwischen 65 und 72 Milliarden US-Dollar.
Allerdings werfen die hohen Investitionskosten Schatten auf die Bilanz: Der operative Cashflow wies im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Nettoabfluss von 6.81 Milliarden US-Dollar aus, während die Lagerbestände auf 12,9 Milliarden US-Dollar anstiegen.
Zudem bereiten die explodierenden Kosten für DDR5-Speichermodule der Branche Sorgen, da die Preise für 32GB-Kits im Vergleich zum Vorjahr teilweise um über 300 Prozent gestiegen sind.
Analysten stufen Aktie auf „Strong Buy“ hoch
Trotz der rechtlichen Auseinandersetzungen, darunter eine Patentklage von Netlist wegen DDR5-Technologie, bewerten Marktbeobachter die Zukunftsaussichten positiv. Die Experten von Zacks haben die Aktie jüngst auf ein „Strong Buy“-Rating hochgestuft.
Diese Einschätzung stützt sich vor allem auf die massiven Aufwärtsrevisionen bei den Gewinnerwartungen. Für das laufende Quartal rechnen Analysten mit einem Gewinnanstieg von über 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Zusätzlichen Rückenwind erhält der Sektor durch Preiserhöhungen bei KI-Infrastruktur. Berichten von Bloomberg zufolge plant Nvidia, die Preise für KI-Server-Racks Anfang 2027 um bis zu 17 Prozent anzuheben. Davon betroffen sind moderne Systeme wie die Grace Blackwell 300 und Vera Rubin 200, deren Stückpreise teils auf über 8 Millionen US-Dollar steigen könnten.
Diese Entwicklung unterstreicht die starke Verhandlungsmacht der Hardware-Anbieter in einem Markt, in dem Rechenkapazität trotz erster Anzeichen einer Budget-Rationalisierung bei großen Cloud-Anbietern ein knappes Gut bleibt.
An der Börse spiegelte sich die Erleichterung über den Abschluss der internen Untersuchung bereits wider. Das Papier schloss am Freitag bei 37,24 US-Dollar. Damit verzeichnet der Wert seit Jahresbeginn ein Plus von 27 Prozent. Mit dem jüngsten Aufwärtsimpuls notiert die Aktie zudem rund 20 Prozent über ihrem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, was technische Analysten als Bestätigung des langfristigen Aufwärtstrends werten.
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