STMicroelectronics Aktie: Anthropic beflügelt Chipwerte
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 19:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein IPO-Prospekt aus den USA sorgt europaweit für Kursfantasie bei Halbleiterwerten. KI-Konzern Anthropic plant nach eigenen Angaben Ausgaben von 518 Milliarden Dollar für Cloud, Rechenleistung und Infrastruktur im kommenden Jahr — eine Zahl, die europäische Chiphersteller am Dienstag deutlich anziehen ließ. STMicroelectronics gehörte zu den Nutznießern und legte im Tagesverlauf um rund 2,6 Prozent zu.
Der Kursanstieg reiht sich in eine breite Sektorbewegung ein. X-Fab Silicon Foundries führte die Gewinnerliste mit einem Plus von 6,5 Prozent an, ams OSRAM gewann 5,9 Prozent, Technoprobe in Mailand 6,3 Prozent. Auch Infineon, ASML und ASM International zogen kräftig an. Für STMicroelectronics bedeutet das Comeback der Chipwerte eine spürbare Erholung nach einem insgesamt schwachen Börsenmonat.
Anthropic als Stimmungsmacher
Der Auslöser liegt nicht bei STMicroelectronics selbst, sondern beim geplanten Börsengang von Anthropic. Das Unternehmen bereitet einen Börsengang nach den US-Zwischenwahlen im November vor und soll dabei mit mehr als zwei Billionen Dollar bewertet werden — mehr als doppelt so viel wie im Mai.
Der Umsatz von Anthropic stieg 2025 zwölffach auf knapp 4,6 Milliarden Dollar, dem stand allerdings ein Nettoverlust von 42 Milliarden Dollar gegenüber, größtenteils durch Bilanzierungseffekte bei Finanzierungsinstrumenten.
Für Chipinvestoren zählt vor allem die Investitionsseite: Anthropic gab 2025 mit 7,33 Milliarden Dollar rund dreimal so viel für Computing-Infrastruktur aus wie im Vorjahr. Solche Ausgabenpläne gelten als Frühindikator für die Nachfrage nach Prozessoren, Netzwerktechnik und Fertigungsausrüstung — Bereiche, in denen STMicroelectronics als Zulieferer positioniert ist.
Makroumfeld bremst die Euphorie
Der breitere Marktkontext bleibt allerdings angespannt. Der Stoxx 600 gab die Gewinne im späteren Handelsverlauf teilweise wieder ab und steuert auf den ersten Monatsverlust seit sechs Monaten zu. Steigende Staatsanleiherenditen, geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus und eine mögliche verlängerte restriktive Geldpolitik der EZB belasten Risikoanlagen insgesamt.
Anthropic selbst warnte im Prospekt zudem vor Konzentrationsrisiken: Fast ein Viertel des Umsatzes stammt von nur zwei Kunden, die ihre Ausgaben jederzeit zurückfahren könnten. Für STMicroelectronics bleibt der Anthropic-Effekt damit vorerst ein Stimmungstreiber aus zweiter Hand — die eigentliche Bewährungsprobe kommt erst, wenn sich die angekündigten Milliardeninvestitionen in konkreten Bestellungen niederschlagen.
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