Stellantis Aktie: US-Absatz stagniert, Italien wächst
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 16:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein leichtes Kursplus von 1,2 Prozent auf 3,95 Euro markiert zu Beginn der neuen Handelswoche eine Atempause. Für mich ändert diese Momentaufnahme allerdings wenig an der vertrackten Lage des Autokonzerns. Seit Jahresbeginn hat das Papier 58 Prozent an Wert eingebüßt.
Wer verstehen will, warum der Markt derart skeptisch bleibt, muss den Blick auf die jüngsten operativen Signale richten. Zwischen ermutigenden Erfolgen in Südeuropa und zähen Problemen im wichtigen US-Markt zeichnet sich ein gespaltenes Bild ab.
Starke Heimatmärkte gegen US-Stagnation
Ein Lichtblick kommt aus Italien. Dort kletterten die Neuzulassungen der Gruppe im September auf 38.704 Fahrzeuge. Das entspricht einem kräftigen Plus von 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, gestützt auch durch die Einbindung der Marke Leapmotor.
Rechnet man diesen Partner heraus, verbleibt immer noch ein solides Plus von 7,5 Prozent. Zugleich treibt der Konzern das Flottengeschäft voran. Die Nutzfahrzeugsparte Stellantis Pro One hat Bestellungen für neue kompakte Transporter bei Marken wie Citroën, Fiat Professional, Opel und Peugeot geöffnet.
Doch diese regionalen Zuwächse verdecken die anhaltenden Sorgen auf dem nordamerikanischen Kontinent nicht. In den USA meldete der Konzern für das dritte Quartal 324.277 ausgelieferte Fahrzeuge. Gegenüber dem Vorjahresquartal bedeutet dies bestenfalls ein Verharren auf der Stelle. Zwar liegt der US-Absatz seit Jahresbeginn noch drei Prozent im Plus.
Am Markt dominiert jedoch der Eindruck, dass das Momentum schwindet, zumal Medienberichte über Absatzschwächen bei der Kernmarke Jeep die Stimmung am Freitag spürbar drückten. Nordamerika war jahrelang die verlässliche Ertragsstütze des Konzerns. Sollte dieser Pfeiler wackeln, können Zuwächse in Italien das Defizit kaum ausgleichen.
Operative Baustellen und personelle Weichenstellungen
Zu den Absatzsorgen gesellen sich operative Reibungsverluste in Europa.
Werke wie Sochaux oder Mulhouse stehen im Oktober teils tagelang still, was Medienberichten zufolge auf Versorgungsengpässe bei Antriebsbatterien des Partners ACC zurückgeht. Solche Unterbrechungen kosten Geld und werfen Fragen zur Stabilität der Lieferketten bei Elektrofahrzeugen auf.
Gleichzeitig reagiert das Management mit personellen Umbauten auf die Herausforderungen. Luca Parasacco übernimmt die Leitung der europäischen Vertriebsaktivitäten für die Ladelösungssparten Free2move eSolutions und Free2move Charge. Auch in Italien wurden Führungsteams zum Monatsbeginn neu formiert, um die Markenführung vor Ort zu stärken. Diese Schritte sind folgerichtig, lösen aber die kurzfristigen strukturellen Probleme nicht über Nacht.
Der 28. Oktober wird zur Richtungsentscheidung
Unterm Strich steht der Konzern vor einem Spagat. Auf der einen Seite demonstriert das Unternehmen Innovationswillen, etwa durch die geplante Vorführung von automatisierten Fahrfunktionen der Stufe Level 2++ gemeinsam mit dem Partner Wayve. Auf der anderen Seite belasten die operative Anfälligkeit der europäischen Werke und die nachlassende Dynamik in den USA das Vertrauen der Anleger.
Meiner Ansicht nach dürfte die Aktie auf dem aktuellen Bewertungsniveau zwar etliche Risiken vorweggenommen haben. Ein verlässlicher Boden lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, solange die Verfassung der US-Sparte Fragezeichen aufwirft.
Erst dieser Termin wird Klarheit darüber schaffen, wie tief die jüngsten Bremsspuren in der Bilanz tatsächlich sind. Bis dahin überwiegt an den Märkten verständliche Zurückhaltung.
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