Stellantis Aktie: Streik in Kanada droht zum Sonntag
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Automobilkonzern Stellantis treibt die Straffung seines Portfolios voran und bereitet offenbar den Abschied von der Gebrauchtwagen-Plattform Aramis Group vor. Während das Unternehmen sich auf sein Kerngeschäft im Fahrzeugbau fokussiert, verschärft sich die Lage an den nordamerikanischen Standorten. In Kanada droht nach der angekündigten Stilllegung eines Werks ein unbefristeter Streik.
Strategischer Rückzug aus dem digitalen Gebrauchtwagenmarkt
Medienberichten zufolge hat Stellantis die Investmentbanken Citi sowie Rothschild & Co damit beauftragt, einen Käufer für die Mehrheitsbeteiligung an der Aramis Group zu finden. Der Konzern hält derzeit rund 60,5 Prozent des Kapitals und etwa 67,4 Prozent der Stimmrechte an der Online-Plattform. Ein vollständiger Ausstieg würde laut Branchenkreisen voraussichtlich zur Dekotierung von Aramis von der Börse führen.
Dieser Schritt folgt der Strategie, Kapital für die Transformation zur Elektromobilität freizusetzen und Randbereiche abzustoßen. Die Bewertungen im digitalen Autohandel standen zuletzt unter erheblichem Druck, was den Zeitpunkt für eine Veräußerung kritisch erscheinen lässt.
Innerhalb des Konzerns wird das Vorhaben damit begründet, die personellen und finanziellen Ressourcen wieder stärker auf die eigentliche Fahrzeugherstellung zu konzentrieren.
Eskalation im Tarifstreit um kanadisches Montagewerk
Parallel zum geplanten Asset-Verkauf verschärft sich der Konflikt mit der kanadischen Gewerkschaft Unifor. Stellantis-Canada-CEO Trevor Longley teilte der Belegschaft mit, dass es für das Werk in Brampton keinen langfristigen Business Case für die Fahrzeugproduktion mehr gebe. Die Planungen für die Fertigung des Jeep Compass am Standort Ontario wurden gestoppt und stattdessen in die USA verlegt. Das Werk steht bereits seit Ende 2023 still.
Stellantis hat bereits eine Absichtserklärung mit der Rüstungsfirma Roshel über einen möglichen Verkauf des Geländes unterzeichnet. Die Gewerkschaft Unifor, die rund 9.000 Mitglieder bei Stellantis vertritt, lehnt diesen Verkauf strikt ab und fordert den Erhalt der Arbeitsplätze im Automobilsektor.
Die nationale Präsidentin der Gewerkschaft, Lana Payne, bezeichnete einen Streik als reale Möglichkeit, sollte bis zum Auslaufen des aktuellen Tarifvertrags am Sonntag keine Einigung erzielt werden. Die kanadische Regierung zeigt sich besorgt und drohte bereits damit, zugesagte Fördergelder zurückzufordern.
Analysten senken Kursziele wegen Lagerproblemen in den USA
Trotz der operativen Unruhe verzeichnete die Stellantis-Aktie am heutigen Donnerstag einen Kursanstieg von 3,0 Prozent auf 4,43 Euro. Der Zuwachs wird am Markt eher auf eine allgemeine Sektor-Rotation in zyklische Werte nach der jüngsten US-Zinsentscheidung zurückgeführt als auf unternehmenseigene Impulse. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits 53 Prozent an Wert verloren.
Die Analysten von Berenberg äußerten sich zuletzt skeptisch zur kurzfristigen Entwicklung. Das Haus stufte den Wert von „Buy“ auf „Hold“ herab und kürzte das Kursziel deutlich von 7,80 Euro auf 5,10 Euro.
Als Hauptgrund nannten die Experten die hohe Lagerhaltung in den USA, die aktuell bei rund 100 Tagen liege. Dies belaste die Margenerholung und die Cashflow-Generierung in den kommenden Jahren. Mit einem Abstand von 58 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bleibt die Aktie charttechnisch angeschlagen, während Anleger nun auf die Umsetzung der Sparpläne und die Lösung der Arbeitskämpfe warten.
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