Sportradar, Aktie

Sportradar Aktie: Abspaltung ohne Rückenwind

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 17:41 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der geplante Verkauf soll Sportradars Portfolio schärfen; die Aktie verlor rund drei Prozent und notiert nahe dem Jahrestief.

Sportradar verkauft Atrium Sports für 170 Millionen Dollar
Modernes Sportstadion im Dämmerlicht als Symbol für die unsichere Marktlage im Sportdaten-Sektor. Illustration mit AI erstellt.

Sportradar trennt sich von einem Randgeschäft und kassiert dafür 170 Millionen Dollar in bar. Die Börse reagiert verhalten. Die Aktie notiert nahe ihrem Jahrestief.

Was verkauft wird – und was bleibt

Der Schweizer Sportdaten-Anbieter hat sich vertraglich verpflichtet, Atrium Sports an Teamworks Innovations zu veräußern. Atrium ist das Coaching- und Scouting-Geschäft der Tochter Synergy Sports. Der Abschluss ist für das vierte Quartal 2026 geplant und steht unter den üblichen Vollzugsbedingungen.

Konzernchef Carsten Koerl spricht von einer Straffung des Portfolios. Der Fokus soll auf Wetten, Gaming und Medien liegen. Der Erlös soll die Bilanz stärken und Spielraum für die Kapitalallokation schaffen. Das Unternehmen nennt den Preis im Verhältnis zur eigenen Marktbewertung "akkretiv" mit einem zweistelligen EBITDA-Multiple.

Wichtige Technik behält Sportradar: automatisierte Kameras für die Videoproduktion, automatisierte Grafiklösungen, bestimmte Computer-Vision-Fähigkeiten und Produkte für das Wettbewerbsmanagement. Synergy war 2021 für 205 Millionen Euro übernommen worden, vor allem wegen des Kamerasystems.

Analysten sehen Sinn, aber keinen Auslöser

Stifel bleibt bei "Buy" und einem Kursziel von 18 Dollar. Das Haus hält den Verkauf für Portfoliooptimierung zu einem attraktiven Preis. Das veräußerte Geschäft wächst nur im niedrigen einstelligen Bereich und hat eine zersplitterte Kundschaft mit wenig Überschneidung zu den großen Rechteinhabern.

Nach Stifel-Schätzung liegt die Bewertung bei rund dem Elffachen des bereinigten EBITDA 2026, während Sportradar selbst mit dem 8,5-Fachen gehandelt wird.

Jefferies bleibt dagegen bei "Hold" und 14 Dollar. Der Verkauf setze überschüssige Mittel aus Randbereichen frei, die sich für Aktionärsrückflüsse eignen könnten. Für eine Höherstufung reiche das nicht. Die Skepsis gilt der Komplexität von Deals mit Prediction Markets und nachlassenden Wettumsätzen.

Das Bild bleibt gespalten, die Ziele reichen von 14 bis 19 Dollar. Zuvor hatte UBS auf "Neutral" abgestuft und das Ziel von 30 auf 16 Dollar gekappt, nachdem Sportradar die Prognose für Umsatz und EBITDA 2026 gesenkt hatte.

Aktie nahe dem Jahrestief

Die Aktie gab im Handelsverlauf rund drei Prozent nach und kostet etwa 11,80 Dollar. Das Jahrestief liegt bei 11,39 Dollar, seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf etwa 49 Prozent. Ein schwacher Gesamtmarkt und anziehende Anleiherenditen belasten Technologiewerte zusätzlich.

Positiv wirkt die erweiterte Partnerschaft mit Polymarket, die mehr als 20 Ligen und Wettbewerbe umfasst, darunter die Bundesliga. Etwa 300.000 Spiele pro Jahr sollen abgedeckt werden. Stifel will seine Schätzungen vor den Zahlen zum dritten Quartal 2026 aktualisieren. Fällt die Aktie unter 11,39 Dollar, wäre ein neues Jahrestief erreicht.

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