SpaceX, Aktie

SpaceX Aktie: AT&T und Verizon unter Verkaufsdruck

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 17:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Frequenzkauf erweitert SpaceX’ Mobilfunkpläne, während hohe Infrastrukturkosten und laufende Finanzierungsverhandlungen den Kapitalbedarf verdeutlichen.

SpaceX steigt ins Mobilfunkgeschäft ein und steht vor hohen Kosten
Abstrakte Darstellung moderner Telekommunikationsinfrastruktur mit Glasfaserkabeln und Servertechnik in einer düsteren, professionellen Finanzumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem geplanten Einstieg in das klassische Mobilfunkgeschäft greift SpaceX nach dem nächsten Markt. Das Raumfahrtunternehmen hat sich das landesweite 800-Megahertz-Frequenzspektrum von Grain Management gesichert, um Starlink Mobile von einem Satellitendienst zu einem vollwertigen Telekommunikationsangebot auszubauen.

Für die etablierten Schwergewichte AT&T, Verizon und T-Mobile ist dieser Schritt eine ernsthafte Herausforderung. Gleichzeitig bürdet sich der Konzern ein gewaltiges Investitionsrisiko auf, das Anleger nicht ignorieren sollten.

Der teure Traum vom Hybridnetz

Bisher litt die direkte Kommunikation zwischen Satellit und Smartphone an einer physikalischen Grenze: Gebäudewände schirmen Signale im höheren Frequenzbereich oft rigoros ab. Der Zukauf des Low-Band-Portfolios mit bis zu 14 Megahertz gepaartem Spektrum soll genau dieses Problem lösen.

In Kombination mit den von der US-Aufsichtsbehörde FCC genehmigten 15.000 Gen2-Satelliten im 2-Gigahertz-Band plant das Unternehmen ein hybrides Netz, das Mobilfunkgeräte ohne teure Zusatzhardware erreichen kann.

Dass der US-Telekomsektor nervös reagiert, ist verständlich. Die Aktien von AT&T, Verizon und T-Mobile gerieten nach der Ankündigung prompt unter Verkaufsdruck. Doch meiner Ansicht nach unterschätzt der Markt die Hürden, die vor dem Raumfahrtkonzern liegen. Ein Spektrum zu besitzen, ist noch kein fertiges Netz.

Das Wall Street Journal beziffert das Volumen des Zukaufs auf rund 8 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommt: Analysten von Bernstein taxieren die Kosten für den Aufbau einer konkurrenzfähigen, landesweiten terrestrischen Mobilfunkinfrastruktur auf 50 bis 130 Milliarden US-Dollar. Bodenstationen und Funkmasten lassen sich nicht einfach aus der Erdumlaufbahn ersetzen.

Hohe Ambitionen treffen auf Kapitalhunger

Für mich zeigt dieser Vorstoß exemplarisch den Führungsstil von Elon Musk: Wachstum und Verdrängung haben absolute Priorität, koste es, was es wolle. Doch diese Strategie verlangt immense finanzielle Mittel.

Neben den Mobilfunkplänen verhandelt SpaceX laut Medienberichten derzeit über eine Fremdfinanzierung von rund 40 Milliarden US-Dollar, um Rechenzentren mit Nvidia-Chips für KI-Infrastruktur auszustatten. Im zweiten Quartal 2026 belief sich der Free Cashflow auf minus 16,82 Milliarden US-Dollar, bei einem Nettoverlust von 541 Millionen US-Dollar.

Goldman Sachs hob sein Kursziel kürzlich auf 230 US-Dollar an, während Morgan Stanley sogar 300 US-Dollar für erreichbar hält.

Die Börse honoriert den Vorstoß zunächst verhalten positiv: Die Aktie legte heute um 1,7 Prozent auf 145,62 Euro zu. Damit notiert das Papier allerdings weiterhin rund 25 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 194,46 Euro.

Riskantes Spiel auf zwei Baustellen

Unterm Strich steht SpaceX vor einem gewaltigen Balanceakt. Das Geschäftsmodell expandiert gleichzeitig in extrem kapitalintensive Branchen: KI-Rechenzentren auf der einen Seite, Mobilfunkinfrastruktur auf der anderen. Gelingt der FCC-genehmigte Ausbau und kann Starlink Mobile tatsächlich Marktanteile im US-Telekommarkt erobern, würde dies die Erlösbasis dramatisch verbreitern.

Doch die finanzielle Belastung ist real. Wer als Anleger auf diese Vision setzt, muss die Bereitschaft mitbringen, hohe Verluste und massive Investitionswellen auszusitzen. Für Euphorie ist es zu früh; die eigentliche Bewährungsprobe am Boden beginnt erst jetzt.

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