SolarEdge Aktie: 2,4 Milliarden Dollar bis 2029
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 08:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf seinem gestrigen Investor Day hat SolarEdge Technologies eine ehrgeizige Strategie vorgestellt, die das Unternehmen bis zum Jahr 2029 zurück auf einen steilen Wachstumspfad führen soll.
Im Mittelpunkt stehen dabei neue Umsatzziele im Milliardenbereich sowie eine technologische Diversifizierung in den Markt für KI-Rechenzentren. Trotz der Ankündigung einer engen Zusammenarbeit mit Branchengrößen wie Nvidia reagierte der Markt jedoch verhalten auf den kurzfristigen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr.
Langfristige Finanzziele und KI-Strategie
Das Unternehmen setzt sich für das Jahr 2029 ein Umsatzziel von 2,4 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Für das laufende Jahr 2026 wird derzeit mit einem Umsatz von etwa 1,29 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Parallel zum Umsatzsprung strebt das Management eine deutliche Verbesserung der Profitabilität an. Die Bruttomarge soll bis 2029 auf 35 Prozent steigen, während beim operativen Ergebnis (EBIT) ein Wert von 360 Millionen US-Dollar anvisiert wird.
Ein zentraler Baustein dieser Expansion ist der Vorstoß in die Energieversorgung von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. SolarEdge entwickelt hierfür einen sogenannten DC-Powertrain, der die Stromverteilung effizienter gestalten soll.
Das Unternehmen gab bekannt, dass eine kritische Konvertierungsstufe dieses Systems im Entwicklungslabor bereits unter Last erfolgreich getestet wurde. Diese Technologie zielt darauf ab, die Hochspannungsversorgung direkt für KI-Server nutzbar zu machen, was den Wirkungsgrad von Rechenzentren erheblich steigern könnte.
Zusammenarbeit mit Branchengrößen Nvidia und Infineon
Um die Position im neuen Marktsegment zu festigen, präsentierte SolarEdge eine Kooperation mit Nvidia. Gemeinsam veröffentlichten die Unternehmen ein Whitepaper zu Schutz- und Erdungsrahmenwerken für 800-Volt-Gleichstromsysteme in KI-Rechenzentren. Dieses Rahmenwerk ist technologieneutral gestaltet und soll als Standard für ein offenes Ökosystem dienen, in dem verschiedene Anbieter zusammenarbeiten können.
Ergänzt wird diese Initiative durch eine Partnerschaft mit dem Halbleiterhersteller Infineon. Gemeinsam entwickeln die Unternehmen Solid-State-Schutzschalter (SSCB), die auf der CoolSiC-Technologie von Infineon basieren.
Diese Bauteile sind darauf ausgelegt, Fehlerströme in Bruchteilen von Millisekunden zu unterbrechen, was für den Schutz der teuren Hardware in Rechenzentren essenziell ist. Laut Mitteilung der Unternehmen basiert diese Entwicklung auf einer bereits seit November 2025 bestehenden Kooperation im Bereich modularer Stromversorgungssysteme.
Gedämpfte Stimmung durch vorsichtigen Kurzfrist-Ausblick
Trotz der langfristigen Wachstumsperspektiven sorgten Aussagen zum aktuellen Geschäftsverlauf für Verkaufsdruck. CEO Shuki Nir bestätigte zwar die Prognosen für das dritte Quartal 2026, gab jedoch einen vorsichtigen Ausblick auf das vierte Quartal. Er deutete an, dass das Ergebnis im Schlussquartal leicht unter dem Niveau des dritten Quartals liegen könnte.
Diese Nachricht überschattete die positiven Nachrichten des Investor Day, zumal die Produkte für den KI-Sektor derzeit noch nicht allgemein verfügbar sind und konkrete Kundenbestellungen in diesem Bereich noch ausstehen.
Die Aktie beendete den Handel gestern bei 31,65 Euro. Damit notiert das Papier weiterhin deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 69,10 Euro, wovon es aktuell rund 54 Prozent entfernt ist. Anleger blicken nun verstärkt auf die operative Umsetzung des Turnarounds.
Zwar konnte SolarEdge im zweiten Quartal 2026 erstmals seit einem Jahr wieder ein positives operatives Ergebnis auf Non-GAAP-Basis ausweisen, doch zeigt der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von derzeit 13 Prozent, dass das Vertrauen der Investoren noch nicht vollständig zurückgekehrt ist.
Bereits vor rund einem Monat deutete sich durch die Q2-Ergebnisse eine Stabilisierung an, die durch regulatorische Faktoren wie die FCC-Entscheidung vor rund zwei Wochen gestützt wurde. Der Erfolg der nun präsentierten Strategie hängt maßgeblich davon ab, ob SolarEdge den Übergang vom reinen Photovoltaik-Spezialisten zum Infrastrukturanbieter für die boomende KI-Industrie zeitnah vollziehen kann.
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