SoftBank Group Aktie: 30 Milliarden Dollar für OpenAI
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 20:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de
SoftBank Group hat Anfang August zwei unbesicherte Anleihen im Gesamtvolumen von 90 Milliarden Yen platziert – eine Tranche über 80 Milliarden Yen mit einem Kupon von 3,270 Prozent und Fälligkeit im August 2029, eine zweite über 10 Milliarden Yen mit 3,886 Prozent Zins bis August 2031. Die Emission fällt in eine Phase, in der der japanische Technologie- und Investmentkonzern seine Wette auf künstliche Intelligenz weiter erhöht, während der Aktienkurs zuletzt deutlich unter Druck geraten ist.
An der Frankfurter Notierung schloss das Papier am Freitag bei 27,10 Euro, ein moderates Plus von 0,74 Prozent zum Vortag. Der Blick auf die vergangenen Wochen zeigt jedoch die Schwäche: Binnen 30 Tagen hat die Aktie 13,56 Prozent verloren. Der RSI von 38,7 signalisiert eine überverkaufte Marktlage, die annualisierte Volatilität von gut 73 Prozent unterstreicht, wie nervös der Handel mit dem Titel derzeit verläuft.
Die Wette auf OpenAI wird noch größer
Im Zentrum der Nachrichtenlage steht die weiter anschwellende Beteiligung an OpenAI. Berichten zufolge erwägt SoftBank ein zusätzliches Investment von 30 Milliarden US-Dollar in den ChatGPT-Entwickler – zusätzlich zu bereits zugesagten mehr als 41 Milliarden Dollar. In Summe würde sich das Engagement damit auf über 71 Milliarden Dollar belaufen. OpenAI selbst hatte kürzlich eine Finanzierungsrunde über 122 Milliarden Dollar abgeschlossen, die das Unternehmen mit 852 Milliarden Dollar bewertet. Neben Amazon und Nvidia zählt SoftBank dabei zu den strategischen Ankerinvestoren; auch Microsoft beteiligte sich an der Runde. OpenAI meldet inzwischen mehr als 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer und einen monatlichen Umsatz von rund 2 Milliarden Dollar, wobei Unternehmenskunden mehr als 40 Prozent der Erlöse ausmachen.
Die frische Anleihe reiht sich damit in ein Muster ein: SoftBank finanziert seine milliardenschweren KI-Wetten zunehmend über Fremdkapitalmärkte, während parallel Diskussionen über weitere Kreditlinien gegen die eigene OpenAI-Beteiligung laufen. Für Anleger bedeutet das ein wachsendes Klumpenrisiko – der Erfolg der Aktie hängt zunehmend an der Entwicklung eines einzelnen, nicht börsennotierten KI-Unternehmens.
Diversifikation über Robotik und Batterien
Neben der OpenAI-Konzentration treibt der Konzern weitere Vorhaben voran. Geplant ist die Übernahme des Robotik-Start-ups Gravis Robotics AG sowie das Listing des neuen Fahrzeugmodells Roze in den USA. Zudem hat die Telekommunikationssparte von SoftBank ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem südkoreanischen Unternehmen Cosmos Lab und dem KI-Anbieter DeltaX angekündigt, das großvolumige Batteriezellen und Energiespeichersysteme in Japan fertigen soll. Die Produktion im Werk in Osaka soll im Geschäftsjahr bis März 2028 starten, die Massenfertigung ein Jahr später folgen. Bis zum Geschäftsjahr 2030 peilt SoftBank mit dem Batteriegeschäft einen Jahresumsatz von über 100 Milliarden Yen an, umgerechnet rund 638 Millionen Dollar – gedacht vor allem für KI-Rechenzentren, Stromnetze und industrielle Anwendungen.
Bewertung bleibt umstritten
Wie schwer sich der Markt mit einer fairen Einschätzung tut, zeigen zwei gegensätzliche Bewertungsansätze. Auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses von rund 6 gegenüber einem Branchenschnitt von etwa 18 erscheint die Aktie im Vergleich günstig, ein narratives Fair-Value-Modell kommt jedoch zu dem Schluss, der Titel sei überbewertet. Ein Discounted-Cashflow-Modell zeichnet dagegen ein anderes Bild und beziffert den fairen Wert je Aktie deutlich über dem zuletzt in Tokio notierten Kursniveau – SoftBank wäre demnach um mehr als 11 Prozent unterbewertet, gestützt auch durch die angekündigten Robotik-Pläne. Die Diskrepanz macht deutlich, wie stark die Einschätzung des Konzerns davon abhängt, ob Anleger den Wert der Beteiligungen oder die operative Ertragskraft in den Vordergrund stellen.
Für Investoren bleibt SoftBank damit ein Balanceakt zwischen aggressivem KI-Wachstumskurs und wachsender Verschuldung. Die aktuelle Kursschwäche und der überverkaufte RSI-Wert deuten darauf hin, dass der Markt die jüngsten Nachrichten noch nicht abschließend verarbeitet hat.
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